Das Ende naht: Verhängnisvoller 2.Mai 1523

Bresche in der Südmauer

Am nächsten Tag, dem 2. Mai, stürzte unter dem Beschuss der trierischen Kanonen ein 7 Meter langes Stück der Südmauer zwischen Großen und kleinen Rondell ein. Dort waren drei Geschützstellungen in die Mauer eingelassen, so dass ein konzentriertes Feuer auf diese Geschützdurchlässe die Mauer besonders verwundbar machte. Die Mauertrümmer und der Schutt des Wehrganges stürzten in den Graben hinab und verfüllten diesen zu einem gewissen Teil. Wahrscheinlich ist auch der 6-Pfünder aus der mittleren Scharte mit in den Graben hinabgerutscht. Nun war an dieser Stelle eine bedrohliche Einbruchstelle für Sturmtrupps entstanden, die es abzuriegeln galt.

Franz wird schwer verletzt

Franz, der immer noch schwere Gichtbeschwerden hatte, ließ sich zur Bresche führen, um die Begutachtung des Schadens vorzunehmen. „In demselbigen Augeblick fiel ein Schuss aus einer Nothschlange und traf einen Balken mit solcher Gewalt, dass davon in Stück in Franzens Seite schlug und eine Wunde beibrachte, durch die man „Lunge und Leber im Leibe ihm sah“. Mit Franz wurden auch ein Büchsenmeister und Franzens Kammerdiener getroffen. Alle lagen einige Zeit bewusstlos am Boden, ehe man sie entdeckte und barg. Zunächst wurde Franz in eine Stube gebracht,

allein das Höllenfeuer verfolgt sie auch hier mit so unbeschreiblicher Wuth, dass man sich genötigt sah, in ein gehauenes Gewölb ihn zu tragen, um vor fernerm Unglück ihn zu sichern.“

Auch ohne Franzens Aufsicht wird man auf dem Nanstein mit allen Mitteln versucht haben, die Bresche mit Schanzkörben, Mauertrümmern, Balken und einer Holzpalisade zu schließen. Auch wird man kleinere Geschütze für den „Hagelschuss“ (mit Hackblei, Kiesel, Arkebusenkugeln) gegen eindringenden Feind im Hof in Stellung gebracht haben.
Als man Franzens Wunde sah, war jedem klar, dass die Verletzung einen tödlichen Ausgang nehmen würde. Eine Anekdote berichtet, dass einer der bei Franz weilenden Adeligen ohnmächtig geworden sei und Franz den Wundarzt aufgefordert haben soll, sich zunächst sich um den Bewusstlosen zu kümmern.

Franz hielt sich zunächst achtbar und soll doch zuletzt resignierend erklärt haben „solch unchristlich Schießen hab ich mein Tage noch nie erfahren“.

Mit zitternder Hand schrieb er noch einen chiffrierten Brief an seinen Sekretär Balthasar Schlör und gab diesem Anweisung, für Entsatz zu sorgen. Ein Knappe sollte den Brief durch die feindlichen Linien bringen, wurde aber abgefangen. Wie a.a.O. dargelegt, war bei der Fehde mit Trier der Dechiffrierungscode für Sickingens Geheimbotschaften in die Hände des Landgrafen gefallen und so war der Brief an Schlör schnell entschlüsselt:

Lieber Meister Balthasar! ich gebe euch zu erkennen, daß ich hart belagert und mit dem Geschütze härter allbereits, denn ich gemeinet in einem Vierteljahr hätte geschehen sollen, genöthiget bin. Es hat mich auch ein Holz geschlagen, hoff aber in Gott, es soll mir nichts schaden. Darum wollet euch eilends zu Graf Wilhelm von Fürstenberg fügen, und ihn aufs fleissigste bitten und anhalten, daß er mit samt denjenigen, als er und ihr wisset, mich entsetze. Denn ich hab’ ein trotziges Gesinde, das sich zu wehren Lust hat, und bin ganzer Zuversicht, Graf Wilhelm und ihr werdet keinen Fleiß hierinnen unterlassen!“

Nun hatten die Fürsten Gewissheit, dass sich Franziscus tatsächlich noch auf dem Nanstein befand und nicht beim Ausfall entkommen war. Sie ließen ihr Geschützfeuer noch einmal verstärken. Als die Hauptfortifikationen des Nanstein alle danieder lagen, wurde der Beschuss – wohl aus Kostengründen – nur noch mit kleineren Geschützen und dem Mörser gegen die Oberburg und gegen die Einbruchstelle in der Südmauer fortgesetzt. Schließlich wollte man verhindern, dass die Bresche wieder geschlossen werden konnte.

Abb.1 Die Südmauer, links das Kleine Rondell (2017).

Etwa im Bereich der Efeubewachsung gelang es den Trierer Kanonen, eine 7m breite Bresche zu legen. Bei der Begutachtung des Schadens wurde Franz v. Sickingen am 2.Mai 1522 schwerstverletzt.
Die Südmauer wurde im 19.Jhdt neu aufgerichtet. Der damalige Wallgraben ist heute eingeebnet.

Abb.2  Sterbekammer des Franz v. Sickingen (2017)

Nachdem das Feuer auf den Wohnbereich anhielt, wurde Franz in einen sicheren Kellerraum verbracht, von wo aus er noch die nächsten 4 Tage den Kampf leitet, dann aber auch die Notwendigkeit der Kapitulation erkannte. Am 7.Mai 1523 starb Franz in diesem düsteren Raum.

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