Burgenkunde

Das Burgsterben in der Pfalz

Wie im Kapitel Burgenbau in der Pfalz ausgeführt, sind weit über 500 Burgen und Burgstellen im Pfälzischen Burgenlexikon in der Pfalz erfasst. Eine nicht unbeträchtliche Anzahl der aufgeführten Burgen war jedoch nur durch Urkunden nachweisbar, ohne dass sich noch Baureste erhalten hätten. Spätestens hier stellt sich die Frage, wie es zum Burgsterben und dem “Reichtum” an Ruinen in der Pfalz kam. Warum sind nur ganz wenige Burganlagen heute, wie z.B. Berwartstein, Trifels , Krobsburg oder Winzingen, wenngleich stark von seinem historischen Erscheinungsbild abweichend, teilweise in Privatbesitz, heute noch erhalten? Der Niedergang der Burgen ist untrennbar mit dem Niedergang des Ritterstandes verbunden. Neben den später noch zu besprechenden Zerstörungen durch Kriege und Naturereignisse gab es auch weniger spektakuläre Gründe für die Aufgabe und den Verfall von Burgen, die kein Einzelereignis, sondern Ergebnis eines Prozesses waren, den ich hier kurz anreiße:

“Erstes Rittersterben” während des Interregnums

Nach dem Ende der Stauferherrschaft in der Mitte des 13. Jhdts. verloren die als Verwalter der “Reichsburgen” eingesetzten Ministerialen an Bedeutung und sie waren – bis auf wenige Ausnahmen – nicht mächtig genug, eine eigenständige Rolle in der königlosen Zeit (Interregnum) des Heiligen Römischen Reiches von 1245 – 1273 aufrecht zu halten. Nach der Thronbesteigung Rudolf v. Habsburgs 1273 drohte den “Ex-“Ministerialen zudem die Rückforderung ihrer Burg (als erledigtes “Reichslehen”) und die Einsetzung königstreuer Lehensleute. Sie schlossen sich in der Folgezeit immer häufiger den erstarkten Grafen oder gar dem Kurfürsten als nun bestimmende Territorialmachtinhaber an, z.B. 1363 als die Herrschaft von Scharfeneck (Neuscharfeneck) dem Kurfürsten v.d. Pfalz ihre Burg als Lehen antrugen und sie als Mannlehen zurück erhielten. Fortan waren sie Vasallen des KF v.d. Pfalz.

Wo das nicht gelang, verdingten sie sich als Söldner im Ausland, um dort ihr wirtschaftliches Auskommen zu suchen. Verarmte Ritter, die bis dahin noch an ihren Burgen festgehalten hatten, blieb oft nur das Raubrittertum, um ihren Burgen weiter unterhalten zu können.

 

Neues Machtzentrum “Stadt”

Eine neue existenzbedrohende Kraft kam seit Mitte des 13. Jhdt. mit den aufstrebenden Städten auf. Dort florierten Handel und Gewerbe im Schutze mächtiger turmbewehrter Stadtmauern und die Bevölkerungszahl in den Städten wuchs rapide. So bluteten die Burgen in ihrer Wirtschafts- und Verwaltungsfunktion immer mehr aus, was zur weiteren Verarmung und einem fortschreitenden Bedeutungsverlust ihrer Inhaber führte. Die Verarmung der Ritterschaft und weiter Teile des Niederadels führte dazu, dass sie die Burg nicht mehr unterhalten und schon gar nicht mehr an die wehrtechnischen Weiterentwicklungen (Stichwort “Pulverwaffen”) anpassen konnten. Angesichts dieser Entwicklung verwundert es nicht, dass viele der Pfälzer Burgen während des Bauernkrieges 1525 kampflos oder ohne größere Gegenwehr an die Bauern übergeben wurden, um das Leben der Bewohner im Gegenzug zu schonen. Nur wenige, finanziell gut gestellte, meist dem Hochadel angehörende, Burgenbesitzer konnten ihre Wehrbauten an die (militärischen) Anforderungen der Zeit anpassen, aber selbst dann mangelte es an Besatzung, um es mit einem zahlenmäßig hochüberlegenen “Bauernhaufen” aufzunehmen.

Gegenstrategien “Verpfändung” oder “Ganerbenburg”

Eine Strategie der Burgherren war, entweder Anteile an der Burg zu verpfänden, oder – ähnlich wie in einer heutigen “Wohnungseigentümergemeinschaft”- weitere (Mit-)Besitzer durch Verkauf von Anteilen zu bekommen. Die “Teilungserklärung” der Burggemeinschaft hieß damals “Burgfriedensvertrag“. Die so entstandene sog. “Ganerbenburg” wird in einem separaten Kapitel besprochen.

Das Ende des Ritters auf dem Schlachtfeld

Zeitgleich wurde auch die Rolle des Ritters als Träger der Hauptlast der Schlacht völlig ausgehebelt. Unter Kaiser Maximlian I. wurde das Fußvolk fortan durch (erheblich kostengünstigere) “Landsknechte“, verstärkt durch Kavallerie und Artillerie, gebildet, immer häufiger mit Distanzwaffen / Pulverwaffen ausgestattet, so dass der “ritterliche Zweikampf” nur noch in prächtigen Ritterturnieren fortlebte. Der Ritter hatte seine Funktion auf dem Schlachtfeld verloren.

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