Zerstörung des Nanstein 1523
Ausrüstung und Stärke des Nanstein
Auf dem Nanstein befand sich eine ständige Besatzung von etwa 80 Mann, die sich aus Wachmannschaften, den Stückmeistern und ihren Knechten, den Dienern und dem Hausgesinde zusammensetzte. Rechnet man die 40 Reiter, sowie die zu Sickingen gestoßenen Adeligen und Bürgerlichen aus Landstuhl hinzu, so dürfte die Kopfstärke zu Beginn der Belagerung etwa 150 betragen haben.
Bemerkung zur Logistik: Für diese 150 “Esser” wurden für einen Monat etwa 1.5 Tonnen Fleisch, 9.000 Brote und über 10.000 Liter Wein Proviant benötigt.
Was geschah mit der Reiterei?
Franz beschloss nun, einen Großteil der ihm auf der Burg unnützen Reiterei (vierzig Reiter) herauszuschaffen, sicherlich auch um seine Vorräte zu schonen. Er musste jedoch noch auf einen geeigneten Zeitpunkt warten, der am frühen Morgen des 1.Mai gekommen war. Er selbst wollte auf dem Nanstein bis zum Eintreffen von Entsatztruppen seiner Bundesgenossen ausharren, obgleich er von den Seinigen gedrängt wurde, das Schloss zu verlassen und besser von außerhalb Einfluss auf das Geschehen zu nehmen. Franz, der ganz auf die Stärke seiner Burg vertraute, hoffte zu diesem Zeitpunkt noch, dass
“(..) an den Mauern Landstuhls die Geduld und die Anstrengung der Fürsten ermüden (..) würde“.
Bewaffnung der Burg Nanstein
Nun zur Bewaffnung der Burg. Es liegen keine Inventare vor, aus denen man die exakte Stärke der Nansteiner Artillerie entnehmen kann. Also muss es aus den vorhandenen und nachgewiesenen Stellungen mittelbar auf den Geschützpark geschlossen werden. Auf dem Nanstein waren zu Beginn der Kampfhandlungen etwa 36 bis 40 Geschütze unterschiedlicher Art vorhanden.
Der Analyse von Eckhard Braun (Quelle 2, S. 985) folgend, waren das wohl:
-
- In und auf dem Großen Rondell: ca. 13 Geschütze
- In und auf dem Kleinen Rondell: 7 Geschütze
- Südmauer: 3 Geschütze
- Nordostbastion: 2 Geschütze
- Auf der unteren Ringmauer der Nordseite, auf dem Südbering der Oberburg und auf dem torsichernden Turm im Westen der Burg: insgesamt 5 kleinere Büchsen
- Plattform der Oberburg (dem Bergfried-Stumpf): 2 Mörser
- Im Vorhof hinter dem Außentor und in der nordwestlichen Vorburg verteilten sich einige leichte Feldgeschütze (vermutlich 2 Falkonets, 1 Serpentinell)
- Hinter dem Außentor: 1 Hagelbüchse mit 3 Rohren auf Karren
Da die Besatzung 1523 nur etwa 80 Mann (ohne Reiter) zählte, wird klar, dass gar nicht alle 36 Geschütze gleichzeitig bemannt werden konnten. Das wirkte sich allerdings nicht gravierend, aus denn die drei fürstlichen Belagerungsschanzen konnten ohnehin nur von einem Teil der Kanonen des Nanstein (Braun kommt auf 22 Geschütze) beschossen werden.
Feuerüberlegenheit des Angreifers
In Kenntnis der Ladezeiten, die man für die Kanonentypen veranschlagen musste, kommt man zum Ergebnis, dass aus dem Nanstein nur alle 3 bis 4 Minuten ein Kanonenschuss im Kaliber zwischen ½ und 42 Pfund auf die fürstlichen Schanzen abgefeuert werden konnten, während die fürstliche Artillerie einen Takt von 90 Sekunden mit schweren Kalibern, allesamt über 16 Pfund, erreichte. Das war eine erdrückende Feuerüberlegenheit der Belagerer. Die erfolgreiche Verteidigung des Nanstein hätte also nur mit Hilfe einer schlagkräftigen Entsatzarmee erfolgen können, die in der Lage gewesen wäre, die Belagerungsgeschütze auszuschalten oder zu erbeuten.
aus: Kriegsbuch des Reinhard von Solms
Die Ganzkartaune verschoss 42 pfündiger Eisenkugeln mit einem Kaliber von 180mm. Das Rohrgewicht einer Kartaune betrug ca. 5 Tonnen. Die Nachladezeit einer Kartaune betrug etwa 15 Minuten
Auf Nanstein kam der Einsatz kurzrohriger Ganzkartaunen mit einer Rohrlänge von knapp über 2 Metern im Großen Rondell auf der 2. Ebene und der 3. Ebene in Betracht.
Festung Königstein (Sachsen)
Die “Halbe Kartaune” verschoss 24 pfündige Eisenkugeln des Geschosskalibers 150mm. Das Gewicht der Kanone betrug ca. 3,1 Tonnen.
Zwei der vier Halbkartaunen in der fürstlichen Artillerie waren kurzrohrige Typen, die den Namen “Singerinnen” trugen.
Die Nachladezeit einer Kartaune betrug etwa 15 Minuten.
Auf dem Nanstein kam eine Halbkartaune auf der 2. Ebene des Großen Rondells zum Einsatz,
Ausgestellt auf Veste Coburg
Die Viertelkartaune verschoss 12 pfündige Eisenkugeln aus einem Rohr-Kaliber von 11,4cm. Kurzrohrige Viertelkartaunen kamen auch als Festungsgeschütze zum Einsatz, z.B. auf Nanstein, Neudahn und der Hardenburg, möglicherweise auch auf Neuscharfeneck.
Auf dem Nanstein war ein kurzrohriges kasemattiertes Geschütz im Kleinen Rondell eingesetzt und ebenfalls auf der 4.Ebene des Großen Rondells.
Kartaunen gab es in lang- und kurzrohriger Ausführung und verschiedenen Kalibern von der Doppel- bis zur Achtelkartaune. Die Achtelkartaune verschoss 6-pfündige Eisenkugeln aus einem Rohr-Kaliber von 90mm.
Kurzrohrige 6-Pfünder kamen in nahezu allen Pfälzer Kanonenburgen zum Einsatz, da sie auch in kleinen Geschützwerken (ab 5 Meter Durchmesser) Platz fanden. Meist erfolgte der Einsatz in Burgen auf einer vierrädrigen Kasemattlafette. (siehe Register unten)
Einsatz von kasemattierten Achtelkartaunen / 6-Pfündern auf Nanstein:
- Großes Rondell auf 5. Ebene: 1 Stück
- Südmauer im mittleren Stand: 1 langrohrige
- Kleines Rondell: 1 Stück
Die Nothschlange gehört zur Gruppe der “Schlangen”.Wir finden diesen Geschütztyp seit dem 15. Jahrhundert. Im Verhältnis zur Rohrlänger wies die Schlange ein relativ kleines Geschosskaliber auf. Die Schlange war ein typisches Flachbahngeschütz mit hoher Treffgenauigkeit sowie großer Durchschlagskraft.
Für die Bedienung des Geschützes waren neben dem Büchsenmeister noch 2-3 Knechte für Auswischen und Ansetzen nötig. Die Nachladezeit einer Nothschlange betrug etwa 10 Minuten.
Mit ihrer langschwänzigen Lafette wog die nothschlange ca. 3,5 Tonnen. Die Rohrlänge betrug über 5m. Im Gegensatz zur Kartaune hatte die Nothschlange einen peitschend hellen Abschussknall.
In der fürstlichen Artillerie gegen Sickingen wurden 6 schwere Schlangen des Typs “Nothschlange” mitgeführt. Die Nothschlangen waren bereits der Vorhut des Heeres zugeordnet und nahmen gezielt die Brustwehren und die Oberburg unter Beschuss.
Auf dem Nanstein waren ebenfalls Nothschlangen im Bestand des Franz v. Sickingen:
1) 1 Stück im Kleinen Rondell als Kurzrohr
2) 2 Stück im Großen Rondell auf Dachplattform
aus: Kriegsbuch des Reinhard von Solms
“Schlange” war seit dem 15. Jahrhundert die Bezeichnung für ein Geschütz, das im Verhältnis zum Kaliber ein besonders langes Rohr hatte und im Vergleich zu den “Kartaunen” ein relativ kleines Geschosskaliber aufwies.
Die Halbe Schlange war ein typisches Flachbahngeschütz mit hoher Treffgenauigkeit sowie großer Durchschlagskraft, das sowohl bei Belagerungen gegen schwächere Mauern wie auch in der Feldschlacht (Feldschlange) eingesetzt wurde.
Die “Halbe Feldschlange” war ein 9-Pfünder mit einem Kaliber von 107mm und einem Rohrgewicht von ca. 1,7 Tonnen.
Auf dem Nanstein befanden sich Halbschlangen als 10-Pfünder auf
1) der Plattform des Kleinen Rondells
2) Nordostbastion mit Hauptkampfrichtung Nordosten (Hessische Schanze)
Die Schlange war ein typisches Flachbahngeschütz mit hoher Treffgenauigkeit, ideal zum Bestreichen der Zugangswege zur Burg. Der 2-Pfünder oder “Falkon” gehört zu den kleineren Schlangengeschützen mit einem Rohrinnenkaliber von 68mm und einer Rohrlänge von 170cm in der kurzrohrigen Variante (22 Kaliber)
In Burgen kamen überwiegend kurzrohrige Varianten zum Einsatz, weil die Platzverhältnisse für das Laden einer Langrohrvariante häufig nicht ausreichten.
Auf Neuscharfeneck waren 1541 sechs 2-Pfünder erfasst.
Das Falkonet gehört zur Gruppe der “Schlangen”. Es wird auch Falkonett, Falkon oder Achtelschlange genannt. Das Falkonet war für den präzisen Schuss konzipiert und ist nicht zu verwechseln mit der Falkaune. MIt 300kg Gewicht war es relativ beweglich.
Das Falkonet verschoss 1-pfündige Eisenkugeln vom Kaliber 5cm. Das Falkonet hatte bereits Kimme und Korn als Visiereinrichtung. Die Höheneinrichtung erfolgte mittels einer Schraubspindel.
Beim Kampf um Burgen kam das Falkonet häufig auf Dachplattformen von Geschütztürmen, wie z.B. den Flankierungstürmen von Neudahn und der Schildmauer von Neuscharfeneck, zum Einsatz. Die zwei Nansteiner Falkonets standen im Vorhof hinter dem Außentor zusammen mit den nachfolgend aufgeführten Serpentinell und der Hagelbüchse.
Im Vorhof des Nanstein stand ein Streitkarren mit drei 1-pfündigen Schlangenrohren. Die Geschütze dürften Hinterlader (Kammerbüchsen) gewesen sein.
Der Verwendungszweck war der Einsatz gegen Fußvolk auf kurze Distanz (Sturmabwehr).
Durch die Befestigung auf einem Karren waren die Geschütze beweglich und konnten vom Vorhof direkt an die Schießöffnungen im Bering herangeschoben werden.
Der Streitkarren wurde mit Sicherheit zur Abriegelung der Bresche in der Südmauer, die am 2,. Mai auf 7 Meter Länge entstand, eingesetzt worden sein.
Das Serpentinell konnte gezielt im Kampf gegen feindliche Geschütze und Offiziere eingesetzt werden. Aufgrund des geringen Gewichts konnte es schnell verlagert werden.
Zusammen mit den vorgenannten beiden Falkonets und dem unten aufgeführten Streitkarren mit den Hagelbüchsen war das Serpentinell im Vorhof hinter dem Außen-(Haupt)tor eingesetzt .
Der Mörser war eine grobe Steilfeuerwaffe für den Verschuss von Kugeln im indirekten Beschuss. Damit konnte auch ein Feind hinter Deckungen, die durch Direktfeuer nicht zu erreichen waren, bekämpft werden. Im 16. Jh. verwendete man Metallguss. Aufgrund seiner Größe und seines gewaltigen Rückstoßes musste er in einem massiven Holzunterbau fixiert werden.
Die beiden (kleinen) Nansteiner Mörser hatten ihre Feuerstellungen auf dem Stumpf des ehemalige Bergfrieds, der mit einer Plattform versehen worden war. Beim Mörster dauerte das Nachladen und Einrichten auf das Ziel etwa 20 Minuten.
http://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00020956-6
Namensgebend für diesen Geschütztyp ist das Steingewicht der zu verschießenden Kugel. Die Viertelbüchse hatte einen Rohrdurchmesser von ca. 17cm. Der Flug des Steingeschützes übertraf die Rohrweite der 24-pfündigen Halbkartaune um 2cm und erreichte fast das Kaliber einer Ganzkartaune. Die noch bis zur Zeit des Maxilian I. hergestellten Viertelbüchsen wurden vom Typus der Kartaune für genormte Eisenvollkugeln abgelöst. Für den Hagelschuss wurden jedoch keine Steinvollkugeln, sondern bis zu 20 Pfund Hackblei oder Arkebusenkugeln geladen.
In der Schildmauer des Nanstein standen zwei 10-Pfünder auf vierrädrigen Kasemattlefetten in den dort 1518 angelegten Kasematten. Hauptzweck der dortigen Geschütze war es, vorgedrungenes Fußvolk auf kurze Distanz mit einem Hagelschuss zu zerschlagen.
In der Kellerebene des Großen Rondell stand ebenfalls eine 10-Pfünder Steinbüchse als schwere Waffe – vermutlich auf einer Radlafette wie abgebildet – für den Naheinsatz, z.B. mit Hagelschuss (Streuladung).
Bei der Tarrasbüchse handelt es sich um ein kleinkalibriges Eisenstück bis 2 Pfund Geschossgewicht, für den Hagelschuss., welches in einer Blocklafette gebettet war. 1523 bereits typologisch veraltet.
Einsatz der Tarrasbüchse auf Burg Nanstein
Aus den Kasematten und der Mauerkrone der Schildmauer kam u.a. eine Tarrasbüchse zum Einsatz.
Auf dem Nanstein gab es rundum Schießöffnungen für den Einsatz von Pulverhandwaffen, z.B. auf/in
Wehrgang auf der Südmauer
Kleines Rondell
Großes Rondell
Haupttor mit Schießnischen
Schildmauer mit Wehrgang
Nordostwerk
Ringmauer (Nähe Sterbekammer) am Zwischenhof (Nähe Schänke)