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Wie eine Burg-Rekonstruktion entsteht

Fotomontage: Peter Wild vor der rekonstruierten Hardenburg des Jahres 1590
Zeitreise von Peter Wild zur Hardenburg des Jahres 1590.  Erstellt im Juni 2022.

Ein Interview mit Peter Wild, in gekürzter Fassung erschienen im Magazin VielPfalz, Juni 2022.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Burgen zu rekonstruieren?

Beim Rundgang in einer Burganlage versuchen sich Besucher mithilfe von touristischen Informationen einen Eindruck davon zu verschaffen, wie das Bauwerk früher ausgesehen haben könnte. Auch mich hat diese Frage immer umgetrieben.

Nachdem ich 2017 aus dem aktiven Berufsleben ausgeschieden war, fand ich als Privatier endlich mehr Zeit, meiner Burgenpassion nachzugehen und eine Webseite für Burgenfreunde aufzubauen. Anfangs habe ich mich noch Rekonstruktionsskizzen Dritter bedient. Da diese aber nicht immer stimmig und noch dazu nur aus einer Perspektive als einfache Strichzeichnung verfügbar waren, wagte mich an eigene computergestützte 3D-Rekonstruktionen heran.

Und wie fanden Ihre Rekonstruktionen den Weg in den SHOP?

Vorab sei gesagt, dass es zu unseren Burgen in der Pfalz eine traurige Marktlücke bei den Souvenirs und Andenken gibt, die der Burgbesucher gerne als Erinnerungsstück mitnehmen würde. Nachdem meine ersten eigenen Rekonstruktionen von Burg Steinenschloss und Burg Neuleiningen breite Anerkennung gefunden hatten, wurde ich ermutigt, diese doch auch als Souvenirs zu vermarkten. Und so kam es, dass sich meine Passion zur Profession entwickelte. 2018 habe ich ein Gewerbe angemeldet und biete seither von mir am Computer nachgebildete Burgen in einem von mir erstellten und administrierten Online-Shop an

Nach vier Jahren habe ich inzwischen eine stattliche Anzahl der schönsten Pfälzer Wahrzeichen im 3D-Format zu ihrer Blütezeit nachgebildet. Viele meiner bisher 19 Rekonstruktionen wurden in in meinem Gästebuch oder in den Kommentaren und  Produktbewertungen anerkennend gewürdigt. Ich freue mich immer riesig, wenn ich auf diesem Weg neue Burgenfreunde hinzugewinne.

Welche Ansprüche stellen Sie an Ihre Arbeit?

Die höchsten. Mein Anspruch ist es, dass die Rekonstruktionen möglichst nahe an das Antlitz des gewählten Jahres herankommen. Nur ansprechende Burgenbilder lassen sich auch vermarkten. Daher fließen in ein 3D-Modell hunderte von Arbeitsstunden. Bei der anfänglichen Recherche lese ich mich durch alle mir zugänglichen Quellen – von Wikipedia über das Pfälzische Burgenlexikon bis hin zu wissenschaftlichen Aufsätzen. Erst danach geht es vor Ort, um per Drohne und Kamera die baulichen Details der Anlage einzufangen.  

An welcher geschichtlichen Phase orientieren Sie sich?

Wenn ich ein neues Rekonstruktionsprojekt starte, steht die abzubildende Bauphase zunächst noch gar nicht fest. Diese ergibt sich erst nach dem Studium der Quellen und der Inaugenscheinnahme der Ruine. Meistens kristallisiert sich die Burg in ihrer letzten Ausbaustufe und damit zur Blütezeit heraus.

Wie entsteht dann am Computer ein Modell`?

Die gesammelten Informationen fließen in das nun am Computer zu erstellende 3D-Modell ein. Ich nutze für die Rekonstruktionen die Software Maxon Cinema 4D und die OCTANE Render-Engine. Klar, dass mein Rechner für die Bewältigung der Bildberechnungen höchsten Ansprüchen an Hard- und Software genügen muss.

Ausgehend vom Grundriss platziere ich zunächst die wichtigsten Mauerzüge und Gebäude bis eine erste, noch sehr grobe, Nachbildung entsteht. Es folgt zunächst die Grob-, dann die Feinmodellierung des Geländes rings um die Burg, das ich mit Daten aus GoogleEarth und topographischen Spezialkarten maßstabsgetreu visualisiere. Ist der Burgberg geformt, führte ich die Geländedaten mit dem Grobmodell der Anlage zusammen. Erst dann beginnt schrittweise die eigentliche Rekonstruktion der Burg in allen Baudetails inklusive Texturierung von Elementen, Einfügen von Licht-/ Schatteneffekten und Vegetation sowie der passenden Hintergrundlandschaft, damit im Auge des Betrachters alles „echt“ aussieht.

Welche Burg möchten Sie unbedingt gerne noch rekonstruieren?

Das sind einige noch auf dem Radar. Die Wegelnburg steht weit oben auf meiner Liste. Sie ist aktuell aber noch für den Besucher wegen Sicherungsmaßnahme gesperrt. Ich nehme an, dass Sie 2023 wieder voll zugänglich und ohne Baugerüste zu genießen sein wird.

Und dann gibt es noch Burgen im Donnersbergkreis, ich denke da an Burg Falkenstein (nicht zu verwechseln mit der Falkenburg) oder Alt-/Neuwolfstein, die in meiner Sammlung noch fehlen.

Die größte Pfälzer Burg, Lichtenberg bei Kusel, ist der “Mount Everest” unter den Burganlagen. Sie zu rekonstrukieren wird sehr herausfordernd und ich rechne mit 30-40 Arbeitstagen Aufwand dafür. Denn sie stellt mit 425 x 100 Metern und ihrer dichten Bebauung  höchste Anforderungen an Recherche und konstruktiver Umsetzung.

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