Burgenkunde

Burgenbau in der Pfalz

Burgen in der Pfalz im Wandel von 600 Jahren

Wenngleich nicht alle der Pfälzer Burgen im Scheinwerferlicht der Geschichte standen, wie z.B. der Trifels oder die Kaiserpfalz in Kaiserslautern, so zeugt alleine die stattliche Anzahl hier errichteter Burgen, dass die Pfalz einst zu den Kernlanden des Reiches gehörte. Für die Erstellung des “Pfälzisches Burgenlexikon” wurden weit über 500 Burgen und Burgstellen in der Region erfasst. Eine nicht unbeträchtliche Anzahl der aufgeführten Burgen waren jedoch nur durch Urkunden nachweisbar, ohne dass sich noch Baureste erhalten hätten. Im Fachjargon ist die Burg dann “vollständig abgegangen”.

Ich beschränke mich bei pfälzer-burgen.de auf die Betrachtung derjenigen Burgen, die eine heute noch deutlich erkennbare Spur in der Geschichte und in der Landschaft hinterlassen haben und genügend erforscht sind, um im Rahmen einer Internetseite interessant aufbereitet werden zu können.

Damit wird zugleich der zeitliche Startpunkt meiner Betrachtungen definiert, der mit der salierzeitlichen Turmburg im 11. Jh. beginnt und mit der Zerstörung der mächtigsten und bis zuletzt bewohnten Adelsburgen im Dreißigjährigen Krieg (z.B. 1633: Berwartstein, Meistersel, Gräfenstein, Rietburg, Wolfsburg. 1634: Neuscharfeneck), im Pfälzischen Erbfolgekrieg (z.B. Landeck, Nanstein, Neuleiningen, 1689), spätestens aber durch die Verwüstung durch französische Revolutionstruppen 1794 (z.B. Hardenburg) endet.

Bevor ich auf die Burgentypen eingehe, lohnt es sich eingangs der Frage nachzugehen, wer überhaupt Burgen bauen durfte,  ob bzw. welche Baubestimmungen einzuhalten waren und wie der Bau geplant und ausgeführt wurde.

Zwischen Motte (Turmhügelburg) und Kanonenburg  liegen 600 Jahre technischer und militärischer Veränderung, die den später besprochenen Burgen ein unterschiedliches Antlitz gegeben hat, je nachdem, ob den Burgherren genügend finanzielle Mittel zur Verfügung standen, sie wehrtechnisch an den jeweiligen Stand der Waffentechnik nachzurüsten, oder nicht.  Die Übergänge von der frühmittelalterlichen zur hochmittelalterlichen Befestigungstechnik sind fließend und nicht an einem Datum festzumachen. Hingegen wurde mit der Qualitätssteigerung des bereits früh bekannten Schwarzpulvers und seiner Nutzbarmachung für Pulverwaffen  ab dem 14. Jahrhundert (mehr im Kapitel “Zeitgenössische Waffen”) eine neue Epoche des Burgenbaus eingeläutet, die freilich noch einer Übergangszeit für die bauliche Umsetzung im Burgenbau bedurfte.

So sehen wir beispielsweise bei Hardenburg, Nanstein, Neudahn oder Neuscharfeneck kraftvoll aufgerüstete Kanonenburgen des 15. und 16. Jahrhunderts, während Landeck, Gräfenstein, Scharfenberg und Trifels ihr stauferzeitliches Erscheinungsbild behalten haben, auch wenn sie zum Teil im 14. Jh. noch eine Zwingeranlage erhielten; den Ausbau zur Kanonenburg haben ihre Besitzer jedoch nicht mehr unternommen.

Am Beispiel der Reichsburg Landeck, die zur Blütezeit des Rittertums und Burgenbaus im 13.Jhdt. entstanden ist, werde ich die typischen Bauelemente einer “konventionellen” (i.S. von vorartilleristischen) stauferzeitlichen Burg, darstellen. Auch Hardenburg, mein gewähltes Beispiel für eine Kanonenburg, besaß in ihren frühen Tagen als vergleichsweise “bescheidene” Höhenburg sicherlich die meisten der stauferzeitlichen Bauelemente, wurde aber im 16. Jhdt. zur Renaissanceresidenz mit mächtigen Mauern, Bollwerken und Rondellen ausgebaut, so dass von ihrem stauferzeitlichen Ursprung heute kaum noch etwas zu erkennen ist.

Mein Tipp:  Um die in  pfälzer-burgen.de besprochenen Einzelanlagen im Kontext ihrer Zeit besser zu verstehen, lohnt es sich, begleitend auch in den Rubriken »Burgenkunde,  »Mittelalterliche Waffenkunde  und  »Kampf um Burgen  zu stöbern. Frei nach Maybrit Illner wünsche ich Ihnen “Viel Spaß beim Vermehren der hoffentlich gewonnenen Einsichten …”

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