Zerstörung des Nanstein 1523

Ausgangspunkt: Gescheiterte Fehde mit Kurtrier

Wie im Kapitel Sickingen und seine Fehden ausführlich dargestellt, setzte Franz von Sickingen das Mittel der Fehde für seine wirtschaftlichen und machtpolitischen Ziele ein. Sein 1518 noch unerschütterlich leuchtender Stern als Machtfaktor in Südwestdeutschland war 1521 durch einen missglückten Feldzug gegen Frankreich als Heerführer des Kaisers deutlich verblasst und hatte Sickingen zudem an die 100.000 Gulden Kosten verursacht, die er dem chronisch klammen Kaiser Karl V. vorgestreckt hatte aber nie zurück erhielt. Selbst der wohlhabende Franziscus konnte das nicht ohne Weiteres wegstecken und schaute sich nach neuen Einnahmequellen um. Die Fehde gegen das Kurfürstentum Trier im August und September 1522 versprach reiche und schnelle Beute. Sie geschah im zeitlichen Zusammenhang mit der durch Luther angestoßenen Reformation 1521 und auch als klare Positionierung Franzens gegen die katholische Kirche in ihrer damaligen Gestalt. Gleichwohl ginge es zu weit, den Fehdezug gegen Trier aus theologische-weltanschaulichen Motiven abzuleiten. Auch ohne diese war ein Fehdegrund gegen den Erzbischof von Trier schnell gefunden.

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Richard v. Greiffenklau zu Vollraths (1523) auf Münze *1476 † 1531 war Franzens entschiedener und ebenbürtiger Fehdegegner
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Ein für die damalige Zeit stattliches Heer aus etwa 8.000 Söldnern, darunter 5.000 Fußknechte, hatte Franziscus für den Zug gegen Trier angeworben. Sein Gegner war Erzbischof Richard von Greiffenklau, Kurfürst von Trier. EinErzkatholik, fest im Glauben verwurzelt, der es verstand, seine Untertanen auf seine Seite zu bringen und zu halten. Der Erzbischof hatte die Moselstadt noch rechtzeitig durch Truppenaushebungen verstärken können. Die am 8. September 1522 beginnende sechstägige Belagerung Triers, die von Franz mit Kanonen und in mehreren Sturmangriffen des Fußvolks geführt wurde, konnte von Richard abgewehrt werden. Und als die sehnlich erwartete Verstärkung aus Hessen und Kurpfalz Trier erreichte, musste Sickingen die Belagerung schnell aufheben und sich zurückziehen. Einige seiner schweren Belagerungskanonen fielen den nachstoßenden Trierern in die Hände. Für eine längere Fortsetzung des Fehdezuges reichten Franzens finanzielle Mittel nicht mehr aus. Da er sein Heer über den Winter nicht mehr unterhalten konnte, musste er es „beurlauben“ und hoffte zu diesem Zeitpunkt noch, im nächsten Frühjahr die Initiative zurück gewinnen zu können.

Als am 10. Oktober auch noch die Reichsacht über ihn verhängt wurde, seine Verbündeten reihenweise abfielen und / oder verfolgt wurden, sich zudem der Kaiser von ihm distanzierte, wurde das Ende des Franz v. Sickingen als Machtfaktor offenkundig. Es wurde durch den Gegenschlag der fürstlichen Allianz aus Kurtrier, Kurpfalz und Hessen gegen Sickingen im Mai des Jahres 1523 vollendet.

Nachdem Franz von Trier vertrieben war, wollten Kurpfalz und Hessen die Schwäche Sickingens nutzen und sogleich nachstoßen, um den Krieg gegen seine Burgen zu tragen. Der gemeinsame Kriegsrat sprach sich indes dagegen aus, weil man davon ausging, die als uneinnehmbar geltende Ebernburg in der kalten Jahreszeit nicht bezwingen zu können. Man zog es vor, sich zunächst mit den Verbündeten Sickingens zu befassen und deren Besitztümer zu erobern oder zu verwüsten. Mit diesem Schachzug wollte man dem Ritter „die Sehen seiner Kraft rauben“ (Quelle 7, S.266). So dauerte es bis zum April des Jahres 1523, bis sich die fürstliche Allianz zum Heerzug gegen Sickingen in Kreuznach wieder zusammenfand.

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