Burgenkunde

Zur Burgbautechnik im Mittelalter

Der Bau einer neuen Wehranlage erforderte einen enormen Aufwand an Zeit. Die Bauzeit einer Steinburg mittlerer Größe betrug immerhin zehn bis fünfzehn Jahre und erforderte erhebliche finanzielle Anstrengungen für Material und Personal. War das Recht zum Burgenbau eingeräumt , die Finanzen geregelt und der Burgplatz ausgewählt, konnte mit der Detailplanung und danach mit der Umsetzung begonnen werden. Wie man sich heute, 800 Jahre später, den Ablauf eines Burgbaus vorstellen kann, wird seit 1997 und wohl noch für ein paar weitere Jahre in der Nähe von Paris in einem Projekt für experimentelle Archäologie unter mittelalterlichen Bedingungen erforscht. Mehr dazu unter http://www.guedelon.fr/de/   oder als 8-minütige Fernseh-Dokumentation . Eine weiteres Burgbauprojekt wurde in Friesach (Österreich, Kärnten) gestartet.

Bauplatz

Die Wahl des Bauplatzes war für die spätere Ausgestaltung der Burg und die Anordnung von Wehr-, Wohn- und Funktionsbauten entscheidend. Die Probleme der Verteidigung einer Turmburg mit Ringmauer wurden bereits a.a.O. angesprochen.
In der Stauferzeit wurde die Spornlage die favorisierte Lage. Diese ist charakterisiert durch an drei Seiten steil abfallendes Gelände und eine Burg in Spornlage musste daher nur zu einer Seite des Berges verteidigt werden. In Spornlage errichtete Burgen in der Pfalz sind z.B. Altleiningen, Elmstein, Erfenstein, Hohenecken, Landeck, Lichtenberg, Montfort, Neudahn, Neuscharfeneck, Kropsburg oder Neudahn. Die taktischen Vorteile einer Burg in Spornlage werden im Kapitel “Die stauferzeitliche Burg” noch näher beschrieben.
Ansonsten finden wir eine Großzahl der Pfälzer Burgen als Höhenburgen ausgebildet, d.h. dass sie auf dem Gipfel eines rundherum steilen Berges liegen. Zu ihnen zählen beispielsweise Ebernburg, Gräfenstein, Hardenburg, Lindelbrunn, Madenburg, Meistersel, Ramburg oder Trifels.

Arbeitskräfte

Für den Burgbau waren erfahrene Fachkräfte sowie viele Hilfskräfte erforderlich. Auf einer Burg in der Größe Landecks dürften etwa 50 Handwerker zugange gewesen sein. Die Männer, die am Bau selbst arbeiteten, waren freie Arbeiter, die als gelernte Kräfte Lohnarbeit verrichteten. Meistens kamen sie aus der Region, andere zogen als Wanderarbeiter von Baustelle zu Baustelle. Als Baupersonal und Hilfskräfte kamen zum Einsatz: Baumeister, Steinbrecher, Schmiede, Mörtelmischer und -träger, Steinmetzmeister, Zimmerleute und Erdarbeiter. Die Steinmetzen arbeiteten vor Ort auf der Baustelle eng mit den Mörtelmachern und den Maurern zusammen. Auch Bauern konnten zum Bau einer Burg herangezogen werden, bei Hochadelsburgen häufig im Frondienst. Ansonsten wurden auch die Bauern entlohnt. Ihren Aufgaben bestanden häufig im Holz hauen, in der Bereitstellung der Fuhrwerke und das Herankarren des Baumaterials aus Wald und Steinbrüchen, bisweilen auch das Anlegen eines Behelfsweges zur Baustelle oder Kraftarbeit in den Tretradkränen auf der Baustelle (Abb. 1).

Baumaterial

Hauptwerkstoffe waren Stein und Holz. In der Pfalz hat sich der rote Buntsandstein, der sich sehr gut bearbeiten lässt, im Burgbau durchgesetzt. Die schweren Steine wurden mit Hilfe eines Kranes, der mit einem Tretrad (Abb.1) durch Manneskraft angetrieben wurde, hochbefördert, kleineres Steinwerk in Körben. Die großen Quader, die über spezielle Löcher zum Einhängen von Steinzangen verfügten (sog. “Zangenlöcher”, Abb.2), wurden zum Arbeitsgerüst hochgezogen und vermauert. Rüstlöcher an den Ecken der Quader verweisen auf die Verwendung eines Auslegergerüstes, dessen Stämme in die Löcher eingeschoben waren, hin (Abb.3).

Die großen Buckelquadersteine wurden an den von außen sichtbaren Stellen verlegt, sie symbolisierten die Wehrhaftigkeit der Burg und zeugten vom hohen Status ihres Erbauers (Abb.3). Buckelquader erforderten höchste Bearbeitungsqualität und sie mussten mit dem schmalen Randschlag exakt verlegt werden (Abb.4), waren entsprechend teuer.

Die Mauern wurden in Zweischalentechnik ausgeführt: Zwischen zwei Mauern aus größeren Quadern, an der Außenseite häufig Buckelquadern, wurde Füllmauerwerk eingebracht und vermörtelt (Abb.5). Für die Füllmauern nahm man Bruchsteine oder kleine Quader. Die Mauerstärken richtete sich nach dem Grad der Angriffsgefährdung: Zur Feldseite mächtig, an den unzugänglichen Seiten dünner. Durchschnittlich liegt bei einer deutsche Burg die Stärke der Ringmauerlaut Friedrich Wilhelm Krahe bei 1.5 m. Bei Kanonenburgen erfolgten im 16.Jahrhundert noch Mauerverstärkungen auf 6-10 Meter. Die stauferzeitliche Schildmauer von Landeck misst immerhin 2,5 Meter Breite.

Die abgewandten Teile der Burg und die Steingebäude im Burginneren wurden zumeist in Kleinquadertechnik gemauert. Kleinquader waren einfacher herzustellen und somit preiswerter. Später wurde Mauerwerk minderer Qualität an respräsentativen Bauten verputzt (z.B. Madenburg, Neuleiningen).

Zum Burgbau benötigte man auch große Mengen an Holz. Ein Team von zwei geübten Holzfällern konnte einen Baum von einem Meter Durchmesser in zwei Stunden schlagen. Holz wurde z.B. für den Innenausbau von Gebäuden (Böden, Decken, Holztreppen), Dachkonstruktion, Wehrgänge und Brücken verwendet. Dabei konnte man das beim Kahlschlag des Burgberges gewonnene Holz nicht direkt verwenden, sondern es musste zur Härtung für mehrere Monate in Wasser eingelegt werden. Danach ließ man es trocknen und zersägte es erst dann zu Balken, die dann in einem Spezialverfahren, ähnlich wie Fleisch, geräuchert wurden. Sofern die Burg nicht vorher bereits durch Blitzschlag oder im Kampf abbrannte, konnte das Holz mit dieser Methode nachhaltig (mehrere hundert Jahre) haltbar gemacht werden.

Bedachung

Zur Deckung der Dächer kamen bei den Wohn- und Repräsentationsgebäuden meist Ziegel, bei den Wirtschaftsgebäuden hinter den Schutzmauern kam einfacheres Material wie Holzschindeln oder Stroh zu Anwendung. In Funktionsbauten mit Feuerstellen wurde möglichst wenig Brennbares verbaut. Ziegel konnten nicht auf der Baustelle hergestellt werden, sie mussten gekauft und angeliefert werden.

Wasserversorgung

Für das Leben auf der Burg, insbesondere im Belagerungsfall war die Wasserversorgung einer Burg von entscheidender Bedeutung und bereits in der Bauplanung zu berücksichtigen. Ideal war es, wenn eine Brunnenbohrung in der Kernburg erfolgreich verlief. Teilweise wurden tiefe Bohrungen bis zu wasserführenden Schichten unternommen (Berwartstein 74 m / Abb.6 , Madenburg: 64m, Nanstein: 120m, Neuscharfeneck: 30m), was mehrere Jahre in Anspruch nehmen konnte. Wo kein Frischwasser erreichbar war, mussten Filterzisternen (z.B. Dahner Schlösser, Landeck, Madenburg / Abb.7) vorgesehen werden, die von über die Dächer ablaufendes Regenwasser gespeist wurden. Um Verschmutzungen vorzubeugen, wurde der Brunnen mit einer Schale und zumeist auch mit einem Brunnenhaus (Madenburg) umgeben. In Friedenszeiten war auch der Einsatz von Wassereseln, die zwischen Wasserentnahmestellen im Umland und der Burg pendelten, üblich. Auf Neuscharfeneck führte man mit Hilfe von Deichelleitung Frischwasser über eine nahegelegene Quelle zur Burg.

Abb. 1 Replik eines Tretradkranes auf Burg ALTDAHN, Apr 2017
Abb. 2 Replik einer Steinzange in Zangenloch, Burg ALTDAHN, Apr 2017
Abb. 3 Symbol der Wehrhaftigkeit: Bergfried 
der Burg LANDECK, 2016
Abb. 4 Kunstvoll behauener Buckelquader mit Randschlag, Burg DRACHENFELS, Mrz 2017
Abb. 5 Dreischaliges Mauerwerk im Flankierungsturm von NEULEININGEN, Mrz 2017
Abb. 6 Brunnen mit 74 Meter tiefem Schacht auf Berwartstein
Abb. 7 Filterzisterne im Oberburghof der Madenburg
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