Geschichte der Hardenburg

Die mächte Anlage kann man aufgrund ihrer Größe und Bewehrung schwerlich noch als “Burg” bezeichnen. Die Klassifizeriung als “Festung” passt besser.

Das Antlitz der Hardenburg hat sich in ihrer 600-jährigen Geschichte zwischen 1206 und ihrer Zerstörung 1794 sehr gewandelt. Heute erheben sich über dem gleichnamigen Dorf im Isenachtal, an der wichtigen Straße (heutige B 37) von Bad Dürkheim nach Kaiserslautern, die imposanten Reste einer Renaissance-Festung, die man nicht mehr mit dem Begriff “Burg” umschreiben kann. Man kann kaum glauben, dass die erste stauferzeitliche Burg des Jahres 1206 eine eher bescheidene, unspektakuläre Anlage war. Es muss also ein deutlicher Machtzuwachs ihrer Besitzer stattgefunden haben, um sie zur Festung (Wehrfunktion) und zum Residenzschloss (Repräsentationszweck) des Hauses Leiningen-Hardenburg weiter zu entwickeln und zu unterhalten. Die Geschichte der Hardenburg ist also untrennbar mit der des späteren Fürstengeschlechts Leiningen, das die Burg ohne Unterbrechung in ihrem Besitz hatte, verbunden.

Nachdem König Philipp v. Schwaben, der jüngsten Spross des Kaisers Friedrich I. Barbarossa, 1206 den Grafen Friedrich von Leiningen mit der Vogtei über den Speyergau betraute hatte, die mit dem Schutzauftrag für das Kloster Limburg verbunden war, wurde alsbald eine Burg in der Nähe des Klosters errichtet. Dass der Bauherr Graf Friedrich die Burg jedoch nicht auf eigenem Grund, sondern auf dem Gebiet der Abtei Kloster Limburg errichtet hat, was ein erheblicher Verstoß gegen das zeitgenössische Baurecht bedeutete, führte 50 Jahre lang zu ernsthaften Konflikten mit dem Kloster, die erst durch den Enkel des Gründers, Friedrich III., durch stattliche Zugeständnisse an das Kloster ausgeräumt wurden.

Nach einer Erbteilung wurde die Hardenburg 1317 Stammsitz der Linie Leiningen-Hardenburg.

Die Leininger schienen recht streitbar gewesen zu sein, fochten Sie doch zwischen 1398 und 1525 nachgewiesene 20 Fehden, Kriege und 28 größere “Irrungen” aus. Nicht alle endeten siegreich. Gegen Kurpfalz büßte man bei einem Entsatzversuch 1460 das ganze bewegliche schwere Waffenarsenal ein und es gingen 43 (moderne) Geschütze samt Wagenburg verloren. Besonders schwer wog 1471 die Niederlage des Grafen Emich VII. gegen Kurpfalz, als man an der Seite der verbündeten Veldenzer unterlag. Emich gab auf, als die Stadt Dürkheim zerstört worden war und nun die kurfürstliche Streitmacht weiter gegen die Hardenburg zog. Mit der Niederlage einher ging der Verlust der Vogtei und des Schutzauftrages für das Kloster Limburg. Vielleicht war diese demütigende Entwicklung der ausschlaggebende Grund, dass die Leininger den Entschluss fassten, die Hardenburg zur starken Kanonenfestung auszubauen. Das wurde Ende des 15.Jh. in Angriff genommen und im Jahre 1500 wurde das mächtige Westbollwerk errichtet, in welchem auf drei Ebenen schwerste Geschütze zum Einsatz gebracht werden konnten. 10 Jahre später waren weitere Rondelle an der Süd- und Nordseite errichtet.

Klosterruine Limburg

Als 1504 der Landshuter Erbfolgekrieg ausbrach und der Kurfürst v.d. Pfalz in die Reichsacht geriet, nutzte Emich IX. , der in meiner Beurteilung “Streitsüchtigste” des Leininger Geschlechts, die Gelegenheit und erhob sich gegen Kurpfalz. Mit dem verbündeten Landgrafen von Hessen zog er gemeinsam brandschatzend und plündernd durch die Kurpfalz. Der unrühmliche Höhepunkt war die Zerstörung des Kloster Limburg am 30. August 1504. Das Feuer soll künstlich 12 Tage am Leben gehalten worden sein, um eine nachhaltige Zerstörung herbeizuführen. Das gelang: die Limburg wurde nicht wieder aufgebaut. Die Leininger Grabstelle wurde fortan nicht mehr auf der Limburg unterhalten, sondern man baute in Dürkheim eine Schlosskirche. Übrigens konvertierten die Leininger 1566 zur lutherisch-protestatischen Konfession.

Eine schwere Niederlage erlitt Graf Emich IX. 1512, nachdem Kaiser Maximilian I. gegen ihn die Reichsacht verhängt hatte. Denn Emich hatte sich mit dem frz. König Ludwig XII. verbündet, was aus dem Blickwinkel des Kaisers eine echte Brüskierung war, denn er führte gerade für die “Heilige Liga” gegen Frankreich einen Eindämmungskrieg. Die Reichsacht hatte zur Folge, das nun der (auf Revanche sinnende) KF v.d.Pfalz wiederum gegen die Leininger Residenz Hardenburg zog, und eine Belagerung vorbereitete. Emich übergab die Hardenburg, ehe sie größeren Schaden nahm. Die Leininger erhielten ihren Stammsitz erst 1519 zurück, die Grafschaft stand zu diesem Zeitpunkt am Rande des finanziellen Ruins.

Dennoch scheint recht bald eine Erholung der Finanzen eingetreten zu sein, denn in einer sich anschließenden Bauphase von 1543 bis 1551 entstand ein Residenzschloss mit vielen neuen Bauten mit repräsentativem Charakter, wie z.B. der Saalbau, die “Große Kommunikation”, das Gästehaus und nicht zuletzt erfolgte der Ausbau der Kellergewölbe und die Anlage eines riesigen Weinkellers.

Während des 30-jährigen Krieges konnte sich die Hardenburg 1621 gegen Mansfeld und 1622 gegen Tilly behaupten, ohne jedoch in schwererer Gefechte verwickelt worden zu sein. Fest steht, dass das Leininger Land mehrfach den Durchzug feindlicher Heere zu erleiden hatte.

Mélac
Feldherr und Marschall Frankreichs
(wikipedia, gemeinfrei)

Gegen die Übermacht der französischen Armee unter General Mélac, die im Orléanschen Krieg gegen Kurpfalz 1690 auch durch das Leininger Land zog, war man machtlos und übergab die Burg. Beim Abzug der Franzosen 1692 geriet lediglich das Westbollwerk in stärkere Mitleidenschaft und man ging hierbei auch seiner Kanonen verlustig. Ansonsten war die Anlage wieder instandsetzbar. Dennoch folgte der Leininger Graf Friedrich Magnus der Zeit, indem 1725 er seine Residenz von der Burg in eine noch repräsentativeres barockes Stadtschlosses nach Dürkheim verlegte.

Das Ende der inzwischen gefürsteten Leininger in ihrem Stammlande kam 1794, als erneut französische Truppen den Geist der Revolution nach Deutschland trugen und hierbei das Stadtschloss und auch die Hardenburg in Brand steckten. Die Leininger waren noch rechtzeitig geflohen und wurden später mit anderen Gebieten um Miltenberg und Amorbach (Odenwald) entschädigt. Das war das Ende der Burg.

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