Die Wasserversorgung der Hardenburg

Der heute Baubefund weist für die Wasserversorgung der Hardenburg (nur) einen Brunnen im inneren Burghof aus. Das wirft Fragen auf: War dieser Brunnen zur Versorgung einer so großen Anlage ausreichend? Wurde jeglicher Wasserbedarf daraus gedeckt? Förderte bereits die stauferzeitliche erste Burganlage ihr Wasser daraus oder wie sonst?

In der heutigen Oberburg, die über der stauferzeitlichen “Ur”Burg auf dem Felsen errichtet wurde, sind weder Reste einer Brunnenbohrung noch von frühen Zisternen nachgewiesen.

Die heutige Brunnenstelle im Inneren Burghof liegt außerhalb des Burgareals der Stauferzeitlichen (Ur)Hardenburg.  Ein Brunnen in einer unbefestigten bzw. nur mit einer Palisade umgebenen Unterburg wäre im Fall einer Belagerung keinesfalls zu verteidigen, eine Belagerung entsprechend schnell beendet gewesen. Also werden andere Vorkehrungen für eine hinreichende Wasserversorgung der (Ur)Burg getroffen worden sein. Ich nehme an, dass man sich im 13. Jh. und auch später noch in Friedenszeiten mit Wassereseln behalf, die gefüllte Wasserfässchen aus dem Isenachtal nach oben trugen, und man weiterhin Dachwasser auffing, filterte und in Zisternen speicherte. Die Zisterne(n) könnte(n) bei späteren Baumaßnahmen anderweitigen Verwendungen gewichen sein.

Ich gehe weiterhin davon aus, dass die Brunnenbohrung im Hof höchstwahrscheinlich begleitend zu den (undokumentierten) Ausbaumaßnahmen zur gräflichen Burganlage und Residenz ab Mitte des 14. Jh. erfolgte. Denn es wurde dann eine leistungsfähigere Wasserversorgung benötigt. Das Wasser dürfte aus dem Brunnen – wie üblich – mittels Eimer und Winde gefördert worden sein. Die heute im Burghof eingefasste Brunnenstelle ist mit einer neuzeitlichen Aufmauerung versehen. Damals dürfte bereits eine runde Brüstung vorhanden gewesen sein , die aus Sicherheitserwägungen den Brunnenschacht mit einem Deckel verschloss und vermutlich auch einen Überbau hatte.

Daneben wurde sicherlich von Dächern abfließendes Wasser in Fässern und Trögen gesammelt und zur Tränke des Viehs und als Löschwasser bereit gehalten.

Keine der mir vorliegenden Untersuchungen zur Hardenburg geht tiefer auf das Thema Wasserbedarf bzw. Wasserversorgung ein. Daher will ich an dieser Stelle neue Blickwinkel anstellen: Insbesondere im Belagerungsfall war die Trennung zwischen Trink- bzw. Kochwasser und dem Brauchwasser erforderlich. Wollte man für eine Wohn- und Wehranlage im Spannungsfeld regionaler Machtinteressen Vorkehrungen auch für eine längere Belagerung treffen, so war Brauchwasser in die Vorratsplanung einzubeziehen:

  • Löschwasser musste in der Nähe potenzieller Brandherde bereit gehalten werden.
  • Für den umfangreichen Kanonenbestand (ich schätze 40-50 Kanonen) war für den Feuerkampf ebenfalls Wasser in der Nähe der Kanonen bereit zu halten, denn
    • Heißgeschossene Rohre bedurften dringend der Kühlung, um die Selbstentzündung der Treibladung beim Ladevorgang zu vermeiden. Hierfür bediente man sich in Wasser getränkter Tierfelle, die permanent nass zu halten waren.
    • Der Rohrwischer für das Auswischen des Rohres nach der Schussabgabe musste ebenfalls feucht sein.
  • Auch die in der Burg verbleibenden Tiere (Pferde, aber auch das für die Deckung des Fleischbedarfs während einer denkbaren, mehrwöchigen Belagerung vorhandene Vieh) waren zu versorgen.

Da in der Residenz auch eine große gräfliche Badstube vorhanden war, wird es in Friedenszeiten an dem wertvollen Nass nicht gemangelt haben.

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