Das Verteidigungskonzept der Felsenburg Altdahn

Tiefgestaffelte Burgverteidigung

Der Besucher der Burg Altdahn nimmt das augeklügelte System der tief gestaffelten Verteidigungsstellungen in ihrer Gesamtkonzeption wegen der Weitläufigkeit der Anlage und ihres ruinösen Zustands vermutlich gar nicht vollständig wahr. Wer sich aber für das System von Sperriegeln und Feuerstellungen interessiert, dem sei das Weiterlesen empfohlen.

Der einzige Weg auf die Oberburg führte über die Felstreppe am Südturm (5). Um aber bis dorthin vordringen zu können, musste ein sich von Osten oder Westen nähernder Angreifer durch ein System tiefgestaffelter Abwehrriegel vorkämpfen. Die Erwartung des Verteidigers war, dass sich der Angreifer hierbei so stark abnutzte, dass sein Vorstoß bereits am Fuße der Oberburg zum Erliegen gebracht werden würde.

1) Halsgraben, Schildmauer mit Flankierungstürmchen und Östlicher Zwinger

Die Mauer zum Halsgraben hin war schildmauerartig ausgebaut und besaß halbrunde, im oberen Bereich halboffene, Türmchen an den Enden. Nach der Errichtung des nördlichen Torturms am Ende des 15. Jahrhunderts hat man auch die Schildmauer ausgebaut, wobei ihr nördlicher Flankierungsturm eine zweite Außenschale aus Buckelquadern mit Zangenlöchern erhielt. Die Ringmauer des Zwingers zum Halsgraben hin hat mehrere umgekehrt schlüssellochförmige Schießscharten. 

2) Nördliche Torbastion

Der mächtige, halbrunde Torturm (“Hufeisenturm”) lehnt sich mit seinen vier Geschossen an den Felsen an. In die Feindrichtung an seiner Ostseite sind drei Schießscharten gelegt, davon zwei für Kleingeschütze. Das Schlangengeschütz auf der Dachplattform war eine offensive Verteidigungskomponente. konnte man mit ihm doch auf Stellungen und Einrichtungen des Feindes auf der Kuppe 200 Meter östlich des Halsgrabens mit Störfeuer wirken. Näheres dazu im Kapitel “Der Nordturm“. Alle Ostscharten ermöglichten die Kontrolle des Torweges. Der Hagelschuss aus dem Zweipfünder im 2. Geschoss hätte bei dem gegen das Tor vorrückenden Feind bereits verheerende Wirkung gehabt.

Vom Erdgeschoss des Torturmes gab es keinen Aufgang zu den darüberliegenden Turmgeschossen, so dass auch nach einem erfolgreichen Durchstoß ein Abwehrfeuer aus den oberen Geschossen gegen eingedrungenen und weiter vorstoßenden Feind fortgeführt werden konnte. Die Masse der im Turm gelagerten Pulvervorräte und Waffen werden daher nicht in der großen Felskammer des Erdgeschosses, sondern in den oberen Geschossen des Nordturmes trocken gelagert worden sein.

Zwei viereckige Abwurföffnungen im Tonnengewölbe der Torhalle, erlaubten zudem eine Kontrolle des Torweges aus der darüber liegenden Geschossebene.

3) Inneres Burgtor 

Hatte der Angreifer den Durchbruch durch den Nordturm erzielt, so musste er seinen Angriff durch den sich anschließenden “Kleinen Zwinger” fortsetzen, bis er nach wenigen Metern vor dem “Inneren Burgtor” abermals zum Stehen gebracht wurde und dabei aus den westlichen Scharten des Torturmes weiterhin beschossen wurde.

Das Innere Tor verriegelte die oben offene Felsspalte zwischen den beiden Burgfelsen. Der Felsspalt erlaubte zwar das Bekämpfen des Feindes in der Torhalle mit herabgeworfenen Steinen, besonders effektiv war diese Abwehr allerdings nicht.

4) Südlicher Burghof

Hatte der Feind nun auch das Innere Burgtor durchbrochen, so würde ihn seine Stoßrichtung rechterhand über eine Felsentreppe hinauf zur Oberburg führen – ja wäre diese nicht verriegelbar gewesen. Beim Kampf gegen diese Riegel konnte er mit Handwaffen aus den Ostscharten der zweiten und dritten Ebene des Südlichen Torturmes unter Feuer genommen werden.

5) Felsentreppe mit 2 Riegeln

Typisch für die Felsenburgen im Wasgau, gelangt man in die Oberburg nur durch einen an der Längsseite des Felsens gehauenen Aufgang. Er konnte an zwei Stellen verbarrikadiert werden. An diesen Barrikaden konnte ein eventuell bis hierhin vorgedrungener Angreifer von den sich jeweils seitlich befindenden Felsenkammern aus bekämpft werden.

6) Bewehrung der Oberburg auf dem Westfelsen

Die Oberburg auf dem Westfelsen trug den Palasbau, den Wartturm mit den Abortanlagen sowie kleinere Anbauten auf dem sich nach Westen verengenden Felsen. Eine besondere Bewehrung dieses Bereichs ist aus dem heutigen Baubestand nicht zu erkennen. Lediglich eine erhaltene kleine Schlüsselscharte an der Westseite zeigt, dass auch in der Oberburg wehrtechnische Funktionen vorhanden waren.

7) Letzte Bastion auf dem Ostfelsen der Oberburg

War dann eventuell die westliche Oberburg mit dem Palas eingenommen, so musste der Angreifer für die vollständige Eroberung von Altdahn noch über den Felsspalt zum östlichen Burgfelsen gelangen. Der Weg dorthin führte durch einen abwärts führenden Felsgang, der ebenfalls abgeriegelt werden konnte.

Auf Höhe der Dachplattform des Nordturms, noch vor dem Übergang zum östlichen Wartturm auf dem Ostfelsen, dürfte den Angreifer nochmals eine Widerstandslinie des Verteidiger erwartet haben, der, mit den Waffen und Mannschaften aus den unteren Turmgeschossen ausgerüstet, von hier aus auch einen Gegenstoß führen konnte.

Geschützstand im ersten Obergeschoss des Nordturms von Altdahn,
Zu 1) Blick aus dem Nordturm zur Feindseite. Als eigene Wehrbauten finden sich dort Halsgraben, Fundamente der abgegangenen Mantelmauer mit kleinem Flankierungsturm, der unten massiv und oben als Halbschale ausgeprägt war.
Burgtor im Nordturm von Altdahn
Zu 2) Der Nordturm ist 19 Meter hoch, umfasst vier Stockwerke und hat eine Mauerstärke an der Basis von rund 2,5 Meter. Mehrere Geschützstände und Handwaffenscharten dienten der Torverteidigung. Von der Dachplattform kam eine 6-7 Pfünder Falkaune zum Einsatz.
Schmaler Zwinger hinter dem Nordturm mit innerem Burgtor
Zu 3) Ein schmaler Zwinger mit erneuerter Außenmauer schließt sich hinter dem nördlichen Torturm an. Er führt zum inneren Burgtor zwischen Ost- und Westfels von Altdahn. Das spitzbogige Tor ist teilweise aus dem Fels herausgeschlagen. Dieser Durchgang konnte durch einen schmalen Felsspalt von der Oberburg aus überblickt werden.
Aufgang zur Oberburg im Schutze der Türme
Zu 4) Vom südlichen Burghof führte eine Felsentreppe zur Oberburg. Der südliche Burghof, der Bereich vor der Treppe, konnte aus den Ostscharten des Südturms überwacht werden. Hier befindet sich auch der Abgang zu den Terrassen der Unterburg.
Bewehrte Pforte im Treppenaufgang zur Oberburg von Altdahn
Zu 5) In halber Höhe des Treppenaufgangs zur Oberburg bestand die Möglichkeit, den Zugang zu sperren. Hier gibt es zwei stark verwitterte querliegende, in der Mitte erweiterte, Handwaffenscharten, um Feind auf der Felsentreppe abzuwehren.
Palasinnenwand von Altdahn und Wartturm
Zu 6) Der westlichste Teil der Oberburg links des Wartturmes von Altdahn ist bei dem Felssturz von 1820 mit abgegangen. Lediglich eine Handwaffenscharte hat sich dort erhalten.
Bedrohungsanalyse von Altdahn im 15. Jahrhundert
Zu 7) Die Angriff auf den Ostfels der Oberburg musste zunächst die Abwehr auf der Dachplattform ausschalten, bevor man weiter zum östlichen Teil des Burgfelsen vorstoßen konnte, wo einst ein Wartturm gestanden hat. Dieser war sozusagen die letzte Rückzugsbastion der Verteidiger der östlichen Oberburg.
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