Die Wehrkonzeption der Kanonenburg Altdahn

Waffeneinsatz auf Altdahn

In der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde Altdahn zur Kanonenburg ausgebaut. Hierbei hat man zwei kombinierte Tor- und Geschütztürme auf der Nordseite und auf der Südseite an den Burgfelens angefügt. Die beiden Türme sind durchdacht und nach dem Kenntnisstand der damaligen Zeit modern ausgeführt.

Aus beiden Türmen konnten gleichzeitig zwei Geschütze das gleiche Ziel unter Feuer nehmen. Den kasemattierten Stellungen für Kleingeschütze mit maximal 2 Pfund Geschossgewicht im Turm war die Aufgabe zugedacht, Feind auf kürzere Entfernung zu bekämpfen. Hierfür kam der Hagelschuss mit Eisen- oder Bleischrot für die Sturmabwehr in Betracht. Ein gezieltes “aktives” Verteidigungsfeuer war hingegen nur von der Turmplattform möglich. Die rund 19 Meter hohen Türme, die seinerzeit zur Trockenhaltung des Pulvers vermutlich überdacht waren, erlaubten gezieltes Punktfeuer aus überhöhter Stellung gegen feindliche Stellungen, Gräben und Sappen. Dem Baubefund nach konnte dort ein langrohriges Schlangengeschütz “Falkaune” (6-7 Pfünder) zum Einsatz kommen. Die Ladezeit für eine Falkaune betrug für eine geübte Bedienmannschaft etwa 15 Minuten. Damit konnte kein Sperrfeuer sondern allenfalls ein Störfeuer unterhalten werden.

Weitere Stellungen für den Einsatz von Handwaffen befinden sich im Flankierungstürmchen der Mantelmauer am Halsgraben, an den Riegelmauern des Treppenaufgangs zur Oberburg und am überbauten Westende des Oberburgfelsens, welcher dort im Jahr 1820 bei einem Felssturz mit weiten Teilen des Palasbaus in die Tiefe abgerutscht ist. Weitere Scharten waren sicherlich in den Zwingern und in der Ringmauer der Unterburg zu finden, die aber heute vüllig abgegangen sind.
 

Pulverwaffen auf Altdahn zu Beginn des 16.Jh.

Ein Waffenverzeichnis der Burg Altdahn ist nicht nachgewiesen. Schlüsse auf die in der Wende des 15./16. Jahrhunderts auf Altdahn vorhandene Bewaffung lassen sich jedoch aus der Analyse der Scharten und der Auswertung der im Burgmuseum ausgestellten Artefakte, v.a. Stein-, Blei- und Eisenkugeln und ihren Kalibern gewinnen. An Waffentypen waren vermutlich vorhanden:
    • Dutzende Arkebusen, Haken und Doppelhaken
    • Sechs 2-Pfünder Kleingeschütze (Klotzbüchse oder auf Burgunderlafette)
    • Zwei vermutlich langrohrige Falkaunen (Schlangengeschütz mit 6-7 pfündigem Geschossgewich).

Arkebuse (Halber Haken).
Cod. Pal. germ. 126, Mönch, Philipp, Kriegsbuch — Heidelberg, 1496

http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpg126/0070

Aus der Hakenbüchse wurden Anfang des 16. Jahrhunderts die deutlich handlichere Arkebuse entwickelt. Ihr Kaliber betrug nur die Hälfte des eines Hakens, weshalb auch die Bezeichnung Halber Haken gebräuchlich für eine Arkebuse ist. Obwohl der “Haken” Namensbestandteil auch der “Arke”buse ist, so finden wir ihn dennoch bei der Arkebuse nicht mehr.

Aufgrund des geringeren Gewichts und der verbesserten Handlichkeit gilt die Arkebuse sowohl als Angriffs- wie auch als Verteidigungswaffe.

Geschmiedete Hakenbüchse 16. Jh, HGM, Wien


Die Bezeichnung als “Hakenbüchse” kommt davon, dass auf der Unterseite ein Haken angebracht war, den man beim Anschlag  so in der Mauer einhängte, dass der Rückstoß beim Abfeuern der Waffe abgefangen wurde.  Man konnte den Haken aber auch von einem Schießbock abfeuern.  Der Haken eignete sich aufgrund seines relativ hohen Gewichts von ca. 30kg und seiner Schwerfälligkeit ausschließlich als Verteidigungswaffe. Sowohl Doppelhaken als auch Haken hatten noch keine Visiereinrichtungen (Kimme, Korn). Verschossen wurde aus ihnen eiserne Kugeln, Bleikugeln oder eiserne mit Blei ummantelte Kugeln.

Kleingeschütz in Lade / auf Blocklafette (15. Jh)
Quelle: Zeugbuch Maximilian I.; Creative Commons:
https://creativecommons.or/licenses/by-nc-sa/4.0/

 
Feldschlange auf Burgunderlafette (2. Hälfte 15. Jh.)
aus: Zeugbuch Maximilian I. (http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0002/bsb00020956/images/)


Es gab Ende des 15. Jahrhunderts unterschiedliche Wege, ein Kleingeschütz in Kasematten zum Einsatz zu bringen. Je nach Bettung, d.h. des eingesetzten Lafettentyps, und Art der Scharte könnten auf Altdahn “Klotzbüchsen” oder Kleingeschütze auf Burgunderlafetten zum Einsatz gekommen sein. Das war auch abhängig vom Platzangebot im Turm. Beide Lafettentypen wurde im Zuge der Standardiserung von Schildzapfen und Wandlafetten ab Beginn des 16. Jh. ausrangiert. Hinweis: Die Feldschlange ist als Geschütztyp auf Altdahn nicht nachgewiesen. Es geht dem Autor beim Heranziehen der Abbildung nur um die Demonstration des Lafettentyps.

“Falkaune” (7-Pfünder)

Falkaune oder Quartierschlange, 7 Pfünder aus: Kriegsbuch des Reinhard von Solms

“Schlange” war seit dem 15. Jahrhundert die Bezeichnung für ein Geschütz, das im Verhältnis zum Kaliber ein besonders langes Rohr hatte und im Vergleich zu den “Kartaunen”  ein relativ kleines Geschosskaliber aufwies.

Die Falkaune war ein typisches Flachbahngeschütz mit hoher Treffgenauigkeit sowie großer Durchschlagskraft, das sowohl bei Belagerungen gegen schwächere Burgmauern, in der beweglich geführten Feldschlacht (“Feldschlange”) aber auch – wie auf Altdahn – in der Burgverteidigung eingesetzt wurde.

Die “Falkaune”  war ein 6 – 7-Pfünder mit einem Rohrkaliber von 85mm und einer Rohrlänge von etwa 190cm. Rohrgewicht: ca. 14 Zentner.

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