Die Wehrkonzeption der Kanonenburg Altdahn

Geländebeurteilung und Bedrohungsanalyse

Stauferzeitliche Bedrohungsanalyse

Bei der Errichtung der Burg Altdahn im 12. Jahrhundert (Datum nicht genau bekannt und belegt) ging man von einer Primärbedrohung aus der Ostseite der Anlage aus. Das dort aus dem heutigen Erfweiler flacher zur Burg hin verlaufende Gelände erlaubte dem Feind eine schnelle Annäherung an und das Aufstellen von Bliden vor der Burg. Gestützt wird diese Annahme durch den in die Feindrichtung gelegten Halsgraben und einen sich anschließenden “Hohen Mantel”, einer hohen Starkmauer, zum Schutze der dahinterliegenden Bauten vor Beschuss aus Katapulten. Die Längsseiten des die Oberburg tragenden Burgfelsens waren hingegen durch die steil abfallenden Berghänge im Norden und Süden einfacher zu sichern. Altdahn besaß keinen Bergfried. Sofern – was typisch für Felsenburgen ist – der (einzige) Felsaufgang zur Oberburg gesichert werden konnte, war die Oberburg weitgehend ungefährdet. Um Überraschungsangriffe auf das Tor zu verhindern, wurde aus Warttürmen das Vorgelände überwacht.

 

Bedrohungsanalyse nach Aufkommen von Pulverwaffen

Beim Beschluss der Dahner Ritter, Altdahn in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts (genauer Zeitpunkt ist nicht bekannt) zur Kanonenburg auszubauen, war jedoch der militärtechnische Fortschritt einzubeziehen und eine neue Bedrohungsanalyse anzustellen.

    1. Das steil abfallende Gelände an den Längsseiten des die Burgen tragenden Felsgrates im Norden und Süden begünstigte den Burgverteidiger auch noch im angebrochenen Zeitalter der Pulverwaffen.
    2. Viele der vermeintlich bedrohlichen Geländeerhebungen, die die wichtige Überhöhung der Feuerstellung gegen die Burg erlaubt hätten, lagen noch weit außerhalb der damaligen Kampfentfernung von 200 bis 300m für Geschütze jener Zeit.  Damit schieden Stellungen 1, 3 und 4 für die Angriffsplanung des Feindes im ausgehenden 15. Jahrhundert noch aus.
    3. Das Beziehungen der Stellung 2 auf dem “Haferfels” hätte gutes Schussfeld auf Burg Tanstein eröffnet. Die steilen Hänge dort hätten aber das Heranführen von Artillerie auf die Bergkuppe zum “kräftezehrenden und zeitraubenden Wagnis” gemacht, wie Eckard Braun feststellt. Die Kuppe war zudem bewaldet und hätte für das Schaffen eines Schussfeldes zunächst gerodet werden müssen. All dies einbeziehend, war ein Angriff aus 2 – trotz einer günstigen Überhöhung – unwahrscheinlich. Außerdem hätte ein Beschuss von Tanstein keine unmittelbare Wirkung auf Altdahn gehabt.

Die Vorkehrungen auf Altdahn konzentrierten sich folglich auf die Bekämpfung und Abwehr von Feind aus Nordosten und Osten (Stellungen 5 und 6).

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Peter Wild

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