Der Trifels als Staatsgefängnis

Reichsburgen dienten der Sicherung der königlichen Macht vor inneren und äußeren Gegnern des Reiches. Der Trifels diente darüber hinaus, weil er eine besonders sichere Burg war, noch zwei weiteren Zwecken: erstens als Gefängnis für hochgestellte Persönlichkeiten und zweitens als Aufbewahrungsort der Reichskleinodien. In diesem Kapitel soll der Trifels als Gefängnis näher beleuchtet werden.

Wer heute den Trifels besucht, sucht vergeblich nach einer als “Verlies” oder “Kerker” bezeichneten Räumlichkeit. Auch schweigen sich die Quellen darüber aus, wo die Gefangenen jeweils inhaftiert waren. Unbestreitbar sind bereits in der Zeit der Salierkaiser und bis Mitte des 13. Jh. hochgestellte Gefangene auf dem Trifels nachgewiesen.

Zeichnung des Siegels von Erzbischof Adalbert I.
Zeichnung des Siegels von Erzbischof Adalbert I. von Mainz nach der  Gründungs-urkunde des Klosters Eberbach. (gemeinfrei).

Der erste bekannte Gefangene war der streitsüchtige Mainzer Erzbischof Adalbert I. von Saarbrücken († 1137) , der sich 1112 mit dem salischen Kaiser Heinrich V. († 1125) überworfen hatte und sich widerrechtlich in den Besitz der Reichsburgen Trifels und Madenburg gebracht hatte. Heinrich V. ließ Adalbert daraufhin umgehend auf dem Trifels (?) gefangen setzen.

Hinweis: Manche Quellen, so Rolf Übel, nennen auch die Burg Scharfenberg als Gefängnis des Adalbert, während z.B. Meyer/Thon von einer Inhaftierung an “unbekannter Stelle” sprechen. 

Ein Aufstand der Mainzer Bürger zwang Heinrich, den Bischof nach 3 Jahren (Dez 1115) wieder frei zu lassen und in seine Ämter zu restituieren. Trifels und Madenburg fielen bereits 1113, also während der Gefangenschaft, zurück an das Reich. Wo der Bischof genau schmachtete, ist nicht zu benennen, zumal nur wenige Teile der heutige Burganlage in die Zeit des frühen 12. Jh. datiert werden können. Bergfried und Palas jedenfalls sind Bauten des späten 12. Jh. und standen zu Adalberts Zeit auf dem Trifels noch nicht. Auch über seine Haftbedingungen ist nichts überliefert, man kann sie aber aus nachfolgender Schilderung als Kerkerhaft deuten:

“Des Erzbischofs Erscheinung erregte großes Aufsehen, sein Körper war abgemagert, sein Antlitz zeigte die Spuren schwerer Leiden und starker Leidenschaften, sein Geist aber war ungebeugt (..)” 
Quelle: Heinrich Luden, Geschichte der Teutschen, Band 3, S. 346,  Jena 1843

1113 bis 1117 war auch der in Opposition zum Kaiser stehende Markgraf Wiprecht von Groitzsch auf dem Trifels inhaftiert. Die über Wiprecht verhängte Todesstrafe wurde gegen Abtretung aller seiner Güter aufgehoben. Wiprecht kam 1117 wieder frei und diente dem Kaiser Heinrich V. bis zu seinem Tode 1124 treu und erhielt 1118 seiner Güter zurück.

Richard Löwenherz auf seinem Thron
Buchmalerei in der Abbreviatio Chronicorum des Matthew Paris. Handschrift London, British Library, Cotton MS Claudius D VI, fol. 9v (1250–1259)
gemeinfrei

Vor allem aber erregte die Inhaftierung des englischen Königs Richard I. („Löwenherz“) bei den Zeitgenossen Aufsehen. 1193 hatte der Kaiser den auf der Rückkehr vom “Dritten Kreuzzug” in Gefangenschaft geratenen Engländer für gut 1 Jahr auf dem Trifels inhaftiert. Erst nach einer Lösegeldvereinbarung kam Richard am 4.2.1194 wieder auf freien Fuß.

Eine Kerkerhaft blieb dem König wohl erspart. Richard wurde mit allen Ehren behandelt und soll zahlreiche Privilegien genossen haben. Er konnte sich, wenn auch unter Bewachung, auf der Burg frei bewegen, Besucher und Abordnungen empfangen sowie Verhandlungen führen.

Man kann daüber spekulieren, dass Richard im Wohnraum über der Kapelle, in dem heute die Replikate der Reichskleinodien ausgestellt sind, untergebracht war. Zwar weist der Kamin des Raumes keine Rußspuren auf, was zum Schluss verleiten könnte, dass der Raum niemals bewohnt gewesen war, doch gab es auch schon zu jener Zeit alternative Beheizungsarten, z.B. mit eisernen Kohlebecken. Auch dürfte des Königs Verpflegung nicht nur aus “Wasser und Brot” bestanden haben.

Fest steht, dass die Einnahmen aus dem Lösegeld Kaiser Heinrich VI. in die Lage versetzten, 1194 einen “Italienzug” zu unternehmen und die Erbansprüche seiner Frau auf die Krone des Königreichs Sizilien durchzusetzen, was gelang. 1195 kehrte der erfolgreiche Heinrich zurück und führte den Normannenschatz mit sich, den er auf dem Trifels verwahrte.  Neben dem Schatz wurden auch sizilianischen Gefangene, darunter Erzbischof Nikolaus von Salerno, auf Burg Trifels gebracht. Erst nach dem Tode Heinrichs VI. († 1197) wurde der Sizilianer auf Befehl König Philipps von Schwaben, Bruder des Heinrich VI., 1198 in die Freiheit entlassen.

Auch im beginnenden 13. Jh. blieb der Trifels weiterhin Staatsgefängnis und Verbannungsstätte, wie die Inhaftierung von Erzbischof Bruno IV. von Köln im Jahre 1206 belegt. Dieser hatte 1205 den Gegenkönig Otto IV. gekrönt und unterstützt.

Der Sohn des Kaisers Friedrich II., Heinrich (VII.), soll nach dem Zerwürfnis mit dem Vater um 1235 ebenfalls kurzzeitig auf dem Trifels gefangen gewesen sein.

Das Schwinden der königlichen Zentralgewalt bei gleichzeitigem Erstarken der Stellung der Reichsfürsten in der nachstaufischen Zeit führte naturgemäß auch zum Bedeutungsverlust der Burg Trifels für das Reich. Sie wurde nach 1273 weder als Aufbewahrungsort der Reichsinsignien noch als Staatsgefängnis genutzt.

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