Die Wehrkonzeption der Kanonenburg Nanstein 1522

Waffenbestückung des Nanstein

Waffenbestückung des Nanstein 1523 vor der Belagerung
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Doppelkartaune
Vollkartaune
aus: Kriegsbuch des Reinhard von Solms

Die Ganzkartaune verschoss 42 pfündiger Eisenkugeln mit einem Kaliber von 180mm. Das Rohrgewicht einer Kartaune betrug ca. 5 Tonnen. Die Nachladezeit einer Kartaune betrug etwa 15 Minuten

Auf Nanstein kam der Einsatz kurzrohriger Ganzkartaunen mit einer Rohrlänge von knapp über 2 Metern im Großen Rondell auf der 2. Ebene und der 3. Ebene in Betracht.

Halbkartaune (24-Pfünder) aus dem 16. Jh. aus Bronzeguss in Stellung auf Plattform
Festung Königstein (Sachsen)

Die “Halbe Kartaune” verschoss 24 pfündige Eisenkugeln des Geschosskalibers 150mm. Das Gewicht der Kanone betrug ca. 3,1 Tonnen.

Zwei der vier Halbkartaunen in der fürstlichen Artillerie waren kurzrohrige Typen, die den Namen “Singerinnen” trugen.

Die Nachladezeit einer Kartaune betrug etwa 15 Minuten.
Auf dem Nanstein kam eine Halbkartaune auf der 2. Ebene des Großen Rondells zum Einsatz,

Bronzerohr einer Viertelkartaune (12-Pfünder). Rohrgewicht 1590kg.
Ausgestellt auf Veste Coburg

Auf dem Nanstein war ein kurzrohriges kasemattiertes Geschütz im Kleinen Rondell eingesetzt und ebenfalls auf der 4.Ebene des Großen Rondells.

Rohr eines 6-Pfünders Rohrlänge 2150mm, Schussweite 320-3600 Schritt (min-max) Festung Königstein (Sachsen)

Kartaunen
gab es in lang- und kurzrohriger Ausführung und verschiedenen Kalibern von der Doppel- bis zur Achtelkartaune. Die Achtelkartaune verschoss 6-pfündige Eisenkugeln aus einem Rohr-Kaliber von 90mm.
 

Kurzrohrige 6-Pfünder kamen in nahezu allen Pfälzer Kanonenburgen zum Einsatz, da sie auch in kleinen Geschützwerken (ab 5 Meter Durchmesser) Platz fanden. Meist erfolgte der Einsatz in Burgen auf einer vierrädrigen Kasemattlafette. (siehe Register unten)

Einsatz von kasemattierten Achtelkartaunen / 6-Pfündern auf Nanstein:

  • Großes Rondell auf 5. Ebene:  1 Stück
  • Südmauer im mittleren Stand:  1 langrohrige
  • Kleines Rondell: 1 Stück
16-pfündige Nothschlange (15. Jhdt.) aus: Kriegsbuch des Reinhard von Solms

Die Nothschlange gehört zur Gruppe der “Schlangen”.Wir finden diesen Geschütztyp seit dem 15. Jahrhundert. Im Verhältnis zur Rohrlänger wies die Schlange ein relativ kleines Geschosskaliber auf. Die Schlange war ein typisches Flachbahngeschütz mit hoher Treffgenauigkeit sowie großer Durchschlagskraft.

Für die Bedienung des Geschützes waren neben dem Büchsenmeister noch 2-3 Knechte für Auswischen und Ansetzen nötig. Die Nachladezeit einer Nothschlange betrug etwa 10 Minuten.

Mit ihrer langschwänzigen Lafette wog die nothschlange ca. 3,5 Tonnen. Die Rohrlänge betrug über 5m.  Im Gegensatz zur Kartaune hatte die Nothschlange einen peitschend hellen Abschussknall.

In der fürstlichen Artillerie gegen Sickingen wurden 6 schwere Schlangen des Typs “Nothschlange” mitgeführt. Die Nothschlangen waren bereits der Vorhut des Heeres zugeordnet und nahmen gezielt die Brustwehren und die Oberburg unter Beschuss.

Auf dem Nanstein waren ebenfalls Nothschlangen im Bestand des Franz v. Sickingen:
1) 1 Stück im Kleinen Rondell als Kurzrohr
2) 2 Stück im Großen Rondell auf Dachplattform

Halbe Schlange. 9-Pfünder, 15. Jh.
aus: Kriegsbuch des Reinhard von Solms

“Schlange” war seit dem 15. Jahrhundert die Bezeichnung für ein Geschütz, das im Verhältnis zum Kaliber ein besonders langes Rohr hatte und im Vergleich zu den “Kartaunen”  ein relativ kleines Geschosskaliber aufwies.

Die Halbe Schlange war ein typisches Flachbahngeschütz mit hoher Treffgenauigkeit sowie großer Durchschlagskraft, das sowohl bei Belagerungen gegen schwächere Mauern wie auch in der Feldschlacht (Feldschlange) eingesetzt wurde.

Die “Halbe Feldschlange”  war ein 9-Pfünder mit einem Kaliber von 107mm und einem Rohrgewicht von ca. 1,7 Tonnen.

Auf dem Nanstein befanden sich Halbschlangen als 10-Pfünder auf
1) der Plattform des Kleinen Rondells
2) Nordostbastion mit Hauptkampfrichtung Nordosten (Hessische Schanze)

Falkon-Rohr auf Festung Königstein (Sachsen)

Die Schlange war ein typisches Flachbahngeschütz mit hoher Treffgenauigkeit, ideal zum Bestreichen der Zugangswege zur Burg.  Der 2-Pfünder oder “Falkon” gehört zu den kleineren Schlangengeschützen mit einem Rohrinnenkaliber von 68mm und einer Rohrlänge von 170cm in der kurzrohrigen Variante (22 Kaliber)

In Burgen kamen überwiegend kurzrohrige Varianten  zum Einsatz, weil die Platzverhältnisse für das Laden einer Langrohrvariante häufig nicht ausreichten.

Auf Neuscharfeneck waren 1541 sechs 2-Pfünder erfasst.

Kurzrohriges Falkonet auf Radlafette
Kurzrohriges Falkonet auf hochrädriger Wandlafette, Veste Coburg

Das Falkonet gehört zur Gruppe der “Schlangen”.  Es wird auch Falkonett, Falkon oder Achtelschlange genannt. Das Falkonet war für den präzisen Schuss konzipiert und ist nicht zu verwechseln mit der Falkaune. MIt 300kg Gewicht war es relativ beweglich.

Das Falkonet verschoss 1-pfündige Eisenkugeln vom Kaliber 5cm. Das Falkonet hatte bereits Kimme und Korn als Visiereinrichtung. Die Höheneinrichtung erfolgte mittels einer Schraubspindel.

Beim Kampf um Burgen kam das Falkonet häufig auf Dachplattformen von Geschütztürmen, wie z.B.  den Flankierungstürmen von Neudahn und der Schildmauer von Neuscharfeneck, zum Einsatz. Die zwei Nansteiner Falkonets standen im Vorhof hinter dem Außentor zusammen mit den nachfolgend aufgeführten Serpentinell und der Hagelbüchse.

Orgelgeschütz Anfang 17. Jhdt., Zeughaus Veste Coburg
Cod. Pal. germ. 126 Mönch, Philipp, Kriegsbuch, Heidelberg, 1496

 

Im Vorhof des Nanstein stand ein Streitkarren mit drei 1-pfündigen Schlangenrohren. Die Geschütze dürften Hinterlader (Kammerbüchsen) gewesen sein.
Der Verwendungszweck war der Einsatz gegen Fußvolk auf kurze Distanz (Sturmabwehr).
Durch die Befestigung auf einem Karren waren die Geschütze beweglich und konnten vom Vorhof direkt an die Schießöffnungen im Bering herangeschoben werden.
Der Streitkarren wurde mit Sicherheit zur Abriegelung der Bresche in der Südmauer, die am 2,. Mai auf 7 Meter Länge entstand, eingesetzt worden sein.

Serpentinel (1/2-Pfünder)
Serpentinel, Kaliber 34 mm, Hinterlader mit vertikalem Blockverschluss, Rohrlänge 202 cm, Rohrgewicht 35 kg, Gewicht Lafette 27.6 kg,

Das Serpentinell konnte  gezielt im Kampf gegen feindliche Geschütze und Offiziere eingesetzt werden. Aufgrund des geringen Gewichts konnte es schnell verlagert werden.

Zusammen mit den vorgenannten beiden Falkonets und dem unten aufgeführten Streitkarren mit den Hagelbüchsen war das Serpentinell im Vorhof hinter dem Außen-(Haupt)tor eingesetzt .

Wenngleich der “Belgrader Mörser” (HGM Wien) aus dem Jahr 1714 stammt, dürfte sich die Bauart von dem 1523 auf Nanstein eingesetzten Mörser auf Blocklafette mit Schildzapfen nicht wesentlich unterschieden haben.

Der Mörser war eine grobe Steilfeuerwaffe für den Verschuss von Kugeln im indirekten Beschuss. Damit konnte auch ein Feind hinter Deckungen, die durch Direktfeuer nicht zu erreichen waren, bekämpft werden. Im 16. Jh. verwendete man Metallguss. Aufgrund seiner Größe und seines gewaltigen Rückstoßes musste er in einem massiven Holzunterbau fixiert werden.

Die beiden (kleinen) Nansteiner Mörser hatten ihre Feuerstellungen auf dem Stumpf des ehemalige Bergfrieds, der mit einer Plattform versehen worden war. Beim Mörster dauerte das Nachladen und Einrichten auf das Ziel etwa 20 Minuten.

Viertelbüchse für der Verschuss von 10-pfündigen Steinkugeln mit Durchmesser 17 cm):  aus: Zeugbuch Kaiser Maximilians I. – BSB Cod.icon. 222, Innsbruck, um 1502
http://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00020956-6

Namensgebend für diesen Geschütztyp ist das  Steingewicht der zu verschießenden Kugel. Die Viertelbüchse hatte einen Rohrdurchmesser von ca. 17cm. Der Flug des Steingeschützes übertraf die Rohrweite der 24-pfündigen Halbkartaune um 2cm und erreichte fast das Kaliber einer Ganzkartaune. Die noch bis zur Zeit des Maxilian I.  hergestellten Viertelbüchsen wurden vom Typus der Kartaune für genormte Eisenvollkugeln abgelöst. Für den Hagelschuss wurden jedoch keine Steinvollkugeln, sondern bis zu 20 Pfund Hackblei oder Arkebusenkugeln geladen.

In der Schildmauer des Nanstein standen zwei 10-Pfünder auf  vierrädrigen Kasemattlefetten in den dort 1518 angelegten Kasematten.  Hauptzweck der dortigen Geschütze war es, vorgedrungenes Fußvolk auf kurze Distanz mit einem Hagelschuss zu zerschlagen.

In der Kellerebene des Großen Rondell stand ebenfalls eine 10-Pfünder Steinbüchse als schwere Waffe – vermutlich auf einer Radlafette wie abgebildet – für den Naheinsatz, z.B. mit Hagelschuss (Streuladung).

Tarrasbüchse  (aus: Rüst- und Feuerwerksbuch (gemeinfrei))

Bei der Tarrasbüchse handelt es sich um ein kleinkalibriges Eisenstück bis 2 Pfund Geschossgewicht, für den Hagelschuss., welches in einer Blocklafette gebettet war. 1523 bereits typologisch veraltet.

Einsatz der Tarrasbüchse auf Burg Nanstein
Aus den Kasematten und der Mauerkrone der Schildmauer kam u.a. eine Tarrasbüchse zum Einsatz.

Eine Auswahl von Handwaffen, wie sie auf dem Nanstein vorhanden gewesen sein könnten 3 Haken, 1 Tromblon, Rüstkammer Veste Coburg

Auf dem Nanstein gab es rundum Schießöffnungen für den Einsatz von Pulverhandwaffen, z.B. auf/in
Wehrgang auf der Südmauer
Kleines Rondell
Großes Rondell
Haupttor mit Schießnischen
Schildmauer mit Wehrgang
Nordostwerk
Ringmauer (Nähe Sterbekammer) am Zwischenhof (Nähe Schänke)

(Einfache) Replik einer Standarmbrust auf Burg Berwartstein. Aus ihr wurden Pfeile oder Bolzen bis hin zu kurzen Speeren aus Eisen oder Holz verschossen.
Es wird angenommen, dass auf dem Nansein auch zwei Standarmbrüste vorhanden waren. Sie waren für das Abfeuern von Brandgeschossen auf kurze Entfernung vorgesehen. Angesichts der über 30 vorhandenen Pulvergeschützen dürfte ihr Kampfwert als sehr gering eingeschätzt werden.
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