Die Wehrkonzeption der Kanonenburg Nanstein 1522

Die wichtigsten Wehrelemente der Burg von 1523
Das “Große Rondell” (Südostturm)

Das Große Rondell wurde beim Ausbau 1518 zum Kern der neuen Burgverteidigung. Es entstand am Platz eines Turmes, der dort zuvor die Schildmauer nach Südosten flankiert hatte. Das Große Rondell hat die Form eines 3/4-runden , leicht ovalen Turmes, der aus den Burganlage im Südosten herauskragt. Vor seinem Einsturz im Kanonenfeuer der fürstlichen Artillerie im Mai 1523 hatte der Turm eine Höhe von immerhin 25 Meter. Damit konnte der auf 330m Seehöhe erbaute Nanstein die Überhöhung der Ausläufer des Herrenberges im Osten (350m) zumindest kompensieren. Überhöhte Stellungen waren für ein erfolgreiches Flachfeuer von Geschützen des 16. Jahrhunderts ein kritischer Erfolgsfaktor.

Die Mauerstärke betrug im Fundamentbereich etwa 6 Meter, nach oben verjüngte sich die Mauerstärke auf 5m, eine noch immer gewaltige Mauer! Zum Vergleich: Neudahn erreichte im Zwillingsbatterieturm eine Mauerstärke von nur 2-3 Metern.

Artilleriebestückung: Auf vermutlich 5 Ebenen zuzüglich einer (offenen, nicht überdachten) Dachplattform kamen hier etwa 10-14 (plusminus) der schwersten Nansteiner Geschütze zum Einsatz.  Eine Ausführliche Darstellung inkl. einer Besprechung der Waffentypen finden Sie hier.

 

  • 1.Ebene(Keller):  2 schwere Geschütze in Geschützkammer
                              (Vollkartaune oder 10-Pfünder Viertelbüchse)
  • 2.Ebene:            1 Halbkartaune (24-Pfünder),  1 Vollkartaune (42-Pfünder)
  • 3.Ebene:            1 Vollkartaune und 1 Halbkartaune
  • 4. Ebene:           1 Viertelkartaune (12-Pfünder)
  • 5. Ebene:           1 Zweipfünder und 1 Sechspfünder
  • Dachebene:       2 große Quartier- und/oder Nothschlangen
                             (9- bzw. 16-Pfünder)

In der Kellerebene war das Hauptpulvermagazin untergebracht. Dort lag es weitgehend trocken und vor allem gegen Beschuss, Splitter und glühenden Kugeln geschützt. Innerhalb des Bauwerks wurde das Pulver durch Hebezeug mit Winde (Flaschenzug) durch Öffnungen im Innern des Turms auf die höher gelegenen Geschützebenen gehoben. Das System gleicht damit dem des Hardenburger Westbollwerks.   Auch die Kommunikation (z.B. Feuerleitung) mit den darüber liegenden Ebene erfolgte über die heute noch erhaltene Öffnung(Abb. 3, 5, 6)

Die zweite Ebene ist heute noch in Teilen vom Burghof aus begehbar und beherbergt neben den Sanitäranlagen auch noch einige Geräteschuppen, die dem Mauerrund folgen und überdacht sind. Historisch sind die zwei erhaltenen Kasematten mit neu aufgemauerten Schießöffnungen (Abb. 5) für eine Halbkartaune und eine Pulverhandwaffe.

Die Statik des Turmes erlaubte es nicht, in allen Ebenen schwere Stücke zum Einsatz zu bringen. So finden wir die schwersten Stücke auf Ebenen 1 bis 3, darüber nur noch kleinere Kaliber als kurzrohrige Varianten, um Rohrgewicht zu sparen.

Auf der Dachebene gab es mehrere große Schießscharten hinter Mauerbrüstungen für dort aufgestellte langrohrige Schlangengeschütze, vermutlich in der Größenordnung bis zur “Nothschlange”.  Das waren die weitreichendsten Waffen des Nanstein, allein ihre geringe Anzahl gestattete es nicht, Feuerzusammenfassungen auf die feindlichen Schanzen vorzunehmen.

Die auf Ebene 1 – 5 eingesetzten Geschütze mussten aus Kasematten feuern, die in das starke Mauerwerk eingelassen und einen langen Schießkanal durch die Mauer hatten. Hierdurch war der Evelationswinkel auf 10-12 Grad begrenzt. Das machte  es schwierig , die überhöhten feindlichen Stellungen zielsicher anzurichten bzw. im Pulverdampf eine gute Schussbeobachtung bzw. Schussverbesserung vorzunehmen. So blieb es Glücksache, ob ein Treffer in der Erdschanze des Feindes erzielt wurde.

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