Die Wehrkonzeption des Steinenschloss

 Vorbemerkungen zur Wehrfunktion der Burg zur Erbauungszeit um 1100

Wie im Kapitel Geschichte kompakt dargelegt, wurde das Steinenschloss vermutlich durch die Grafen von Saarbrücken um 1100 in strategisch wichtiger Position errichtet. Ihre Wehrfunktion ist charakterisiert durch:

  • Bau in Spornlage mit 2 steil abfallenden Seiten im Osten und Süden, einem mäßig steilem Abhang im Westen und einem leicht ansteigenden Burgberg im Norden.
  • Burggräben an der Nord- und an der Westseite
  • Ringmauer, fast durchgehend etwa 1,80 m dick.  Im Norden, zur vermuteten Feindannäherungsrichtung, war sie mit 2,5 m sogar noch etwas wehrhafter ausgeprägt. Der Bering dürfte einen Wehrgang getragen haben.
  • Die heute in der Nordmauer noch erkennbare Abstufung könnte als frühe Form einer Flankierung gedeutet werden, wenngleich der Bau von Flankierungstürmen in pfälzischen Burgen erst  ab Mitte des 12. Jahrhunderts zu beobachten ist.  Denn erst zu dieser Zeit fanden die Erfahrungswerte aus den Kreuzzügen Eingang in die  Wehrarchitektur der Burgen.
  • Toranlage im Südwesten der Anlage, der Feind abgewandten Seite, mit Wächterunterkünften. Näheres dazu siehe unten.
 
 

    Ausbau zur “stauferzeitlichen” Wehranlage gegen 1150

    Den vorgenannten rudimentären Wehrelementen aus der spätsalischen Zeit wurden in einer Erweiterungsphase zur Mitte des 12. Jahrhunderts wichtige Verstärkungen hinzugefügt, die den Übergang einer salierzeitlichen zur stauferzeitlichen Wehranlage sichtbar machen. Hierzu zählen:

    1. Spornlage
    2. Halsgraben
    3. Schildmauer
    4. Bergfried
    5. Bering mit Wehrgängen (bereits 1100 vorhanden)
    6. (Innere) Riegelmauer mit Tordurchfahrt
    7. Torturm mit Wachlokalen (bereits 1100 vorhanden)
    8. Wasserversorgung

    I.  Erbauung in Spornlage

    Erbauung in Spornlage. Zur Feldseite im Norden steigt der Schlossberg leicht an. Dort sind die stärksten Befestigungen
    Halsgraben, Schildmauer und Bergfried: Typische stauferzeitliche Wehrelemente aus der Bauphase um 1150.

    II. Gebück und Halsgraben

    Um einem Angreifer keine Deckungsmöglichkeiten während der Annäherung zu gestatten, wurde das Gelände (Schussfeld) um die Burg baumfrei gehalten.

    Stattdessen wurden ganze Streifen von Dornenhecken und anderem schwer durchdringlichen Bewuchs, das sog. “Gebück”, angelegt. Das Mitführen von Ausrüstung für die Erstürmung von Burgmauern, wie z.B. Leitern, wurde damit deutlich erschwert bzw. verhindert.

    Der bereits um 1100 angelegte Burggraben an der Nordseite des Steinenschloss wurde während der Erweiterungsmaßnahmen von 1150 verbreitert und noch tiefer ausgeschrotet. Damit entstand ein für Belagerungsmaschinen, z.B. dem Mauerbrecher, unüberbrückbares Geländehindernis, ein Halsgraben.

    Beim Ausschroten des Halsgrabens wurde das notwendige Baumaterial für den Bergfried gewonnen, was aus Zeit- und Kostengründen einen unschätzbaren Vorteil bot.

    Auch die Westseite der Burg war durch einen vorgelagerten Burggraben geschützt.

    Der Burgberg wurde auf der Feldseite auf mindestens 40-50m Tiefe von Vegetation - bis auf Gebück / Dornensträucher - freigehalten.

    III. Schildmauer oder (nur) Starkmauer ?

    In der Fachsprache versteht man unter Schildmauer ein durchgängiges, massives Starkmauerwerk, welches die zu schützende Burganlage auf der gesamten Breite abdeckt.

    Die mächtigsten Schildmauern in pfälzischen Burgen finden wir auf dem Neuscharfeneck, der Wolfsburg und der Madenburg, die ihre enormen Mauerstärken aber allesamt erst als Antwort auf die zunehmende Gefährdung der Burg durch aufkommende Feuerwaffen erhielten. Hiervon war im 12. Jh. noch keine Rede.

    Die Nordmauer des Steinenschloss’ nimmt sich mit 2,5 m Mauerstärke vergleichsweise schwach aus. Ihre frühere Höhe ist schwer einzuschätzen. Die salierzeitliche Burg kannte die Schildmauer als Wehrelement noch nicht. Wurde die Nordmauer während der Ausbauphase um 1150 zur Schildmauer aufgestockt? Ich meine “nein” und führe drei Gründe an:

    1. Der mehr als 13 Meter durchmessende Bergfried konnte die Schildfunktion für dahinter liegende Burgteile teilweise übernehmen.
    2. Eine höhere Mauerführung hätte das Schussfeld der auf dem Bergfried eingesetzten Armbrustschützen eingeschränkt und tote Räume im Halsgraben zugelassen.
    3. Eine Aufstockung in der 2. Bauphase um 1150 hätte m.E. wegen der geringen Quadergrößen der unteren (salischen) Quaderreihen statische Probleme mit sich gebracht.

    Bei der Nordmauer des Steinenschloss’ fällt auf, dass sie aus unterschiedlichem Steinmaterial besteht. Man kann mutmaßen, dass der Westteil der Nordmauer beim Bau des Bergfrieds aus logistischen Gründen niedergelegt worden war, um die Bereitstellung der sehr mächtigen und bis zu 16 Zentner schweren Buckelquader zu erleichtern. Bei der Fertigstellung des Turmes gegen 1150 wurde dann die Mauerlücke in der Westhälfte (rechts) mit Buckelquadermauerwerk geschlossen.

    Halsgraben, Schildmauer und Bergfried: typische stauferzeitliche Wehrelemente aus der Bauphase um 1150.
    Schildmauer mit Abstufung. Im Westteil (rechts) aus Buckelquadern, links aus salierzeitlichen Quadern gemauert.

    IV. Bergfried

    Warum man einen runden und keinen kantigen Bergfried errichtet hat, bleibt im Dunkeln. Runde Bergfriede sind in der Pfalz eher selten. Jedenfalls zählt der freistehende Bergfried des Steinenschloss zu den größten Rundtürmen in der Pfalz, der zudem durch seine imposante Buckelquaderschale besonders wehrhaft wirkt.

    Seine Mauerstärke beträgt etwa 250cm, der Innenraum hat einen Durchmesser von 850 cm, der Außendurchmesser demnach über 13 Meter. Das ergab eine Nutzfläche von ca. 56 m² pro Geschoss und legt die Vermutung nahe, dass der Bergfried auch Wohnzwecken diente. Ausgrabungen und Analysen des Schutthügels förderten aber lediglich Türgewändeteile zu Tage, jedoch keine auf eine Wohnraumnutzung hinweisende Artefakte. So war der Bergfried wohl eher ein Wehr- denn ein Wohnturm.

    Die Höhe des Bergfrieds nehme ich mit 20-25 m an. Der obere Abschluss bildete eine Wehrplattform mit einem Zinnenkranz. 

    Eine (Teil-)Überdachung mit einem Kegeldach ist wahrscheinlich.

    Burg Steinenschloss (1150)
    Der mächtige, um 1150 erbaute, runde Bergfried steht hinter der 2,50 starken Nordmauer, ist aber nicht mit ihr verzahnt. Er hat eine lichte Weite von 8,5m, sein Mauerwerk ist 2,50m dick. Er dürfte etwa 20 bis 25m hoch gewesen sein.
    Eine hohe Einstiegspforte befand sich in 12m Höhe auf der feindabgewandten Seite. Sie war über eine Holztreppe erreichbar.

    V. Bering mit Wehrgängen

    Die Ringmauer wurde bereits in der ersten Bauphase um 1100 errichtet. Sie hat im Westen, Süden und Osten eine Mauerstärke von 180 cm, lediglich an der Nordseite ist sie mit 250 cm stärker.

    Das war breit genug, um oben einen Wehrgang von etwa 120cm Tiefe verlaufen zu lassen und die Wächter den Kampf durch die Zinnenlücken führen zu lassen.

    Eine Bresche in der westlichen Abschnitt der (Nord-)Schildmauer- in dem Luftbild weiß gekennzeichnet – könnte die Stelle markieren, bei der 1168 Truppen Barbarossas die Burgmauern durchbrachen und zerstörten. Die Mauerlücke wurde vor der endgültigen Aufgabe der Burg gegen 1200 wieder verschlossen.

    Der äußere Bering hat im Grundriss etwa die Form eines Bügeleisens, dessen Spitze nach Süden zeigt. Er ist in seinem Verlauf dem Gelände der Bergnase angepasst.
    Blick über den Hof der Oberburg auf die Tordurchfahrt und die nach links verlaufende Riegelmauer. Rechts dürfte sich eine Rüstkammer befunden haben.

    VI. Innere Riegelmauer mit Torbau

    Im Burgenbau des späten 11. Jahrhunderts war es nicht unüblich, den hochherrschaftlichen Bereich von den Wirtschafts- und Wohnbauten des Gesindes mittels einer Mauer abzutrennen. Eine solche finden wir auch auf Burg Schlössel.

    Neben dieser “Klassentrennung” hatte die Riegelmauer auch eine Wehrfunktion. Ein in die Unterburg eingedrungener Feind musste nun eine weitere Sperre überwinden, bevor er den hochherrschaftlichen Bereich stürmen konnte.

    Sie wurde entlang der abgearbeiteten Felskante zwischen Ober- und Unterburg geführt.Die Mauerstärke der Trennmauer dürfte etwa 90 cm betragen haben, so dass für den Wehrgang eine Holzkonstruktion vonnöten war.

    Eine 2,50 m breite, in den Fels gehauene, Rampe führte in die Oberburg. Fundamentreste legen nahe, dass hier einst ein quadratischer Torbau stand.
    Eine unscheinbarer kleine Vertiefung im Felsen an der westlichen Ringmauer markiert die Stelle, wo einst die Rüstkammer der Burg lag. Zahlreicher Waffen- und Pferdegeschirrfunde lassen diese Deutung zu.

    Eine 2,50m breite, in den Fels gehauene, Rampe führte in die Oberburg. Fundamentreste legen nahe, dass hier einst ein quadratischer Torbau stand.

    VII. Salierzeitliche Toranlage

    Der Zugang zur Unterburg wird dominiert von der großen Toranlage, durch die ein 3m breiter Torweg führte. Die komplexe Toranlage mit mehr als 70m² Grundfläche wurde bereits in der ersten Bauphase um 1100 errichtet.

    Südlich des Torturmes befand sich wahrscheinlich eine Unterkunft für die Wachen. Aus dem Obergeschoss dieser “Kaserne” dürfte ein Zugang zum Wehrgang auf dem südöstlichen Bering geführt haben.

    Der Torturm kragte nach außen nicht über den Bering hinaus, eine flankierende Wirkung vor das Tor war zur Salierzeit noch nicht Stand der Wehrarchitektur.

    Vor dem Tor überspannte eine Holzbrücke den Burggraben. Ob es sich hierbei um eine Zugbrücke gehandelt hat, ist nicht belegt. aber auch nicht auszuschließen.

    Die Höhe der Burganlage hätte auch ein Fallgatter erlaubt, aber auch das ist rein spekulativ.

    Das Haupttor auf der feindabgewandten Seite war durch eine über den Burggraben verlaufende Holzbrücke gesichert.
    Salierzeitlicher Torkomplex mit Wachhaus ("Kaserne") und Anschluss an den südlichen Bering mit Wehrgang.

    VIII. Wasserversorgung

    Ein Brunnen ist auf Burg Steinenschloss nicht nachgewiesen. Wasser wurde vermutlich mit Wassereseln vom nahen Schwarzbach herangeführt.

    Hingegen sind die Reste einer 175 x 225 cm großen Tankzisterne an der Unterburgseite der Riegelmauer erhalten. Diese Zisterne wurde aus der Oberburg gespeist. Sie war 180cm tief und war an zwei Seiten aus Sandstein aufgemauert, an den übrigen Seiten an die Felskante angelehnt. Das Becken war mit Lehm ausgekleidet und abgedichtet.

    Die Tankzisterne war sicherlich nicht ausreichend, um die Wasserversorgung der Burg zu decken.

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