Ganerbenburg Drachenfels

Die  Ganerbenburg beschreibt eine Burganlage, die gleichzeitig  mehrere Besitzer hatte und nach festen Regeln, niedergelegt in einem “Burgfriedenvertrag“, verwaltet und bewohnt wurde. Diese Art der Besitzteilung einer Burg ist nicht nur in der Pfalz anzutreffen, auch in Frankreich und England und im Rest des Reiches  kannte man diese Rechtsform. Die Ganerbenburg war aber nicht nur eine virtuelle (adminisitrative) Form der Burg, sondern auch baulich in der Häufung von Wohn- oder Verwaltungsgebäuden in der Burg festzumachen.

Burg Drachenfels in voller Ausdehnung aus Süden um 1520
So könnte die Ganerbenburg Drachenfels in der Endausbaustufe gegen 1520 ausgesehen haben (eigene Rekonstruktion).

Wie im Kapitel “Das Burgsterben in der Pfalz” dargelegt, entstand eine Ganerbenburg häufig aus wirtschaftlichen Gründen mit dem Ziel, die finanzielle Überforderung des Alleinbesitzers abzuwenden. Hierzu wurden – ähnlich wie in einer heutigen “Wohnungseigentümergemeinschaft”- durch “Teilungserklärung” weitere (Mit-)Besitzer (“Gemeiner”) durch Verkauf von Anteilen an der Gesamtanlage aufgenommen. Manchmal wurde eine Ganerbengemeinschaft aber auch durch Vererbung an mehrere Familienmitglieder begründet.

Die “Teilungserklärung” der Burggemeinschaft  hieß damals “Burgfriedensvertrag“.  Dieser unterschied zwischen gemeinschaftlich genutzten Elementen, zu denen immer die Wehranlagen und meist auch die Burgkapelle und Küche gehörten, und dem “Sondereigentum”, zumeist den Wohngebäuden. Neben der Burg selbst waren auch die Ländereien der Herrschaft betroffen. Die Unterhaltung der Gemeinschaftsanlagen wurde aus einer Gemeinschaftskasse beglichen (in der heutigen Hauseigentümergemeinschaft würden wir von “Hausgeldzahlungen” sprechen) und auch eine jährliche Ganerbenversammlung zur Beschlussfassung und Aufstellung eines Wirtschaftsplanes gab es schon. Im Burgfriedensvertrag wurde auch festgelegt, welcher Gemeiner welche Waffen und wieviel Munition beizusteuern hatte. Die Burgwächter wurden sicherlich aus der Gemeinschaftskasse besoldet.

Nach außen agierte die Ganerbengemeinschaft bis ins 15.Jh. als Gesamtverband mit einer Stimme, später agierte ein Lehensmann als Gesamthänder. Beendet wurde eine Ganerbengemeinschaft, wenn es einem Vertragspartner gelang, die übrigen Gemeiner auszukaufen oder durch Tausch mit anderen Besitzanteilen zu einer Besitzkonsolidierung zu kommen, so wie es Franz v. Sickingen 1518 auf Burg Nanstein gelang. Burg Drachenfels hingegen verzeichnete eine stetig wachsende Anzahl von Gemeinern.

Als die Eckbrechte von Dürkheim 1398 die Burg zu Lehen erhalten hatten war schon erkennbar, dass sie für den Unterhalt und den vollständigen Wiederaufbau der Anlage, die 1335 durch die Stadt Straßburg belagert und zerstört worden war, weitere (fremde) Geldmittel benötigen würden.  So entschloss sich Heinrich Eckbrecht v. Dürkheim, Anteile des Drachenfels an Gemeiner zu veräußern. Das war der Beginn des Drachenfels als Ganerbenburg.

Für die Attraktivität des Drachenfels als “Kapitalanlage” dürfte auch eine Rolle gespielt haben, dass die 1463 gegründete oberrheinische Reichsritterschaft (sog. “Heilig-Geist-Gesellschaft“)  den Drachenfels als Ort ihrer Zusammenkünfte ausgewählt hatte. Daraufhin fand ein sprunghafter Zuwachs an Gemeinern statt. So gab es  1476 schon 13 Gemeiner, 1478 bereits derer 16 und nach dem Ausbau auf dem westlichen Felsstock mit neuem Wohnraum hatte die Burg 1510 sogar 25 Gemeiner.  So lässt sich  das Zustandekommen der extrem hohen Anzahl von Miteignern auch als Solidarpakt innerhalb des Ritterbundes verstehen. Man wollte “dazu gehören”, ohne die (beengte) Burg allerdings selbst zu bewohnen.

Bilder sind gemeinfrei

Die  berühmtesten Miteigner an Burg Drachenfels waren zum einen Kaiser Maximilian I. von 1505 bis 1510, der seinen Einfluss in der Region stärken wollte, und zum anderen der Reichsritter Franz v. Sickingen, dessen Machtpolitik und Fehden schließlich die Burg Drachenfels ins Verderben führten.

Mehr zum Untergang Sickingens und dem Drachenfels im Kapitel  Geschichte kompakt.

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Peter Wild

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