Geschichte der Burg Drachenfels auf dem Zeitstrahl

Bau der Burg

Replik einer Steinzange in Zangenloch zur Anhebung schwerer Lasten

Der genaue Zeitpunkt der Errichtung der Burg Drachenfels ist nicht bekannt, dürfte aber in der 1. Hälfte des 13. Jhdt. erfolgt sein, etwa zeitgleich mit der Erbauung der Burg Landeck, die ebenfalls ein Lehen des Klosters Klingenmünster war. Alle vorherigen Erwähnungen beziehen sich auf die Burg Drachenfels bei Königswinter.

Ca. 1230

Waltherus de Drachenvels

Nach derzeitigen Forschungsstand ist der um 1245 auftretende Walter von Drachenfels der erste Niederadelige, welcher mit Sicherheit mit der Wasgauburg verbunden war. Offenbar hatte er den Drachenfels vom Abt des Benediktinerklosters Klingenmünster als Lehen erhalten. Als Grenzburg sollte der Drachenfels wahrscheinlich das Gebiet des Klingenmünster Klosters ab das angrenzende Territorium der Abtei Weißenburg schützen.

1245

Streitigkeiten mit dem Hochstift Worms

Wappen Bistum Worms
Quelle: Wikipedia, gemeinfrei

Urkunden vom Ende des 13. Jahrhunderts behandeln Streitigkeiten der Vettern Rudolf und Anselm von Drachenfels mit dem Wormser Bischof, die 1288 beigelegt wurden. Von diesen Rittern stammt das älteste Siegel, das einen Drachen in einem Spitzschild zeigt.

1288

Erster Konflikt mit den elsässichen Städten Straßburg und Hagenau

1314 erlitten die Herren Berthold, Anselm und Rudolf von Drachenfels im Verlauf der fünfwöchigen Belagerung der benachbarten Burg Berwartstein durch die Städte Hagenau und Straßburg schwere Schäden auf ihren Besitzungen. Möglicherweise waren diese Ereignisse die Ursache für weitere Spannungen in der Folgezeit trotz Ausgleichszahlungen der Städte.

1314

Belehnung durch Kurpfalz

Kurfürst Ruprecht I. mit seinen beiden Frauen Elisabeth Beatrix. Unbekannter Maler Public Domain

Walram II. von Zweibrücken trug die Burg Drachenfels dem Kurfürsten Ruprecht I. v.d. Pfalz an und erhielt sie umgehend als Mannlehen zurück.

1360

Eckbrechte von Dürckheim neue Besitzer

Wappen der von Dürckheim , ca. 13. Jh.. Unbekannter Urheber Wikipedia, gemeinfrei

Nach dem Aussterben der Zweibrücker Grafen kamen die Eckbrechte von Dürckheim als Seitenlinie der Grafen von Zweibrücken-Bitsch in den Besitz einer Häfte der Burganteile, 1398 schließlich mit Hilfe des Abtes von Klingenmünster in Besitz der ganzen Anlage nebst Zugehörden Busenburg, Bärenbrunn und Erlenbach.

1398

Erster Burgfriedensvertrag - Drachenfels wird Ganerbenburg

Der Ausbau und der Unterhalt der nach 1335 zunächst wohl nur notdürftig Instandgesetzten Burganlage war zu kostspielig für die Eckbrechte. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts nahmen sie deshalb Ganerben mit auf dem Drachenfels auf. Diese auch als Gemeiner bezeichneten Adligen erhielten ein vererbliches Dauerwohnrecht auf der Burg, mussten sich aber im Gegenzug dazu verpflichten, die in Zusammenhang mit dem Drachenfels anfallenden Kosten anteilsmäßig mitzutragen.

1406

Gründung der Heilig-Geist-Gesellschaft

Die Kreise und Kantone der Reichsritterschaft. Quelle: Historisches Lexikon Bayern Veränderte Abbildung auf Grundlage von: Kurt Andermann, In Angelegenheiten der Ritterschaft.

Die oberrheinische Reichsritterschaft, "Heilig-Geist-Gesellschaft (»Wikipedia)' bestimmte den Drachenfels als ihren Versammlungsort. Das war ein zum gegenseitigen Schutz und Trutz gegründeter Bund von Rittern der Region, der angesichts der erstarkenden Territorialfürsten um seine Reichsunmittelbarkeit fürchtete und damit in Opposition zu den Fürsten stand; siehe dazu unter 1523. Dem Bund gehörten neben Franz v. Sickingen auch die Herren von Ramberg an.

1463

Umfassende Ausbaumaßnahmen

Abb. 4 - Drachenfels (Ganerbenburg, Kanonenburg, Felsenburg)
Zwinger mit äußerem Tor und Torturm sicherten den Burgzugang. Der mit schönen rechteckigen Buckelquadern verkleidete Torturm muss früher mindestens 4, möglicherweise sogar 5 Geschosse gehabt haben. Es ist anzunehmen, dass die oberen Ebenen gegen Ende des 15. Jahrhunderts baulich für den Einsatz von Kanonen ertüchtigt wurden.

Um weiteren Platz für die Gemeiner zu schafften, wurde die Burg im späten 15. Jahrhundert um- und ausgebaut. So wurde der Halsgraben zwischen West- und Ostfelsen überbaut und ein sog. "Geschützrondell" an dessen Nordseite angelegt. Nun wurde auch der Westfelsen bebaut und mit Zugängen versehen (Felstreppen und 1 Treppenspindelturm), sowie Geschützkammern in den Ostfels der Oberburg gemeißelt. Der Zugang zum Keller des Westbaus in der östlichen Unterburg trägt die Jahreszahl 1515.

Gegen 1490

Zwei herausragende Gemeiner auf Burg Drachenfels waren Kaiser Maximilian I (1505-1510) und Franz von Sickingen (bis 1523)

Gemeiner auf Burg Drachfels Anfang des 16. Jh. (gemeinfrei)

Auf der langen Liste der Drachenfelser Gemeiner ragen zwei historische Persönlichkeiten heraus. Die eine war Kaiser Maximilian I. Um Einflussnahme im Wasgau bemüht, hatte er am 16. April 1505 einen Vertrag mit den Ganerben der Burg geschlossen, demzufolge er den Drachenfels unter des "Heiligen Römischen Reichs Schutz und Schirm" nahm und dafür Mitganerbe wurde. Die Miteigentümerschaft des Franz v. Sickingen, der 1510 zum Hauptmann der Gemeiner gewählt wurde, wirkte sich für Burg Drachenfels 1523 fatal aus.

Beginn des 16. Jh.

Reichsacht gegen den Burggrafen und die 24 Gemeiner des Drachenfels

1512 gerieten die Gemeiner vom Drachenfels für 1 Jahr in die Reichsacht, als sie in eine Fehde des Konrad von Heideck, dem Besitzer der Madenburg, mit der Reichsstadt Speyer verwickelt wurde. Auf offener Landstraße gefangen genommene 3 Speyerer wurde auf den Drachenfels verbracht und Lösegeld gefordert. Die Stadt aber rief den Reichsfiskal an und erreichte das Verhängen der Reichsacht gegen die Beschuldigten. Angesichts der Gefahr, ihre Lehen zu verlieren, lenkten sie ein und unterwarfen sich der Reichsrechtsprechung.1513 wurde die Acht aufgehoben.

1512

Tod des Franz v. Sickingen auf Burg Nanstein

Beschuss der Burg Nanstein 1523, aus:
Sturm, Casper: "Bellum Sickinganum Blatt 37, gemeinfrei.

Die Sickingische Fehde gegen Trier 1522 und der Gegenschlag der fürstlichen Allianz aus Kurtrier, Kurpfalz und Hessen 1523 gegen Sickingen, der sich auf Burg Nanstein dem fürstlichen Heer stellte, führte zu dessen Niederlage und Tod.

1523

Burg Drachenfels wird von den "Drey Kriegsfürsten" zerstört

Nach dem Tode Sickingens wollten seine fürstlichen Gegner nun seine Anhängerschaft und Besitztümer zerschlagen. Damit geriet auch Burg Drachenfels in das Visier der Fürsten. Als deren Truppenkontingent, bestehend aus 300 Berittenen und 3 Fähnlein Landsknechten mit zahlreichen Geschützen, unter dem Oberbefehl des Wilhelm von Renneburg die Burg Drachenfels am 10. Mai 1523 erreichte, wurde die Burgbesatzung zur Übergabe aufgefordert. Die Burg war zu diesem Zeitpunkt nur schwach besetzt, man spricht von 8 sich auf Kriegshandwerk verstehende Knechte. Als dem Schlossvogt die Aussichtslosigkeit seiner Position klar wurde, übergab er die Burg bei freiem Abzug. Diese wurde nun geplündert, verbrannt und schwächere Mauerteile abgestoßen ("geschleift"). Der Wiederaufbau wurde untersagt. Die fürstliche Kriegsbeute bestand neben den Kanonen und Pulver aus 200 Malter Mehl und "etlich faß Wein", die die Landsknechte "zur Verwendung" erhielten.

10. Mai 1523

Eckbrechte sind die großen Verlierer

Wappen der von Dürckheim , ca. 13. Jh.; Unbekannter Urheber
Wikipedia, gemeinfrei

Hauptleidtragende der widerrechtlichen Zerstörung des Drachenfels - Franz von Sickingen war schließlich nur einer von zahlreichen Ganerben gewesen - waren die Eckbrechte von Dürkheim. Sie behielten zwar die Herrschaft Drachenfels als Afterlehen, zogen jedoch auf die Burg Schöneck; eine Seitenlinie residierte später in Fröschweiler im Elsass. Einen Versuch, den Drachenfels wieder aufzubauen, unternahmen die Eckbrechte nicht mehr. Zur Zeit der französischen Revolution gelangte die Burg in den Besitz der Gemeinde Busenberg, die auch heute noch Besitzer ist.

Nach 1523

Burg dient als Steinbruch

Die Burg diente danach als Steinbruch und so mancher bearbeitete Stein der Burg findet sich heute in Busenberger Bauten wieder.

Nach 1523

Sicherungs- und Restaurierungsmaßnahmen

Eingerüsteter Flankierungsturm mit großer Scharte zum Innenhof der Unterburg 2017

Erste Restaurierungsmaßnahmen an der Ruine datieren aus den Jahren 1901 bis 1906 und 1939. Eine wissenschaftlich exakte Bauaufnahmen und Ausgrabungen wurden dann erstmals ab 1990 im Zuge notwendiger Sanierungsarbeiten am Felsen und der östlichen Unterburg durchgeführt. 2017 war der quadratische Flankierungsturm in der Unterburg eingerüstet.

Nach 1901, 2017
Teile diese Seite

Seite zuletzt aktualisiert am