Die Wasserversorgung auf Burg Berwartstein

Die Wasserversorgung im Belagerungsfall, wie auch im Alltag, war bei Felsenburgen, wie dem Berwarstein, generell ein Problem. Schon früh hat sich hier der Burgherr entschlossen, eine Brunnenbohrung innerhalb des geschützten Raums des Burgfelsens vorzunehmen. Damit wurde er von anderen externen Zuführungsarten (Zisterne, Wasseresel) unabhängig und im Belagerungsfall war die Wasserversorgung sichergestellt.

Der Brunnen des Berwartstein wurde nicht oben auf dem Felsen begonnen, sondern in dem Bereich, wo heute die Felstreppe nach oben führt. Trotzdem erreichte die Brunnenröhre erst nach 104 Meter eine wasserführenden Schicht.  Sie wurde per Hand mit Hammer und Meisel spiralförmig sehr tief aus dem Gestein geschlagen (Fachbegriff “Abteufen”), was lange dauerte und auf Berwartstein 50 Jahre beanspruchte. Es nötigt einem heute große Bewunderung ab, dass man nicht bereits auf halber Strecke , d.h. nach 25 Jahren, aufgegeben hat. Der Glaube an den Erfolg und eine gefüllte Reichs- oder bischöfliche Kasse im 12./13. Jh. ließen den/die Bauherr(e)n durchhalten.

Eine größte technische Herausforderung der Brunnenbohrung war die Sauerstoffversorgung der im Schacht arbeitende Steinmetze. Vermutlich wurden bereits damals große Blasebälge eingesetzt, der Brunnenraum war geräumig genug. Für die ersten Meter mag das auch gereicht haben. Bei zunehmendem Baufortschritt dürfte jedoch eine andere Technik zur Anwendung gekommen sein, nämlich eine Luftzirkulation durch Feuer. Hierbei wurde die Brunnenröhre in der Mitte durch eine Holzwand luftdicht geteilt. Oben wurde auf einer der beiden Hälften eine abgedichtete Brennkammer eingerichtet, die Frischluft nur aus der darunter liegenden Hälfte der Brunnenröhre ansaugen konnte. So entstand ein Unterdruck, der eine Zirkulation in Gang setzte, indem frische Luft in die freie Röhe eingesaugt wurde, nach unten strömte und von dort wieder als Verbrennungsluft nach oben strömte.Das reichte aus, um die Steinmetze unten mit ausreichend Sauerstoff zu versorgen. Das funktionierte aber nur, wenn die Röhre sehr sauber (glatt) gearbeitet wurde und die Luft nicht zur Seite entweichen konnte. Jetzt versteht man auch, warum die Röhre über die gesamte Länge einen gleichmäßigen Durchmesser von 2 Metern hat. Ansonsten hätten undichte Stellen zu Druckverlust und zu einem Abbruch der Zirkulation geführt.

Das Wasser wurde vermutlich mit einer Haspel/Winde gefördert und in Eimern zu den Verbauchern in die daneben liegende Küche und in die Oberburg gebracht. Das Wasserschöpfen war eine mühselige Arbeit. Ich halte es für nicht ausgeschlossen, dass die Förderung mithilfe eines Tretrades, ähnlich wie auf Burg Meistersel, erfolgte. Der Brunnenraum auf Burg Berwartstein hätte hierfür ausreichend Platz geboten.

Brunnenraum mit Burgbrunnen und Burgküche
Abb. 1: Brunnenraum mit Tiefbrunnen und daneben liegender Küche
Burgbrunnen mit 2 m Durchmesser
Abb. 2: 104 Meter tiefer, durch den Fels geschroteter, Brunnen
Brunnenröhre, oberer Teil
Abb. 3: Brunnenröhre, oberer Teil

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Peter Wild

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