Geschichte kompakt der Burg Berwartstein

Berwartstein aus Westen (Luftbild Closeup)Selten hat der Begriff der “Wiederauferstehung” besser gepasst als bei der Burg Berwartstein im deutschen Wasgau. Als bedeutendes Machtzentrum des Reiches erbaut, im 14. Jahrhundert als Raubritterburg in Verruf geraten, im ausgehenden 15. Jh. noch zur Kanonenburg ausgebaut, erlebte der Berwartstein unter dem kurpfälzischen Marschall Hans v. Trotha im Ende des 15. Jh. ihre Blütezeit, die durch einem Blitzschlag im Jahr 1561 jäh endete. Der Berwartstein brannte völlig aus und war danach über 300 Jahre dem Verfall und Raubbau preisgegeben, bevor 1893 der Ostpreuße Theodor von Baginski die Ruine erwarb und sie in den Folgejahren nach seinen burgenromantischen Vorstellungen wieder aufbauen ließ. Was wir heute vorfinden ist ein nicht dem historischen Vorbild folgender Quasi-Neubau von 1894/95. Die durch Fliegerbomben in Mitleidenschaft gezogene Burg wurde nach dem 2. Weltkrieg wieder instand gesetzt. Sie ist heute eine faszinierende, in Privatbesitz der Familie Wadle befindliche, von ihr bewohnte und unterhaltene Burganlage mit Gastronomie und Gästebetten. Der Berwartstein zählt zu den beliebtesten Ausflugszielen im Wasgau, der täglich zahlreiche Besucher anlockt. Die Burg weist mit ihren Katakomben und dem 104m tiefen Burgbrunnen bauliche Besonderheiten auf, die sie einzigartig in der pfälzer Burgenlandschaft macht. Doch beginnen wir die Geschichte von vorne.

  Der genaue Zeitpunkt der Erbauung ist nicht festzumachen. Erst aus einer Urkunde des Jahres 1152 erfahren wir von einer Schenkung der Reichsburg Berwartstein von König Friedrich I. (“Barbarossa”) an das Hochstift Speyer. Es dürfte sich hierbei um einen Vorgängerbau gehandelt haben, denn die Baugeschichte setzte erst nach 1200 so richtig ein.

  1201 belehnte Speyer eine Ritterfamilie, die sich nach der Burg benannte. Rudolf von Berwartstein ist der erste dieses Geschlechts, der urkundlich erwähnt ist.  Bereits 1283 von Worms erhobene Beschwerden rücken die Berwartsteiner (und auch die Drachenfelser) in die Nähe des Raubrittertums. Weitere Übergriffe auf Kaufleute verdichteten sich Anfang des 14. Jh. , so dass sich ein Bündnis der Städte Hagenau und Straßburg gegen Eberhard von Berwartstein wandte und 1314 vor die Burg zog, um das Raubritternest einzunehmen und dem Berwartsteiner Einhalt zu gebieten. Die Burg wurde nach fünfwöchiger Belagerung schließlich eingenommen und zerstört (abgebrannt). Eberhard und 30 Mann seiner Besatzung wurden gefangen genommen. Der Wiederaufbau der Burg nach einer Sühnevereinbarung und der Freikauf der Gefangenen scheint die Berwartsteiner finanziell ruiniert zu haben. Der letzte uns bekannte Bewartsteiner, Anselm, verkaufte die Burg 1343 an die Herren von Weingarten und diese an die Abtei St. Peter in Weißenburg für 800 Pfund Heller.

  Mitte des 15. Jh. machte der Weißenburger Burgvogt Erhard Wyler von sich Reden, der in zahlreichen Übergriffen seine Nachbarn gegen sich aufbrachte. Er soll u.a. Abgaben, die ihm nicht zustanden, erhoben und Weiderechte missachtet haben. Das veranlasste die Eckbrechte von Dürckheim, Herren auf Burg Drachenfels, eine Fehde gegen Weißenburg und Wyler zu führen und diesen nach einer handstreichartigen Einnahme des Berwartstein gefangen zu setzen. Wyler wurde an den Kurfürsten v.d. Pfalz übergeben, der Wyler 1473 gegen Lösegeld wieder frei ließ. Die Burg gab der Kurfürst Philipp I. (Nachfolger von KF Friedrich I. d. Siegreichen) nicht wieder heraus. Er stand mit der Abtei Weißenburg nach einem fehlgeschlagenen Feldzug der Kurpfalz gegen ebendiese (1469/71) immer noch über Kreuz. Vielmehr gab er den Berwartstein 1480 seinem Gefolgsmann Hans von Trotha zu Lehen, 1485 verkaufte er ihm die Burg sogar.

Wappen des Hans von Trotha (Foto Wappensammlung auf Berwartstein)

Mit Hans von Trotha installierte Kurpfalz in der Südwestpfalz eine Machtbasis, die durch den Ausbau des Berwartstein zur Kanonenburg auch wehrtechnisch sichtbar wurde.  5 Geschütztürme, unterirdische Versorgungsstollen und eine neue äußere Ringmauer mit weiteren Flankierungstürmen machten den Berwartstein zur stärksten Wehranlage in der Südpfalz. Er errichtete weiterhin auf dem gegenüber liegenden Nestelberg das Kanonenrondell “Kleinfrankreich”, das eine denkbare Feindannäherung im Kreuzfeuer der Kanonen zerschlagen sollte.

  Gestützt auf eine solche Machtbasis, nahm von Trotha seinen – auch auf persönlichen Rachegelüsten gründenden – “Terror” gegen Weißenburg auf. Zunächst grub er der Stadt das Wasser ab und staute die Wieslauter an. In Weißenburg kamen die (Wasser-)Mühlen zum Stillstand. Später brach er die Wehre ab und richtete dadurch massive Flutschäden in der Stadt, an den Mühlen und dem Umland an. Die zwischenzeitlich ausgesprochene Reichsacht durch Maximilian I. und die Verhängung des Kirchenbanns beeindruckten “Hans Trapp”, wie von Trotha volkstümlich genannt wurde, wenig. Er ging weiter gegen die Weißenburg vor, besetzte Ortschaften, trieb Lösegelder ein und verlangte “mafiöse” Schutzgelder. Zwischenzeitlich kamen Kurpfalz und Weißenburg 1500 auf dem Verhandlungswege zu einer gütlichen Lösung, in der die Burg Berwartstein nun auch rechtmäßig an Kurpfalz und als Afterlehen an die Familie von Trotha ging. Von Trotha starb 1503 ungebeugt noch im Kirchenbann.

  1545 starb mit Christioph der letzte im Mannesstamm des Geschlechts von Throth. Die Burg fiel an seinen Schwiegersohn Friedrich von Fleckenstein. Mit dem oben bereits erwähnten Blitzschlag von 1561 endet hier nun die Aufbereitung der Burggeschichte.

 

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Peter Wild

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