Zeitreise zur Festung Hardenburg von 1580​

Rekonstruktion von Wolfgang Braun

Die Rekonstruktionszeichnung von Wolfgang Braun ist von hoher Stimmigkeit. Die Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen des 16. Jahrhunderts an der Hardenburg sind alle berücksichtigt. Brauns Zeichnung zeigt eine zur Festungsanlage ausgebaute stolze Residenz, die die machtpolitische Bedeutung des Leininger Grafengeschlechts sichtbar macht.

So erkennt man: Westbollwerk (1500), Dicker Turm (“Kugelturm”), “Gästehaus” an der Ostseite des Inneren Hofes (1501), Torrondell (um 1510), Verbindungsbau (1543 – 1551) und “Großer Saalbau” (1550-1551). In die Zeit um 1587 fiel die Anlage des “Lustgartens” unterhalb der Ostmauer (Bildmitte unten).

Stimmig ist auch das dem Torrondell vorgelagerte Erste Tor (Bild, links) , das in eine zwingerähnliche Anlage eingebettet war.

Bei Braun fehlt allerdings der ebenfalls 1587 angelegte “Große(r) Ausfallgarten”, ein Sommergarten im Stil der späten Renaissance, der entlang der Bergzunge bis zum Ostwerk mit seinen zwei Flankierungstürmen verlief. Braun setzt stattdessen beiderseitig der Mauern der Unterburg nahe des Ostbollwerks (“Münze”) mehrere Fachwerkbauten an, die in der ältesten Federzeichnung der Hardenburg von 1580 (siehe Abb. rechts) nicht erkennbar sind.

Die Geschütztürme “Kugelturm”, “Torrondell” und “”Münze” sind realitätsgetreu mit Kegeldächern mit kleinen Dachgauben, die der Belüftung dienten, abgedeckt. Das macht alleine deshalb Sinn, weil somit die Geschütze auf der Plattform auch bei feuchter Witterung noch einsetzbar waren. Zum Schutz der Geschützbedienungen gegen herabfallende Ziegel im Gefecht ist das Einbringen einer massiven Holzdecke über der Brüstung und unter der aufstrebenden Bedachung vorstellbar.

Das obere Geschoss des Westbollwerks trug außen einen umlaufenden hölzernen Wehrgang, in den vier Wichhäuschen für Beobachtungsposten eingefügt waren. In Brauns Skizze sind diese “Seitentürmchen” gut erkennbar. Die Dachkonstruktion ist in Brauns Darstellung nicht vollständig überdacht, sondern innen offen. Das macht Sinn, denn die obere, dritte Geschützebene schloss nach oben mit einem Kuppelgewölbe mit einem mittigen Rauchabzug ab.

Federzeichnung der Hardenburg um 1580

Eine lavierte Federzeichnung aus dem kurpfälzischen Skizzenbuch zeigt die Hardenburg gegen 15809 aus Norden. Gut erkennbar sind die Kegelturm-Bedachungen der Münze und der Rondelle.

mit freundlicher Genehmigung von Wolfgang Braun
Passende Perspektive für den Vergleich mit der Aufbauskizze von Wolfgang Braun
Federzeichnung der Hardenburg um 1580, Blickrichtung Süden. Älteste bekannte Darstellung , im: Kurpfälzischen Skizzenbuch, Staatsgalerie Stuttgart, gemeinfrei
Wie das Westbollwerk im 17. Jahrhundert aussah, kann in einer zeitgenössischen Abbildung des Westbollwerks am Grabmal Emich XI. in der Schlosskirche von Bad Dürkheim belegt werden. Es trug oben einen umlaufenden hölzernen Wehrgang, in den vier Wichhäuschen für Beobachtungsposten eingefügt waren.
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