Die Geschichte des Gräfenstein in kompakter Form

Typische Stilelemente der Stauferzeit: Schildmauer und Bergfried. Eigener Rekonstruktionsvorschlag des Gräfenstein

Burg Gräfenstein liegt 2km östlich der Ortschaft Merzalben unweit der südwestpfälzischen Stadt Pirmasens auf dem 437m hohen Schlossberg. Die Burg gilt als „Juwel stauferzeitlicher Burgenarchitektur“, die trotz mehrfacher Erweiterungen und Umbauten ihren ursprünglichen Charakter bewahrt hat.

Wie das? Ich führe es darauf zurück, dass die Burg nicht im permanenten Besitz einer einzigen Adelsfamilie war, sondern als „Finanzprodukt des Hochmittelalters“ viele Besitzerwechsel verzeichnete. Neue Anteilseigner betrachteten den Gräfenstein nicht als Machtsymbol, denn sie wohnten allesamt woanders. Entsprechend lag es nicht in deren Interesse, die Anlage baulich teuer an die waffentechnischen Entwicklungen anzupassen. Als schließlich 1540 doch noch ein hochadeliger Pfalzgraf Sitz auf der Burg nahm, hätte dies für den Gräfenstein einen nachhaltigen Bedeutungszuwachs bewirken können. So wurden zunächst die Schäden des Bauernkrieges behoben und im Palas einige repräsentative Erweiterungen vorgenommen. Doch Pfalzgraf Ruprecht starb bereits 1544 und damit endeten denkbare weitere Ausbaupläne, möglicherweise zur Kanonenburg, wie sie im 16. Jh. bei Neudahn und Hardenburg noch umgesetzt worden waren, jäh. Doch starten wir die Burggeschichte von vorne.

Wie so oft bei den pfälzer Burgen ist auch beim Gräfenstein das genaue Baujahr nicht bekannt. Es kann zur Wende des 12. und 13. Jh. angenommen werden. Als „Castrum Grebinstein“ wurde es jedoch erstmals 1237 in der berühmten Teilungsurkunde des Hauses Leiningen erwähnt, wobei der Gräfenstein bei der (Alt-)leininger Linie” des Friedrich III. verblieb . Dieser Friedrich III ließ 1250 auch die Burg  Neuleiningen errichten. Er setzte auf dem Gräfenstein einen adeligen Amtmann als Burgvogt ein, die sich, dem Brauch folgend, nach der Burg benannte. So wird 1275 beispielsweise ein “Dancrad von Greuenstein” erwähnt.

Die Lage im damaligen Grenzbereich der Bistümer Worms, Speyer und Metz hebt die besondere strategische Bedeutung der Burg hervor. “Greuenstein”, gleichbedeutend mit Grenzstein, könnte ein Indiz für die Namensgebung der später “Gräfenstein” genannten Burg sein.

Gegen 1250 wurde eine die Burg umspannende Zwingeranlage angefügt.

Die umfangreichsten Erweiterungen des Gräfenstein fanden allesamt nach bedeutsamen Besitzerwechseln statt. Und so waren es der Leininger Graf Friedrich III. , der um 1250 der Burg einen die Südburg umspannenden Zwinger mit Wohnbebauung voransetzte (Bild 2., links, sog. “Kasernement”)

Das war es dann vorerst, denn Geldnöte zwangen ab 1345 den Leininger Grafen dazu, sukzessive Anteile an der Burg an verschiedene neue Miteigner zu verpfänden. Bis 1367 kamen 7/8 der Burg an den kurpfälzischen Kurfürsten Ruprecht I. Dieser übertrug die Burg 1371 an seinen Neffen Johann III. von Sponheim. In dieser Zeit erfolgte vermutlich der Bau des Nordzwingers und des zweigeschossigen inneren Torturms (Bild 3).

Die gegen 1501 durch Graf Emich VIII. ausgebaute Vorburg mit Toranlage Eigener Rekonstruktionsvorschlag

Über viele Weiter- und Unterverpfändungen, die ich hier nicht im Detail darstellen möchte, kam die Burg dann 1501 nach dem Landshuter Erbfolgekrieg vollständig an Graf Emich VIII. von Leiningen-Hardenburg, ein entschiedener Gegner von Kurpfalz. Emich sorgte denn auch gleich für den Ausbau der nördlichen Unterburg, des Nordzwingers und der Toranlagen. Vermutlich ließ er auch die Ertüchtigung der (schmalen) Schlüsselscharten für Armbrüste für den Einsatz von Hakenbüchsen vornehmen. Dennoch konnte die Burg während des Bauernkrieges 1525 nicht gegen den anrückenden elsässischen Kolbenhaufen verteidigt werden. Gräfenstein erlitt schwere Brandschäden.

Der Wiederaufbau ließ auch sich warten, bis der oben erwähnte Pfalzgraf Ruprecht von Zweibrücken-Veldenz den Gräfenstein übernahm und eine rege Bautätigkeit begann. Denn im Zuge der Nachlassverwaltung wurde der herzogliche Hausrat 1544 größtenteils nach Lauterecken umgezogen und die (leere) Burg danach fortan wieder durch einen Amtmann verwaltet.

Als schließlich der Markgraf von Baden-Baden 1570 die Burg übernahm, endete die Phase ständiger Besitzwechsel, der Gräfenstein blieb aber weiterhin (nur) unter der Leitung eines Amtmannes. 1594 sollen noch einmal die Mauern verstärkt worden sein.

Im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges wechselte der Gräfenstein mehrfach den Besatzer. Nach dem Abzug der Schweden 1635 soll die Burg an die Kaiserlichen gefallen und infolge “der Unvorsichtigkeit der kaiserlichen Besatzung” in Flammen aufgegangen und niedergebrannt sein. Seither ist der Gräfenstein Ruine. Erst 1909 wurde der fortschreitende Verfall durch erste Restaurierungsarbeiten, denen weitere im 20. Jahrhundert folgten, gestoppt.

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