Die Wehrkonzeption der Burg Gräfenstein

Beim Gräfenstein handelt es sich um eine Höhenburg (Typ: Gipfelburg), er wurde also nicht in Spornlage errichtet. Somit fehlt der Halsgraben als typisches stauferzeitliches Wehrelement. Die Burg wurde auch nie zur Kanonenburg ausgebaut, es sind nur Scharten für Pulverhandwaffen des 15./16. Jahrhunderts vorzufinden.

Kennzeichnung der Wehrelemente des Gräfenstein

Bergfried

Siebeneckiger Bergfried, der Felsform des Burgfelsens angepasst, in die Feindseite gelegt, Oben mit Plattform und vmtl. mit Zinnenkranz. Dach unklar.

Siebeneckiger Bergfried, den Felskonturen angepasst

Hohe Mantelmauer

Hohe Mantelmauer mit Wehrgang, um den Bergfried herumgeführt.

Hohe Mantelmauer mit Wehrgang

Treppenturm zur Oberburg

Treppenaufgang zum hochgelegten Zugang in die Oberburg, der mit einem Gusserker gesichert war. Heute noch durch eine große Bogenöffnung zu erkennen.

Treppenturm zur Oberburg mit Pechnase über Tor

Südliche Ringmauer

An der Hofseite mit angelehnten Wohnbauten, die mit Schlitzscharten für Bogen durchsetzt waren. Späterer Einsatz von Feuerwaffen aus den gotischen, schmalen Fenstern wahrscheinlich.

Bergfried und Südzwingermauer schützten die Burg. Alle Tore liegen in der feindabgewandten Seite.
 

Äußerer Zwinger ohne Flankierungstürme

Ein umlaufender Mauerring, der vom Torzwinger um die Gesamtanlage bis zum Flankierungsturm des nördlichen Zwingers herum führte, sollte den unmittelbaren Zugriff auf die Burg verwehren. Die Existenz einer solchen Mauer ist allerdings nicht nachgewiesen.

Bergfried und Südzwingermauer schützten die Burg. Alle Tore liegen in der feindabgewandten Seite.

Äußeres Tor zum Torzwinger

Der Weg zur Kernburg führt seit den Erweiterungen von 1375 nun durch den neu angelegten Torzwinger (links im Bild). Diese äußere Toranlage ist mit 2 kleinen Flankierungstürmchen gesichert.

Erstellt von Peter Wild mit Cinema 4D, 2018

Flankierungsturm des nördlichen Zwingers

Der Flankierungsturm war ein dreiviertelrunder, innen offener, Flankierungsturm.  Südliche Mauer des Nordzwinger mit Schlüssellochscharten und einer kleinen rundbogigen Pforte (Ausfallpforte?)

Links vom Flankierungsturm ist eine Riegelmauer mit Schlüssellochscharten und einer kleinen rundbogigen Pforte (Poterne?)

Torturm

Zweigeschossig. 12m hoch. Das OG zur Kernburg hinten offen, damit sich dem Feind im Turm keine Stellung bot.

Innerer zweigeschossiger Torturm
Innen offner zweigeschossiger Torturm ragt áuf hinter der Quermauer mit einem Rundbogentor in die südlichen Unterburg

Südliche Unterburg

Die südliche Unterburg zeigt eine an die Ringmauer angelehnte Hofbebauung, die heute als “Kasernement” bezeichnet wird. Sie war mit Schlitzscharten für Bogen durchsetzt. Späterer Einsatz von Feuerwaffen aus den gotischen, schmalen Fenstern wahrscheinlich.

Ringmauer der südlichen Unterburg (Außenansicht)
Terppenturm. Sperrmauer und Südliche Unterburg

Befestigte Rundbogentore

Befestigte Rundbogentore am Nord– und Südeingang  zur älteren Unterburg im Westen.

Erstellt von Peter Wild mit Cinema 4D, 2018

I  Bauphase (um 1200)

  • Die Wehrfunktion der ursprünglichen Burganlage des Jahres um 1200 umfasste:
  • Siebeneckiger Bergfried, der Felsform des Burgfelsens angepasst, in die Feindseite gelegt, Oben mit Plattform und vmtl. mit Zinnenkranz. Dach unklar.
  • Hohe Mantelmauer mit Wehrgang, um den Bergfried herumgeführt
  • Treppenaufgang zum hochgelegten Zugang in die Oberburg, der mit einem Gusserker gesichert war. Heute noch durch eine große Bogenöffnung zu erkennen.
  • Mit glatten Steinquadern verkleideter Burgfels, die das Ersteigen unmöglich machten
  • Westliche Unterburg (Bildmitte) mit Riegelmauern im Süden und Norden
  • Zisterne im Oberhof für die Wasserversorgung

II  Bauphase (gegen 1250)

Der (Alt)Leininger Graf erweiterte die Anlage mit einer

  • Zwingeranlage im Süden (Bild rechts oben) .
    Die gesamte Zwingermauer ist mit Bogen- und Armbrustscharten durchsetzt
  • Zwei weitere Zisternen in der Unterburg

III Bauphase (ca. 1375)

  • Der Weg zur Kernburg führt nun durch den neu angelegten Torzwinger (links im Bild)
  • Überwachung des Torweges aus  Flankierungstürmen neben den Toren, Abstand der Türme u. Riegeltore ist durch die Kampfentfernung der Armbrust ca. 30m vorgegeben.
  • Zweigeschossiger Torturm zwischen Nordzwinger und Unterburg, zum Burghof hinten offen, um eingedrungenen Feind bekämpfen zu können.

IV Spätere Bauphasen (15. / 16. Jahrhundert)

  • Verbreiterung von  Schlüsselscharten für die Nutzung mit Handfeuerwaffen (Haken)
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