Die Wehrkonzeption der Burg Gräfenstein

Beim Gräfenstein handelt es sich um eine Höhenburg (Typ: Gipfelburg), er wurde also nicht in Spornlage errichtet. Somit fehlt der Halsgraben als typisches stauferzeitliches Wehrelement. Die Burg wurde auch nie zur Kanonenburg ausgebaut, es sind nur Scharten für Pulverhandwaffen des 15./16. Jahrhunderts vorzufinden, nicht aber Scharten für Geschütze.

Kennzeichnung der Wehrelemente des Gräfenstein
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Bergfried

Der Bergfried, der heute noch 17m hoch ist und vorne noch 10m über der Schildmauer aufragt, ist siebeneckig. Er ist der Felsform des Burgfelsens angepasst. Ob er mit einem Zinnenkranz abschloss, oder gar ein Pyramidendach trug, ist meine Annahme. Auffällig ist, dass weder der Bergfried noch die Mantelmauer zur Feindseite Öffnungen zeigen.

Gräfenstein 1544 - Oberburg mit Steg vom Treppenturm zum Bergfried
Gräfenstein 1544 - Oberburg mit Steg vom Treppenturm zum Bergfried

Hohe Mantelmauer

Die Schildmauer trug einen um den Bergfried umlaufenden und vorkragenden Hurdenkranz mit Wehrgang. Pfostenlöcher sind im Mauerwerk des Bergfrieds zu erkennen.

Gräfenstein 1544 - Hurdenkranz auf Schildmauer und Bergfried
Gräfenstein 1544 - Hurdenkranz auf Schildmauer und Bergfried

Treppenturm zur Oberburg

Der Aufgang zur Oberburg führte über eine Freitreppe und wurde durch einen halbrunden, mit Buckelquadern verkleideten, Turm gesichert. Darüber erkennt man einen hervorkragenden Kampfstand, der eine Gussöffnung besaß. Er ist heute noch durch eine große Bogenöffnung zu erkennen.

Gräfenstein 1544 - Westzwinger mit Zugang zur Oberburg
Gräfenstein 1544 - Westzwinger mit Zugang zur Oberburg
 

Südliche Ringmauer

Die südliche Ringmauer ist 2m stark und etwa 6m hoch. An sie, zur Hofseite angelehnt wurden Wohnbauten, das sog. Kasernement, errichtet. Die Ringmauer war im unten Bereich mit Schlitzscharten für Bogen durchsetzt. Mit fortschreitender Waffentechnik kamen vermutlich Pulverhandwaffen aus den schmalen Fenstern zum Einsatz.

Gräfenstein 1544 aus Süden (Vogelperspektive)
Gräfenstein 1544 aus Süden (Vogelperspektive) mit Südbering und Kasernement

Äußerer Zwinger ohne Flankierungstürme

Ein um die Gesamtanlage herumgeführter Mauerring sollte den unmittelbaren Zugriff auf die Burg verwehren. Die Existenz einer solchen Mauer ist allerdings nicht nachgewiesen.

Gräfenstein 1544 Westseite und Kasernement aus der Vogelperspektive
Gräfenstein 1544 mit umlaufender schwacher Schichtmauer als äußeres Annäherungshindernis

Äußeres Tor zum Torzwinger

Der Zugangsweg führte ab etwa 1370 durch einen engen langen Torzwinger, der neben dem Außentor durch zwei oder sogar drei weitere Tore gesichert war. Die Halbschalentürme hatten den Zweck, das jeweilige Abschnittstor zu decken. Die gut erhaltenen Schlüssellochscharten (vormals für Armbrust) wurden vermutlich um 1500 für die Nutzung von (Hand-)Feuerwaffen ertüchtigt

Gräfenstein 1544 - Nordostansicht mit äußerem Tor und Zwinger
Gräfenstein 1544 - Nordostansicht mit äußerem Tor und Zwinger

Flankierungsturm des nördlichen Zwingers

Der dreiviertelrunde Flankierungsturm vor dem Torturm war innen offen. Die südliche Mauer verbindet den Nordzwinger mit dem Südbering am Inneren Torturm. Die Sperrmauer ist mit Schlüssellochscharten durchsetzt und weist eine kleinen rundbogige Pforte (Ausfallpforte?) auf.

Gräfenstein 1544 - Zwinger mit Quermauer südlich des Haupttors
Gräfenstein 1544 - Zwinger mit Quermauer südlich des Haupttors

Torturm

12m hoch. Zweigeschossig. Im oberen Geschoss war Platz für die Winde des Fallgatters und für eine dort vermutete Pechnase (Vorbau). Das OG zur Kernburg war hinten offen, damit sich dem Feind im Turm keine Stellung bot.

Gräfenstein 1544 - Torzwinger mit Haupttor aus Nordosten
Gräfenstein 1544 - Torzwinger mit Haupttor aus Nordosten
Gräfenstein 1544 - Haupttor Rückseite
Gräfenstein 1544 - Haupttor Rückseite

Südliche Unterburg

Die südliche Unterburg zeigt eine an die Ringmauer angelehnte Hofbebauung, die heute als "Kasernement" bezeichnet wird. Sie war mit Schlitzscharten für Bogen durchsetzt. Späterer Einsatz von Feuerwaffen aus den gotischen, schmalen Fenstern wahrscheinlich.

Gräfenstein 1544 - Südostseite der Burganlage (Vogelperspektive)
Gräfenstein 1544 - Südostseite der Burganlage (Vogelperspektive) mit Kasernement
Gräfenstein 1544 - Südliche Unterburg mit Zisterne
Gräfenstein 1544 - Südliche Unterburg "Kasernement" mit Zisterne

Riegelmauern mit befestigten Toren

Die schmale westliche Unterburg gehört zum stauferzeitlichen Baubestand und schützte den Aufgang zur Oberburg. Sie war durch Riegelmauern zu beiden Seiten vom übrigen Burgareal absperrbar   .Gräfenstein 1544 - Westzwinger mit Zugang zur Oberburg

Gräfenstein 1544 - Westzwinger mit Riegelmauern zu Süd- und Nordzwinger

I  Bauphase (um 1200)

    • Die Wehrfunktion der ursprünglichen Burganlage des Jahres um 1200 umfasste:
    • Siebeneckiger Bergfried, der Felsform des Burgfelsens angepasst, in die Feindseite gelegt, Oben mit Plattform und vmtl. mit Zinnenkranz. Dach unklar.
    • Hohe Mantelmauer mit Wehrgang, um den Bergfried herumgeführt
    • Treppenaufgang zum hochgelegten Zugang in die Oberburg, der mit einem Gusserker gesichert war. Heute noch durch eine große Bogenöffnung zu erkennen.
    • Mit glatten Steinquadern verkleideter Burgfels, die das Ersteigen unmöglich machten
    • Westliche Unterburg (Bildmitte) mit Riegelmauern im Süden und Norden
    • Zisterne im Oberhof für die Wasserversorgung

II  Bauphase (gegen 1250)

Der (Alt)Leininger Graf erweiterte die Anlage mit einer

    • Zwingeranlage im Süden (Bild rechts oben) .
      Die gesamte Zwingermauer ist mit Bogen- und Armbrustscharten durchsetzt
    • Zwei weitere Zisternen in der Unterburg

III Bauphase (ca. 1375)

    • Der Weg zur Kernburg führt nun durch den neu angelegten Torzwinger (links im Bild)
    • Überwachung des Torweges aus  Flankierungstürmen neben den Toren, Abstand der Türme u. Riegeltore ist durch die Kampfentfernung der Armbrust ca. 30m vorgegeben.
    • Zweigeschossiger Torturm zwischen Nordzwinger und Unterburg, zum Burghof hinten offen, um eingedrungenen Feind bekämpfen zu können.

IV Spätere Bauphasen (15. / 16. Jahrhundert)

    • Verbreiterung von  Schlüsselscharten für die Nutzung mit Handfeuerwaffen (Haken)
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