Geschichte des Schlössel

Kaum zu glauben: Vor 160 Jahren wusste man noch nichts bzw. nichts mehr von der Existenz dieser Burg, bis man auf der Suche nach Baumaterial für die Pfalzklinik in Klingenmünster 1855 die unter einer Humusschicht verborgene und damit konservierte Burgruine wieder entdeckte. Weder der Name des Erbauers noch die Umstände, die zur Zerstörung Mitte des 12. Jh. führten, sind archivalisch belegt. So liefert vor allem die Burgenarchäologie, getrieben von dem unermüdlichen Dieter Barz, Erkenntnisse über diese zunächst namenlose Burg, für die seit Mitte des 20. Jahrhundert der Name „Schlössel“ gebräuchlich ist.  Was man aber – den Kontext der Zeit einbeziehend – sagen kann:

Rekonstruktionsvorschlag der Turmburg Schlössel des Jahres 1100

Die Burg Schlössel (weitere Namen sind: Schloessel, Waldschlössel, Schlößl) wurde während der Regentschaft des Salierkönigs Konrad II  etwa um  1030/1040 erbaut und dabei in eine ältere Ringwallanlage eingefügt. Das Genehmigungsrecht für den Bau von Burgen hatte zu jener Zeit der König (“Regalrecht”) und so ist auch davon auszugehen, dass die Salier, die zugleich Schutzvögte des Klosters Klingenmünster waren, Bauherren waren. Die  Datierung des Baus um 1030 wird gestützt durch die Verwendung von Quadern mit Ähren und Fischgräten, welche ebenfalls in der zeitgleichen Errichtung des Doms zu Speyer und des Klosters Limburg bei Dürkheim zur Anwendung kamen. Ringmauer und Trennmauer zwischen Wirtschafts- und Innenhof entstanden dem Baubefund nach erst gegen 1050. Einige der beim Burgenbau verwendeten Materialien kamen von weit her: So wurde u.a. der Schiefer, mit dem das Dach gedeckt war, aus der Eifel bezogen.

Ein Quaderstein mit Fischgräte (Wohnturm Schlössel) erlaubt die Baudatierung auf ca. 1030

Das “Schlössel” wies die typischen Elemente der  salierzeitlichen Turmburg” auf, Details dazu sind im Abschnitt “Burgenkunde” nachzulesen.

Archäologisch sind vier Zerstörungen während ihrer kurzen, nur etwa 140-Jahre währenden,  Existenz nachgewiesen.  Zerstörungen während des  Investiturstreits (1076 – 1122) und als Folge politisch kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen 1125 und 1140 sind wahrscheinlich.  Die letzte  (vierte) Zerstörung um die Mitte des 12. Jhdts. war final. Sie wird in manchen Quellen Barbarossa zugeschrieben, der 1168 Burg Saarbrücken und drei den Saarbrückern zuzurechnende – nicht namentlich genannte – Burgen brechen ließ.

Die Burgstelle wurde 1855 entdeckt, als man Steinmaterial für den Bau der entstehenden Pfalzklinik suchte und an der Burgstelle auf Mauerreste stieß.  Eine erste Ausgrabung von 1899 – 1904 förderte die Nord- und Ostseite des Wohnturms und den Torturm zutage.  In einer weiteren Ausgrabung 1935 wurde die gesamte Kernburg bis auf die Westseite des zentralen Turms frei. gelegt. Seit 1988 wurden weitere Ausgrabungsarbeiten in Kern- und Vorburg vorgenommen, deren Artefakte das Bild einer wirtschaftlich florierenden Burg auf höchstem hygienischen Standard der Zeit zeichnen:  Sie belegen, dass auf der Burg Metalle, Textilien, Leder, Felle und Knochen verarbeitet wurden. Neben einem Abortturm gab es gab es nach einer Erweiterungsmaßnahme Ende des 11. Jh. sogar ein Badehaus mit Dampfbad .

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