Typisierung von Geschützen des 13.-17. Jahrhunderts

Bereits im 15. Jahrhundert gab es ein variantenreiches Waffenarsenal.


Die Namensgebung der verschiedenen Büchsen (auch “Stücke” genannt) war keineswegs ein-eindeutig. Die Geschützbezeichnungen bezogen sich zu dieser Zeit auf die Hauptcharakteristik des Stücks, z.B. auf

  • die Art des Geschosses: Lotbüchse, Steinbüchse, Hagelbüchse
  • den Einsatzzweck:
    • Langrohrige “Kartaunen” sind überwiegend Belagerungsgeschütze, während
    • kurzrohrige Kartaunentypen (meist Halb- oder Viertelkartaune) auch als Festungsartillerie eingesetzt wurden.
    • “Metzen” sind schwere Mauerbrecher und gehören zu den frühen Belagerungskanonen.
    • “Feldschlangen” sind beweglich auf hohen Rädern lafettierte Stücke mit offensivem Charakter. Sie wurden mit Pferdegespannen zu ihren Einsatzorten gezogen.
    • Kurzrohrige Schlangen (z.B. Falkonets) wurden als Feld- und Festungsartillerie eingesetzt, dort dann meist auf Dachplattformen.
      das Kaliber und das Geschossgewicht: Viertelkartaune, Achtelschlange u.v.m.
  • die Art der Lafettierung: Legestück, Karrenbüchse , Wagenbüchse, Kasemattlafette, Klotzbüchse, Bockbüchse
  • die Art des Ladens: Kammerbüchse (Hinterlader), Vorderlader. Mischvarianten sind möglich. So kann eine Kammerbüchse zugleich eine Steinbüchse sein oder die Lotbüchse synonym mit einem Doppelhaken (Handwaffe), sofern er Blei verschoss, bezeichnet werden.

Nachbau der Pfeilbüchse von 1326/27

Nachbau des Feuertopfes nach Geschützminiaturen des Milemète Codices von 1326/7.   Creative Commons Lizenz
Quelle: http://www.maquetland.com/article-phototheque/4230-militaria-moyen-age-canon-1326-walter-de-milemete-londres

Die frühesten Feuerwaffen waren nach den bisher ausgewerteten Sach- und Schriftquellen kleine vasenförmige Gebilde aus Metall, die Pfeile, aber auch Kugeln verschießen konnten. Schon in den 1340er Jahren scheint die Kenntnis und die Verbreitung der Pfeilbüchse verbreitet gewesen zu sein.

Die Büchse wurde aus Eisen oder Bronze gegossen. Sie war 1 bis 1,20 m lang, an der breitesten Stelle 40 cm und an der schmalsten 15 cm breit. Als Munitiondienten zunächst große Eisen- und Brandpfeile („Kugelpfeile“ oder auch „Büchsenpfeile“ genannt) deren Schäfte mit Leder als Treibspiegel umwickelt wurden. Später wurden Kugeln aus Stein, Blei oder Eisen verwendet. In den meisten Fällen kamen harte, knapp 4 Pfund schwere Steinkugeln zum Einsatz. Sie waren leichter als Eisenkugeln, dadurch war der Rückstoß und die Gefahr, dass eine Kanone explodierte, geringer. Steinerne Kanonenkugeln waren billiger und beim Aufprall flogen als Nebeneffekt rasiermesserscharfe Steinsplitter im Zielgebiet herum. Gezündet wurde der Feuertopf über ein Zündloch mittels eines Luntenstocks. Die Reichweite betrug etwa 300 m. Der Feuertopf war keine Präzisionswaffe, er traf nur ungefähr, dafür konnte ein Treffer mehrere Krieger auf einmal das Leben kosten.

Um die Mitte des 14.Jahrhunderts gesellten sich zu diesen Pfeilbüchsen die kompakteren, auch als Handfeuerwaffen tauglichen Lotbüchsen, die Bleikugeln verschossen.

Mit Lotbüchsen des 14./15. Jahrhunderts wurden Geschosse aus Blei (Lot) mit Kaliber von 3 cm bis 15 cm verschossen, was einem Kugelgewicht von 0,5 bis 16 Pfund entspricht. Von den größeren Lotbüchsen hießen die längeren Schirmbüchsen, nach den beweglichen Holzschirmen bei Belagerungen, die mit kürzeren Rohren nannte man anfangs Tarrasbüchsen.

Während Haken/Doppelhaken zu den Pulverhandwaffen zuzurechnen sind, gelten nachfolgend genannte Lotbüchsen bereits zur Artillerie:

  • Eine “Achtelschlange” (Falkonet) verschoss als Einpfünder 32 Lot Blei mit einem Kaliber von 50mm.
  • Ein “Serpentinell” (auch (Feld-)Schlängelein) verschoss ein Geschossgewicht von 16 Lot bzw. 1/2 Pfund mit einem Kaliber von 28mm.
  • Ein “Viertelpfünder verschoss demnach 8 Lot Blei .
Kammerstück
Kammer des Hinterladungssystems
aus: Kriegsbuch des Reinhard von Solms

Kammerbüchsen (Kammerstücke) sind Hinterladegeschütze, die bis etwa

Mitte des 16.Jahrhunderts in Gebrauch waren. Die lose Ladebüchse, die das Pulver enthät, nennt man “Kammer“. Es gibt sie entsprechend der Größe in unterschiedlichen Ausführungen. Aufgrund des geringen Platzbedarfs beim Ladevorgang war dieser Geschütztyp hervorragend für den Kampf aus Kasematten (im Festungskampf) geeignet.

Das Rohr mit Kammer einer (kleinen) Kammerbüchse, so wie im Informationszentrum der Hardenburg ausgestellt, wog nur etwa 50 bis 60 Kilogramm und wurde mit Blei überzogenen Steinkugeln von 6 bis 7 Zentimetern Durchmesser bestückt. Ihr Schmiederohr besteht aus mehreren Lagen dünn geschlagenen (geschmiedeten) Eisens, wobei die Rohrmündung und das Ende durch einen doppelten bzw. langen Ring verstärkt sind. Dazwischen sind in nicht vollständig gleichen abständen weitere Ringe herumgelegt.  In diese Röhre wird das Kammerstück, das aus einer Masse geschmiedet ist, eingeschoben. Die Kammer ist natürlich enger als das Rohr. Die Größe ist auf die Pulverqualität, das Rohrkaliber, die Rohrlänge und das Gewicht des Geschosses abgestimmt.

Die im Besucherzentrum der Hardenburg ausgestellte Kammerbüchse war leicht und daher beweglich und der Ladevorgang ging schnell. Sie verfügt noch nicht über Schildzapfen, sondern wurde mit Stahlbändern auf er Lafette fixiert.

Leichte Steinbüchse auf Radlafette (15. Jh)

Leichte Steinbüchse auf Radlafette (15. Jh)

Bevor das genormte Kalibersystem für Artilleriewaffen ab 1550 eingeführt wurde, hat man Steinbüchsen nach ihrer Größe bezeichnet:

Aus ihnen wurden Steinkugeln verschossen, die für jedes Geschütz spezifisch angepasst wurden. Die Steinkugeln wurden von Steinmetzen vor Ort aus Rohlingen (end-)gefertigt.

Charakteristisch für Steinbüchsen ist die Zweiteilung in Kammer und Flug. Die Kammer wurde mit Schwarzpulver gefüllt. Der Flug nahm die Steinkugel auf. Die Treffgenauigkeit einer Steinbüchse war gerade wegen des kurzen Rohres und des Fehlens von Zieleinrichtungen gering.

Legestück, auf Holzrahmen verspannt, Anfang 15. Jh

Das Legestück ist ein Rohrgeschütz (schwere Steinbüchse oder Hauptbüchse) des 14./15. Jahrhunderts und kam ausschließlich als Belagerungswaffe zum Einsatz. Es war aus Eisen geschmiedet und besaß noch keine Zapfen für die Bettung auf einer Lafette. Vor ihrem Einsatz musste zunächst ein Holzrahmen gezimmert und das Geschütz darin fixiert werden oder man sicherte es am rückwärtigen Ende mit in den Boden getriebenen Holzpflöcken zum Ausrichten und Abfangen des Rückstoßes. Kleinere Legestücke wurden zusammen mit der Holzverschalung an den Einsatzort transportiert.

Holzrahmen für ein schweres Legestück
Quelle: Feuerwerksbuch des Martin Merz 1450
Kleingeschütz in Lade / auf Blocklafette (15. Jh) QUelle: Zeugbuch Maximilian I.; Creative Commons: https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/

Es sind unterschiedliche Definition im Umlauf. Auf dieser Seite wird im Folgenden unter Klotzbüchse ein kleineres, auf einer Lafette fixiertes Geschützrohr, verstanden und damit die Art der Geschützbettung als namensgebend herangezogen.

Eine kleine Steinbüchse oder eine Lotbüchse (in beiden Fällen mit dem Grundmaterial der Kugel als namensgebendes Kriterium) können also durchaus zugleich eine Klotzbüchse sein.

Auch die Tarrasbüchse ist ein kleines Steingeschütz bis max. 2 Pfund Geschossgewicht, welches auf Burgen für den Hagelschuss eingesetzte wurde.

Tarrasbüchse 

aus: Rüst- und Feuerwerksbuch (gemeinfrei).

Abb.1    Zitierlink digi.ub.uni-hd

Es gab mehrere Arten von “Orgeln”, je nachdem wie die Rohre miteinander auf dem Gestell verbunden waren.

Im 15. Jh. legte man noch häufig 6-8 Rohre auf ein kastenförmiges Gerüst nebeneinander. (..) wenn man das eine losbrannte, sind alle zumal losgegangen“.

Im 17. Jh. war die Fertigungstechnik bereit so vorangeschritten, dass mehrere Rohre in einer Reihe und mehrere Reihen übereinander reihenweise abfeuerbar waren. In der auf Veste Coburg ausgestellten Orgelbüchse (Abb.2) sind sogar 7 * 7 Rohre auf eisernem Rahmen und auf einer Wandlafette montiert. Jeweils eine Reihe war horizhontal abfeuerbar. Die einzelnen Reihen besaßen unterschiedliche Kaliber. Das Gewicht des Geschützes betrug 500kg.

 

Im Gegensatz zu den vorgenannten Legestücken war die “Wagenbüchse” bzw. die “Karrenbüchse” als Feldgeschütz mobil einsetzbar. Bei der Benennung des Geschütztyps zog man die Art der Beweglichkeit, z.B. des Fuhrwerks, heran.

Im Neuscharfenecker Waffenverzeichnis von 1600 ist die Existenz einer “gross schlang uff karch”, welche zum Schutz vor der Witterung im Stallgebäude der Vorburg stand.

Schwere Steinbüchse Hauptbüchse genannt Der Strauß aus: Zeugbuch Maximilian I.

Hauptbüchsen bzw. Hauptstücke gehören der schwersten Geschützkategorie der Belagerungsartillerie an. Sie hatten ein kurzes dickes Rohr aus drei Zylindern, der mittlere war der dickste. Die Hauptbüchse verfügt noch nicht über Schildzapfen, sondern wurde mit mindestens vier starken Ringen gehalten.

Die Hauptbüchsen unter Kaiser Maximilian I. trugen malerische Namen wie “Der Strauß”, “Der Leo”, “Tirolerin”, “Weckauf”

  • Kugelgewicht in Stein über 100 bis 730 Pfund (!)
  • Kaliber bis 80 cm
  • Rohrlänge ab 3,6 m
  • Rohrgewicht von über 92 Zentner
  • Keine Lafette, Montage einsatzbezogen auf Holzgestell.

Oft reichte schon der Anblick dieses Geschützes, um einen Verteidiger zu demoralisieren und zur Übergabe zu veranlassen.

Viertelbüchse für der Verschuss von 10-pfündigen Steinkugeln mit Durchmesser 17 cm) aus: Zeugbuch Kaiser Maximilians I. – BSB Cod.icon. 222, Innsbruck, um 1502 http://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00020956-6

Die noch bis zur Zeit des Maxilian I.  hergestellten Viertelbüchsen wurden vom Typus der Kartaune abgelöst. Namensgebend für diesen Geschütztyp “Viertelbüchse” ist das  Steingewicht der zu verschießenden Kugel. Diese hatte einen Durchmesser von ca. 17cm. Der Flug des Steingeschützes übertraf die Rohrweite der 24-pfündigen Halbkartaune um 2cm und erreichte fast das Kaliber einer Ganzkartaune.

Für den Hagelschuss wurden jedoch keine Steinvollkugeln, sondern bis zu 20 Pfund Hackblei oder Arkebusenkugeln geladen.

Viertelpfünder fanden auch EInsatz auf pfälzischen Burgen.

  • Laut E. Braun stand in der Schildmauer von Neuscharfeneck möglicherweise ein  10-Pfünder (oder eine Viertelkartaune) auf  vierrädrigen Kasemattlafette in einer der großen, dort 1472 angelegten, Kasematten. 
  • In der Schildmauer des Nansteins standen zwei 10-Pfünder auf  vierrädrigen Kasemattlefetten in den dort 1518 angelegten Kasematten, um vorgedrungenes Fußvolk auf kurze Distanz mit einem Hagelschuss zu zerschlagen.
  • In der Kellerebene des Großen Rondells auf Burg Nanstein stand ebenfalls eine 10-Pfünder Steinbüchse als schwere Waffe – vermutlich auf einer Radlafette wie oben abgebildet – für den Naheinsatz, z.B. mit Hagelschuss (Streuladung).

Quelle: http://www.kuk-wehrmacht.de/regiment/artillerie/artgesch.html

Doppelkartaune
Doppelkartaune aus: Kriegsbuch des Reinhard von Solms
 

Unter den schweren (Belagerungs-)Geschützen war die Kartaune der gebräuchlichste Geschütztyp. Kartaunen gab es in lang- und kurzrohriger Ausführung. Kartaunen unterteilt man gemeinhin entsprechend des Gewichts der verschossenen Kugeln:

Halbkartaune (17. Jh) aus Eisenguss auf Festung Königstein
  • Doppelkartaune – 40-70 Pfünder, Geschützkaliber 20-22cm, 
 Rohrlänge ca. 17-fache des Rohrkalibers, 
 Gewicht: 80 Zentner
  • (Ganz-)Kartaune       – 42 Pfünder, Kaliber 18cm
  • Dreiviertel Kartaune  – 30 Pfünder, Kaliber 16cm
  • Halbe Kartaune         – 24 Pfünder, Kaliber 13cm
  • Viertel Kartaune        – 12 Pfünder, Kaliber 11,4cm
  • Achtel Kartaune        –   6 Pfünder, Kaliber 9,1cm
 
 
Doppelkartaune
Doppelkartaune aus: Kriegsbuch des Reinhard von Solms

Die Ganzkartaune verschoss 42-pfündige Eisenkugeln mit einem Kaliber von 180 mm.

Das Rohrgewicht einer Kartaune betrug ca. 5 Tonnen.

Die Nachladezeit einer Kartaune betrug etwa 15 Minuten

Auf Nanstein kam der Einsatz kurzrohriger Ganzkartaunen mit einer Rohrlänge von knapp über 2 Metern  im  Großen Rondell auf der 2. Ebene und  in der 3. Ebene in Betracht. Auch auf der Hardenburg waren Ganzkartaunen im Westbollwerk und im Dicken Turm (Kugelturm) im Einsatz.

24 Pfünder (Halbkartaune) aus Gusseisen (Ende 17. Jh)
Halbkartaune (Ende 17.Jh), Rohr aus Gusseisen, für 24 pfündige Eisenkugeln

Die “Halbe Kartaune” verschoss 24 pfündige Eisenkugeln des Geschosskalibers 150mm.  Das Gewicht der Kanone betrug ca. 3,1 Tonnen.

Zwei der vier Halbkartaunen in der fürstlichen Artillerie waren kurzrohrige Typen, die den Namen “Singerinnen” trugen.

Die Nachladezeit einer Kartaune betrug etwa 15 Minuten.

(Langes) Bronzerohr einer Viertelkartaune (12-Pfünder) aus dem 17. Jh. . Rohrgewicht 1590 kg. Ausgestellt auf Veste Coburg

12-pfündige Viertelkartaune Kartaunen gab es in lang- und kurzrohriger Ausführung .

Festung Königstein (Sachsen), Rohrlänge 2150mm, Schussweite 320-3600 Schritt (min-max)

Aber auch langrohrige Achtelkartaunen (6-Pfünder) mit einer Rohrlänge von ca. 20 Kalibern, also ca. 180cm, auf Radlafetten kamen zum EInsatz, so z.B. auf dem Nanstein 1523 in der mittleren der drei Geschützkammern in der Südmauer.

“Schlange” war seit dem 15. Jahrhundert die Bezeichnung für ein Geschütz, das im Verhältnis zum Kaliber ein besonders langes Rohr hatte und im Vergleich zu den “Kartaunen” genannten Belagerungsgeschützen ein relativ kleines Geschosskaliber aufwies. Die Schlange war ein typisches Flachbahngeschütz mit hoher Treffgenauigkeit sowie großer Durchschlagskraft, das sowohl bei Belagerungen gegen schwächere Mauern wie auch in der Feldschlacht (Feldschlange) eingesetzt wurde.

Das lange Rohr der Schlange ruhte in Lafetten und war in der Regel aus Bronze gegossen. Maximilian I. hatte aber auch eiserne Schlangen, die er schmieden ließ. Große Schlangen hatten eine Nachladezeit von etwa 10 Minuten, die damit kürzer war als bei den Kartaunen.

Die Feldschlangen wurden in der Regel eingeteilt in

  • “Ganze Feldschlange” (18-20-Pfünder / Eisen, Kaliber 13cm)
  • “Nothschlange” (auch “Notschlange”, 16-Pfünder, Gewicht: 66 Zentner, Länge: 42-faches des Kalibers)
    16-pfündige Nothschlange (15. Jhdt.) aus: Kriegsbuch des Reinhard von Solms
  • “Halbe Feldschlange” (auch “Quartierschlange” oder “Quartanschlange”, 9-Pfünder, Gewicht 24 Zentner)
    Halbe Schlange. 9-Pfünder, 15. Jh. aus: Kriegsbuch des Reinhard von Solms
  • “Falkaune” (7-Pfünder)
    Falkaune oder Quartierschlange, 7 Pfünder aus: Kriegsbuch des Reinhard von Solms
  • “Falkon” (2-Pfünder)
  • “Falkonet” (auch “Falkonette” oder “Achtelschlange”), 1-Pfünder, Kaliber 5cm, Gewicht 6 Zentner) … nicht zu verwechseln mit “Falkaune”
    Lang- und kurzrohrige Varianten
    Falkonet oder Achtelschlange, 1-Pfünder aus: Kriegsbuch des Reinhard von Solms
  • “Serpentinell” (auch “Scharfentinlein” oder “(Feld-)Schlängelein”, 1/2 Pfünder, Kaliber 3,5cm)

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Quelle: Regionalgeschichte, Glossar sowie Wikipedia
Alle Abbildung aus:  Kriegsbuch des Reinhard von Solms

Die Schlange war ein typisches Flachbahngeschütz mit hoher Treffgenauigkeit sowie großer Durchschlagskraft. Im Verhältnis zur Rohrlänger wies die Schlange ein relativ kleines Geschosskaliber auf. Die schwersten Geschütze der Gattung “Schlange” waren Basilisk, “Not(h)schlange” und “Quartierschlange” (Falkaune)

Basilisk

Der Basillisk war die größte Schlangenart. 15 Stücke waren in Kaiser Maximilians Bestand.

Nothschlange

Wir finden diesen Geschütztyp seit dem 15. Jahrhundert. Mit ihrer langschwänzigen Lafette wog die Nothschlange ca. 3,5 Tonnen. Die Rohrlänge betrug über 5m.

Für die Bedienung des Geschützes waren neben dem Büchsenmeister noch 2-3 Knechte für Auswischen und Ansetzen nötig. Die Nachladezeit einer Nothschlange betrug etwa 10 Minuten.

Im Gegensatz zur Kartaune hatte die Nothschlange einen  peitschend hellen Abschussknall.

In der fürstlichen Artillerie gegen Sickingen 1523 wurden 6  schwere Schlangen des Typs “Nothschlange” mitgeführt. Die Nothschlangen waren bereits der Vorhut des Heeres zugeordnet und nahmen gezielt die Brustwehren und die Oberburg unter Beschuss.

Auf dem Nanstein waren ebenfalls Nothschlangen im Bestand des Franz v. Sickingen:  1) 1 St. im Kleinen Rondell als Kurzrohr 2) 2 Stück im Großen Rondell auf Dachplattform

Falkaune

die Falkaune war da schon erheblich “kleiner”.

Kurzrohriges Falkonet auf Radlafette
Kurzrohriges Falkonet auf Radlafette Veste Coburg

Das Falkonet gehört zur Gruppe der “Schlangen”.
Es wird auch “Falkonett”, “Falkon” oder “Achtelschlange” genannt.

Das Falkonet verschoss 1-pfündige Eisenkugeln vom Kaliber 5cm. Das Geschütz war für den präzisen Schuss konzipiert und ist nicht zu verwechseln mit der Falkaune.

Das Falkonet hatte bereits Kimme und Korn als Visiereinrichtung. Die Höheneinrichtung erfolgte mittels einer Schraubspindel.

 Beim Kampf um Burgen kam das Falkonet häufig auf Dachplattformen von Geschütztürmen, wie z.B.  den Flankierungstürmen von Neudahn und denSchildmauern von Neuscharfeneck und Madenburg zum Einsatz.

Serpentinel (1/2-Pfünder)
Serpentinel Kaliber 34 mm, Hinterlader mit vertikalem Blockverschluss, Rohrlänge 202 cm, Rohrgewicht 35 kg, Gewicht Lafette 27.6 kg,

Das Serpentinell wurde gezielt im Kampf gegen feindliche Geschütze und Offiziere eingesetzt.

So wurde z.B. während der Schlacht bei Rain am Lech (1632) der kaiserliche Generalfeldmarschall Tilly von einer Serpentinellkugel in den rechten Oberschenkel getroffen, die diesen dabei völlig zertrümmerte., so dass Tilly daraufhin verstarb.

32-Pfünder Mörser auf Blocklafette, Bronzeguss,
Kugeln für Steinbüchse, Mörser,
Schildzapfen, Veste Coburg

Der Mörser war eine grobe Steilfeuerwaffe für den Verschuss von Kugeln von 15-50 Pfund. Durch den indirekten Beschuss konnte auch ein Feind hinter hohen Mauern bekämpft werden.

Kennzeichen des Mörsers waren großkalibrige Ausführung und kurzer Flug. Als Flug bezeichnet man das von der Pulverkammer abgesetzte Vorderteil des Rohres zur Aufnahme der Kugel.

Seit Mitte des 14. Jhdts. fertigte man den Mörser aus geschmiedeten Eisen, später verwendete man Metallguss. Aufgrund seiner Größe und seines gewaltigen Rückstoßes musste er in einem massiven Holzunterbau fixiert werden.

Beim Mörser dauerte das Nachladen und Einrichten auf das Ziel etwa 20 Minuten.

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