Kampf um Burgen

Formen der Zerstörung einer Burg: Abbrennen, Schleifen, Sprengen​

War eine Burg nicht schon im Kampf stark beschädigt worden, so folgte in aller Regel ihre Zerstörung nach der Übergabe. Natürlich ging der Zerstörung eine ausgiebige Plünderung voraus. Der Grad der finalen Zerstörung, der vor dem Abzug des Eroberers herbeigeführt werden sollte, war letztlich auch mit der Frage verbunden, wie viele Arbeitskräfte zur Verfügung standen. Eine zeitgenössische Quelle berichtet, dass für die nachhaltige Zerstörung der Burg Grimmenstein im schweizer Kanton St. Gallen im Jahr 1416 rund fünfhundert Männer im Schichtbetrieb drei bis vier Wochen Zeit benötigten. Diese Ressourcen standen einem “Eroberer” in der Regel nicht zur Verfügung, so dass man es häufig mit dem Anzünden bewenden ließ. Nach dem Fehderecht war es dem Sieger aber nicht gestattet, gebrochenes Steinwerk abzutransportieren.

 

Anzünden

Die einfachste und mit den geringsten Kräften zu bewerkstelligende Form der Zerstörung einer Burg war das bloße Anzünden bzw. Ausbrennen.

Chronisten beschreiben die Herangehensweise wie folgt: Nach dem Herausbrechen von hölzernen Böden und dem Verstopfen von sämtlichen Tür- und Fensteröffnungen sowie Lichtschlitzen bzw. Scharten wurde das Objekt mit Holz, dürrem Reisig und Pech ausgefüllt und von unten angezündet.

Im Ergebnis waren die starke Hitze und das Ausdehnen der Luft überwiegend erfolgreich, jedoch war stärkeres Mauerwerk mit dieser Methode nicht immer zu brechen. Die in Fachwerkbauweise errichteten Wirtschaftsbauten der Burg, häufig innen an die Umfassungsmauern angelehnt, waren am einfachsten in Brand zu setzen. Die meisten durch Brand zerstörte Burgen, so wie Neuscharfeneck nach dem Bauernkrieg 1525 oder die Ramburg, nach einem Blitzeinschlag 1560, wurden später wieder aufgebaut.

 

Schleifen

Das Schleifen einer Burg umfasste massive Zerstörungen am Mauerwerk, insbesondere an den Wohn- und Befestigungselementen. So wurden beim Schleifen sicherlich die Zinnen und Brüstungen ausgeschlagen, aber auch das Herabreißen und Entzünden von (hölzernen) Wehrgängen, das Umwerfen von dünneren Mauern, die Zerstörung von Toranlagen und Türen einschließlich ihrer Verriegelungen gehörten dazu. Das Zuschütten von Brunnen und das unbrauchbar Machen von Zisternen gehörte ebenso dazu sowie die Zerstörung weiterer zivilisatorischen Annehmlichkeit an und in Wohnbauten.

 

Sprengung (ab Ende des 16. Jh.)

Mächtigem Mauerwerk, wie es in der mittelalterlichen Burg an Schildmauern bzw. Hohem Mantel, an Bergfried und anderen Türmen anzutreffen ist, war ab Ende des 16.Jahrhunderts durch Sprengung beizukommen.

Hierbei ist nicht das Einstreuen und Zünden von Pulver in Mauerfugen zu verstehen, denn das konnte allenfalls zu Abplatzungen am (weichen) Buntsandsteins führen, was aber für einen gezielten Abbruch größerer Mauerteile nicht ausreichte. Erst mit zunehmender Qualität des Schießpulvers war man in der Lage, eine Burg so zu sprengen, dass sie nachhaltige Zerstörungen an der Bausubstanz davontrug. Der kritische Erfolgsfaktor bei der Sprengung war, dass das Pulver in Mauerbohrungen, Fugen und sonstige geeignete Öffnungen in ausreichend hoher Menge eingebracht und ordentlich verdämmt zur Zündung gebracht wurde.

Neuscharfeneck: Nordverdickung der Schildmauer mit sichtbaren Spuren der Sprengung durch Schweden im Okt 1634. Die Qualität des Pulvers reichte noch nicht aus, um die Schildmauer zum Einsturz zu bringen.
Hardenburg: Blick aus Westen auf die nach der Sprengung 1692 freigelegte Kuppen der 2. Geschützebene
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