Mit Pulverwaffen gegen Burgen

Pulverwaffen revolutionierten die Kampfführung

War der Angriff auf Befestigungen im Hochmittelalter noch von der Angriffstaktik “durch…über…unter” die/der Mauer (das Tor) geprägt, so rückte im Artilleriezeitalter das “Bresche schießen” in den Vordergrund.

Der Einsatz von Artillerie gegen Burgen war Mitte des 15. Jahrhunderts bereits Stand der Wehrtechnik. Und auch die Burgherren, soweit sie es sich leisten konnten, passten ihre Wehrbauten an die neuen Kampfmittel an. Eine “Rüstungsspirale” setzte sich in Bewegung. Ich verweise an dieser Stelle auf das Kapitel “Ausbau zur Kanonenburg ab dem Spätmittelalter“.

Es ist aber nicht so, dass bereits im ausgehenden Mittelalter die Kampfführung beim Aufkommen erster früher Feuerwaffen völlig neu definiert wurde. Die Entwicklung der Kampftaktik mit Feuerwaffen vollzog sich vielmehr in einem Prozess, der einher ging mit der

  • Qualitätssteigerung des Schießpulvers,
  • Weiterentwicklung der Werkstoffe für die Rohrherstellung und die präzisere Fertigungsverfahren. Der Bronzeguss, später der Eisenguss, ersetzten das Schmieden der Rohre.
  • Gewichtsreduzierung bei den Geschützrohren und das Anschmieden von Schildzapfen, welche die Feldtauglichkeit (Mobilität) und Treffgenauigkeit der Geschütze erhöht. Kanonen konnten nun auf Lafetten mit vorgespannten Pferden transportiert werden
  • Normierung der Kaliber, wodurch die Anfertigung von Eisen(voll)kugeln in kostengünstiger Serienfertigung möglich wurde. Der “Kanonen”-Krieg wurde erschwinglicher.
  • Entwicklung eines neuen Schussverfahrens, das sog. Taktschießen, mit dem Mauern regelmäßige Treffer so in Schwingung versetzt werden konnte, dass es letztlich einstürzte. So geschehen bei der Belagerung von Burg Nanstein 1523.

Insoweit macht es Sinn, das Kapitel “Pulverwaffen gegen Burgen”, in zwei Phasen aufzuspalten:

  1. Burgbelagerung mit spätmittelalterlichen Feuerwaffen, primär Steinbüchsen
  2. Burgbelagerung in der Frühen Neuzeit (ab 1500), primär mit Kartaunen und (Feld-)Schlangen
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