Burgenkunde

Die Fliehburg als Vorläufer der Burg

 Schon in der Zeit vor Karl dem Großen hatten die königlichen Herrscher Land an Gefolgsleute vergeben und ihnen gestattet, darauf befestigte Wohnsitze zu errichten. Noch Karl II. der Kahle (840-877) bestand darauf, dass nur der Herrscher den Bau einer Burg genehmigen dürfe. Aber bereits Ende des 9. Jhdt. musste der gesamtfränkische König Karl III. (genannt der Dicke) den Grafen, Bischöfen und Äbten das Recht einräumen, eigenständige Maßnahmen zur Sicherung ihres Machtbereiches zu ergreifen, die allerdings einen Genehmigungsvorbehalt durch den König hatten. Normannen- und Ungarnsturm auf deutsche Gebiete (die Pfalz blieb verschont) Ende des 9. und im 10. Jhdt. waren schließlich der Auslöser, dass angesichts der Bedrohungslage immer mehr wehrhafte Plätze entstanden, in die sich die Bevölkerung mit Hab und Gut bei Angriffen auf das Land fliehen konnte. Daher die Begriffe “Fliehburg” oder “Volksburg”.

Eine Fliehburg war nicht ständig besiedelt. Sofern sie überhaupt archäologisch bereits untersucht wurden, hielt sich das Fundmaterial in Grenzen, was eine archäologische Datierung solcher Anlagen sehr erschwert. Auch urkundliche Erwähnungen fehlen auf Grund der frühen Entstehungszeit normalerweise völlig. Und für die Archäologie warten sicherlich spannendere Aufgaben.

In der Pfalz sind so gut wie keine der frühen Befestigungen erhalten. Dies liegt zum einen daran, dass sie in überwiegender Holzbauweise ausgeführt worden waren, deren Gebäude entweder im Laufe der Zeit durch Zerstörungen vollkommen verloren gingen oder später durch Steinbauten ersetzt wurden. Ausnahmen bilden die “Heidenlöcher” bei Deidesheim und der “Heidenschuh” bei Klingenmünster, die heute noch sichtbare Reste solcher als Ringwallanlagen ausgeführten frühen Befestigungen in der Pfalz.

Abb.: Grundriss Heidenschuh

1   2m breite Torgassen durch Wall, verriegelbar

2   Graben zur Westseite 


3   Palisadenring auf Erdwall, auf Torseite aus Stein 


4   Rückzugsfläche für Mensch und Tier

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