Geschichte des Steinenschloss

Steinenschloss vor der Zerstörung durch Barbarossa 1168. Eigener Rekonstruktionsvorschlag

Die Geschichte der Ruine Steinenschloss liegt durch den Mangel archivalischer Belege weitgehend im Verborgenen. Unbekannt sind nachwievor der Name des Erbauers, das Datum der Errichtung, der (historische) Name der Burg und die Gründe, warum die Burg etwa 100 Jahre nach ihrer Erbauung verlassen wurde. Damit ist die Darstellung der Geschichte dieser frühen Burg auf Hypothesen angewiesen, die sich auf Erkenntnisse der Burgenarchäologie stützen und dabei versuchen, Grabungsergebnisse und Untersuchungen der Bausubstanz in den zeitlichen Kontext der dokumentierten Regionalgeschichte zu rücken.

Demnach dürfte der Baubeginn des Steinenschloss in spätsalischer Zeit um 1100 erfolgt sein. Stefan Grathoff (Internet-Quelle 3)  datiert den Bau sogar noch präziser in die Zeit zwischen 1103 und 1107. Die Größe des Areals von 80 x  50m und die strategische Bedeutung des Burgenplatzes an einem wichtigen Verkehrsweg zum Trifels und von dort weiter zum Rhein und nach Speyer lässt auf einen hochadeligen Erbauer schließen. Der Umstand, dass die Burg auf dem Grund des Klosters Hornbach errichtet wurde und der Hornbacher Abt ein Bruder des Saarbrücker Grafen war, erhärtet die Vermutung, dass es die Saarbrücker waren, die als Bauherren das Steinenschloss errichteten.

Die erste Bauphase (um 1100) dürfte die durchgehend 1,80m starke Umfassungsmauer, den Torbau, die Funktionsgebäude in der Unterburg und den klar gegliederten und früher mindestens zweigeschossigen Palasbau umfasst haben. In einer zweiten Bauphase ab etwa 1150 wurde die Burg um einen runden Bergfried verstärkt, ein für die Stauferzeit typisches Wehrelement. Der Rundturm mit seinen großformatigen Buckelquadern (bis 1m lang und 55 Zentimeter hoch) hat einen Durchmesser von 13m und eine Wandstärke von 2,50m, die auf eine ursprüngliche Höhe von etwa 20-25m schließen lassen. Damit dürfte er einer der mächtigsten Rundtürme des deutschen Burgenbaus gewesen sein. Zu seiner Erbauung ist Steinmaterial verwendet worden, welches durch Ausschroten eines breiten und tiefen Halsgrabens vor der nördlichen Starkmauer gewonnen wurde. Zur besseren Durchführung der Baumaßnahme am Rundturm ist wahrscheinlich die Starkmauer an der Nordseite zu Teilen niedergelegt und zum Abschluss der Steinarbeiten als Schildmauer neu aufgerichtet worden, wobei überwiegend gleichartige Buckelquader verwendet wurden. Daneben wurde im Steinenschloss auch der Wohnkomfort gesteigert, indem man eine Abortanlage an die Palas-Ostwand anfügte.

Aufgrund der geborgenen Funde aus einer Brandschicht und Abplatzungen am Gestein durch große Hitze, lässt sich eine Zerstörung der Burg in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts ableiten. Die Forschung geht heute davon aus, dass das Steinenschloss zu den vier – in den Annalen des Klosters Disibodenberg allerdings namentlich nicht genannten – Burgen des Saarbrücker Grafen Simon I. (1135-1182) gehörte, die Friedrich Barbarossa infolge machtpolitischer Auseinandersetzungen 1168 zerstören ließ. Gestützt wird diese Annahme dadurch, dass die Grabungsfunde im Steinenschloss nicht über den Zeitraum des 11. bis 12. Jahrhunderts hinausreichen. Stefan Grathoff  charakterisiert die Zerstörung allerdings nicht als „zerstörerischen Kraftakt der Reichsgewalt, sondern als eine wohlüberlegte Zurechtweisung und Machtbeschränkung des Saarbrücker Grafen.“

Burg Steinenschloss soll nach ihrer ‘Zerstörung’, den Funden nach zu schließen, noch weitere 30 Jahre bis zur Jahrhundertwende (12./13.Jhdt) weiter bewohnt, dann aber aufgegeben worden sein. Über die Gründe kann gegenwärtig nur spekuliert werden. Ob die Übernahme der strategischen Funktion durch die Burg Gräfenstein der Auslöser war, so wie es Grathoff vermutet, ist im Schrifttum umstritten.  Folgt man den Ausführungen im Pfälzischen Burgenlexikon (Lit.-Quelle 1), so könnten die Grafen von Blieskastel die Anlage bewohnt, und die von Barbarossa geschlagene Bresche im Bering geschlossen haben. Möglicherweise wurde die Anlage im Zusammenhang mit dem „Deutschen Thronstreit“ zwischen Staufern und Welfen Ende des 12. Jahrhunderts und zu Beginn des 13. Jahrhunderts noch einmal in Mitleidenschaft gezogen und danach endgültig aufgegeben. Auch hierzu gibt es keine archivalischen Details und so bleibt das Ende der Burg Steinenschloss weiter im Dunkel.

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