Zeitreise zum Schlössel des Jahres 1100

Gesamtanlage aus Süden
Mit dieser Bildsammlung wird der Versuch unternommen, die Gestalt der Burg nach der letzten Ausbauphase um 1100 anhand der mir zugänglichen Quellen zu rekonstruieren und Erklärungen zu den Funktionselementen anzubieten.
Gesamtanlage aus Osten
Das Schlössel wurde während seiner 140-jährigen Geschichte dreimal zerstört und jeweils wieder aufgebaut, wobei neue Elemente hinzugefügt wurden. Die vierte Zerstörung um 1168 war hingegen final. Die Burg wurde danach abgetragen und ihre verbliebenen Reste fielen in einen 700 Jahre anhaltenden “Dornröschenschlaf”.
Burgweg mit alter Wallanlage
Reste einer älteren Ringwallanlage aus der Zeit zwischen 880 und 920 sind heute noch an Steinresten (Trockenmauern) und Gräben zu erkennen. Der Wohnturm gründet auf natürlichem Grund, er wurde nicht aufgeschüttet.
Turmburg Schlössel um 1100 aus Westen
Die Kernburg misst ca. 40 x 35m und ist von einem Bering umgeben.
Ringmauer und Zugangskonzept
Die Kernburg war von einer etwa 5 m hohen geschlossenen Ringmauer umgeben. Ihr Verlauf ist heute durch den gut erhaltenen Mauersockel leicht zu rekonstruieren. Die Mauerstärke betrug 90 – 125 cm. Zerstörungsspuren belegen, dass die Ringmauer einen Wehrgang aus Holzbohlen trug. Auch ist ein Zinnenkranz nachgewiesen. Der steinerne Torbau zur Sicherung der Kernburg ragt aus der Ringmauer heraus.
Geschosseinteilung der Wohnturmes
Vom Wohnturm ragen heute nur geringe Mauerreste 6m in die Höhe. Aufgrund der Mauerstärke des Erdgeschosses von 250cm geht man von einem 4-5-geschossigen Turm aus, der eine Höhe von 20-25m erreichte. Die Ausgrabungen habe ergeben, dass das Dach mit Schiefer gedeckt gewesen sein muss. Wahrscheinlich schloss der Turm mit einer zinnenbewehrten Plattform ab.
Hoher hygienischer Standard
Von wegen “düsteres Mittelalter”: An den Wohnturm war ein bis in die oberen Wohngeschosse reichender Abortschacht (Abortturm) angefügt, was auf eine größere Anzahl von Nutzern schließen lässt. Dessen Außenmaß beträgt 4 x 3.5m und hat eine Mauerstärke von 150cm.
Hoher hygienischer Standard
Der Abortturm diente als Latrine und der Entsorgung von Speiseresten. Unten im Abortturm befindet sich eine Abflussöffnung, um bei entsprechendem Füllstand die Entleerung zu ermöglichen. Gemischt mit den Tierfäkalien ergab sich ein wirksamer Ackerdung.
Kernburg aus Südosten
Dem Wohnturm an der Ostseite vorgelagert sieht man einen Vorbau, der im deutschen Sprachraum sehr selten iund eher auf angelsächsischen Burgen als “forebuilding” anzutreffen ist. Der Vorbau diente dem Schutz des höher gelegten Eingangs in den Wohnturm.
Turmburg Schlössel um 1100 – Vorbau
Dem Wohnturm an der Ostseite vorgelagert sieht man einen Vorbau, der im deutschen Sprachraum sehr selten iund eher auf angelsächsischen Burgen als “forebuilding” anzutreffen ist. Der Vorbau diente dem Schutz des höher gelegten Eingangs in den Wohnturm.
Turmburg Schlössel um 1100 – Feldseite des Torturms
Der steinerne mehrgeschossige Torturm sicherte den Zugang zur Kernburg. Seine Ausführung ist aufwändig und trägt repräsentative Elemente. Die Höhe des Turmes kann trotz seiner relativ geringen Mauerstärke von 0,85 – 1,15 m mit 8 – 12m angenommen werden. Der äußere wie auch der innere Tordurchgang standen leicht versetzt zueinander. Zwei zweiflügelige Holztore riegelten den 2,50m hohen Durchgang ab.
Hofseite des Torturms mit Trennmauer
Der Zugang zum Torturm erfolgte vermutlich auf zwei Seiten über den Wehrgang. Der innere Tordurchgang ist etwa 2m breit und liegt in der Mittelachse des Torbaus, während das äußere Tor nach Osten (links) verschoben ist. Die Ringmauer stößt im Westen (rechts) auf die Südwestecke des Torbaus. Zwischen Wohn- und Torturm wurde im 2. Drittel des 11. Jh. eine Trennmauer eingezogen, die den der Herrschaft vorbehaltene Oberhof vom Rest des Wirtschaftshofes abtrennte.
Gliederung der Burg Schlössel
Aus diesem Blickwinkel kann man die wesentlichen Elemente der Burg (vorne nach hinten) gut erkennen: 1. Umlaufender Wall / Graben / Mauer schützt die Vorburg 2. Ringmauer der Kernburg mit Zinnenkranz 3. Wirtschaftshof mit mehreren Funktionsgebäuden 25m hoher Wohnturm , oben mit Zinnenkranz und 4. Pyramidendach . Abortturm an der Nordseite des Wohnturmes 5. Oberhof mit Küche und Rampe, durch eine Mauer abgetrennt vom westlichen Wirtschaftshof 6. Torturm 7. Vorburg mit sog. “Wachthaus” 8. Burgweg
Funktionsgebäude im südl. WIrtschaftshof
So könnten Schmiede (rechts) und Badehaus (links) um 1100 ausgesehen haben. Zwischen Schmiede und dem steinernen Haus (rechts) befand sich ein großer Ofen in Stein- und Lehmbauweise, der mit mehreren Steinschichten in den Boden eingetieft war. Sein Feuerraums lag ebenerdig.
Schmiede mit Feuerstellen
Schmiede mit Feuerstellen im mittleren Burghof wurden Reste eines Fachwerkhauses mit mehreren Feuerstellen und Öfen entdeckt. Ich nehme an, dass es sich hier um eine Schmiede gehandelt haben könnte. Aber auch Glas- und Metallverarbeitung sind durch aufgefundene Artefakte nachgewiesen.
Turmburg Schlössel um 1100 – Badehaus
Das sog. “Badehaus” im Südwesten des Burghofes zeugt von einem unerwartet hohen salierzeitlichen Wohnkomfort. Das Gebäude selbst war einfach, vermutlich in Fachwerkbauweise errichtet. Das Badehaus umfasste zugleich ein Dampfbad. Zum Ofen führte ein Treppenabgang zwischen Gebäude und Ringmauer in den etwa 180cm hohen Heizungskeller.
Steinernes Haus im nördl. Wirtschaftshof
Im mittleren Teil des Wirtschaftshofes wurde ein weiteres Fachwerkgebäude festgestellt, welches später als Steinbau errichtet wurde. Das polygonale, an die Ringmauer angelehnte, Haus hatte vermutlich ein Pultdach. Ein in diesem Bereich gefundenes Tintenfass ist ein Indiz dafür, dass der Bau Verwaltungszwecken gedient haben könnte.
Oberhof mit Küche, Trennmauer
Bei Umbaumaßnahmen im letzten Drittel des 11. Jhdts. wurden der Wirtschafts- und der Obere Hof durch eine Mauer getrennt und eine Neugliederung in einen handwerklichen und einen herrschaftlichen Bereich erreicht. Ob diese Trennmauer einen Wehrgang und einen Zinnenkranz hatte, ist spekulativ. In der Mitte der Trennmauer befindet sich eine auch heute noch erkennbare Ausgussöffnung für Abwässer, die dem Gefälle folgend in Richtung des Torturms abflossen. Im Oberhof ist nur ein Gebäude nachgewiesen., vermutlich ein polygonaler Küchenbau in Fachwerkbauweise, der an die Ringmauer angesetzt wurde. Der Backofen in Stein- und Lehmbauweise war mit mehreren Steinschichten in den Boden eingetieft.
Turmburg Schlössel um 1100 – Oberhof mit Küchenbau und Backofen
Im Küchenbau befand sich eine gemauerte Feuerstelle. Unmittelbar vor dem Gebäude erkennt man den in den Boden eingetieften Backofen. Das Pultdach folgte dem Verlauf der Ringmauer. Links der Aufgang zum Steinpodest mit der Eingangstür in den Vorbau.
Der Zugang in den Vorbau führte über die Rampe
Der Eingang des Vorbaues lag in einer Höhe von etwa 1,50 Meter. Davor liegt ein heute noch gut erhaltenes Podest, das früher nur durch eine Rampe zu erklimmen war. Die Rampe verlief entlang der Mauer. so dass der Einsatz eines Rammbocks (vgl. Kapitel Belagerungsgerät) an der Tür des Vorbaues unmöglich war.

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