Die Geschützmannschaften

Wie bereits im Abschnitt “Geschichte Kompakt” dargestellt, wurde Neuscharfeneck durch Kurpfalz nach 1469 und von der Herrschaft Scharfeneck zwischen 1525 und 1530 sukzessive zur Kanonenburg ausgebaut.

Überlegungen zum Bedienpersonal

Zur Herstellung der Einsatzbereitschaft der Burg waren die Geschütz- und Handwaffenstellungen zu bemannen.

Wieviel Bedienpersonal war hierfür erforderlich?

Welche Ausbildung erforderte die Bedienung der unterschiedlichen Waffentypen?

Diese Fragen musste der Festungsbaumeister seinem Auftragsgeber sicherlich beantwortet haben, als es galt, die Schildmauer zum Kanonenträger umzugestalten.

Die (einfache) Hakenbüchse konnten jeweils durch einen Schützen bedient werden, der möglicherweise sogar zwei oder mehrere Haken im Wechsel abfeuerte, während ein Gehilfe für das Nachladen der abgefeuerten Waffe(n) sorgte. So konnte eine hohe Schusssequenz für das Niederhalten und Abwehren angreifenden Fußvolkes ohne längere Feuerpausen aufrecht erhalten werden. Die Bedienung einer Pulver-Handwaffe konnte jeder Burgwächter oder Fußknecht rasch erlernen und erforderte noch keine spezielle Ausbildung. Die “Doppelhacken mit schafft“, d.h. auf Schießbock, wurden durch 2 Mann bedient.

Für die Bedienung der Kleingeschütze waren vermutlich ein Trupp von 2 bis 3 Kanonieren notwendig.

Falkonet im Einsatz (aus: Kieler Zinnfiguren v Erika Ochel)

Tätigkeiten der einzelnen Schützen:  (1) Auswischen des Rohres, Einsetzen der Ladung, (3) Stückmeister: Richten und Abfeuern bzw. Zünden, (4) Hilfsknecht: Munitionszubringer

Für den Einsatz der Halbschlangen (9-Pfünder) sind vermutlich sogar 3 bis 5 Mann Bedienmannschaft anzusetzen. Denn bei den schweren Kanonen war entsprechendes Hilfspersonal für das kräftezehrende Ein- und Ausfahren der Lafette während des Ladevorgangs erforderlich. Das Richten bzw. Abfeuern war Sache des sog. “Büchsenmeisters“. Die Büchsenmeister waren eine selbständige Gesellschaft  ohne Zunft- oder Gildenmeister und waren entsprechend hoch besoldet. Der Büchsenmeister war in Friedenszeiten für die Wartung und Reparaturen, bzw. fertigte (außerhalb der Burganlage) in einer Gießerei neue Geschütze an.

Man kommt also in Summe auf eine etwa 25-30 Mann starke Bedienmannschaft für die Geschütze (ohne Handwaffen), sofern sie alle bemannt wurden. Es liegt nahe, dass die Bedienmannschaften aus Kostengründen und wegen des knappen Raumes nicht permanent und vollzählig auf der Burg stationiert waren, sondern dass der Burghauptmann ausgebildetes Personal entsprechend der Bedrohungslage fallweise rekrutierte. Diese “Sparsamkeit” wurde Neuscharfeneck während des Bauernkrieges vermutlich zum Verhängnis. Man darf annehmen, dass nicht das Fehlen von ausreichenden Mengen Schießpulvers für die kampflose Übergabe an den Bauernhaufen entscheidend war, sondern die zahlenmäßige Unterlegenheit und auch das Fehlen von  ausgebildeten Bedienungsmannschaften.

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