Geschichte der Burg Neudahn kompakt

Um die Stadt Dahn finden wir vier Burgen: Die drei als “Dahner Schlösser” zusammengefasste Burgengruppe Alt-Dahn, Grafendahn, Tanstein im Nordosten von Dahn sowie die etwas nach Westen abgesetzte Burg Neudahn.

Bischof Konrad IV. v. Tann (Dahn) um 1220. Aus: codex bruchsal 1 Bl. 1v , gemeinfrei

Über den genauen Zeitpunkt der Errichtung Neudahns liegen keine Urkunden vor. Wahrscheinlich wurde die Burg bereits in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts (um 1240) im Auftrag des Bischofs von Speyer, Konrad IV. von Tann (Dahn), erbaut. Mit der Bauausführung wurde der speyerische Ministeriale Heinrich Mursel von Kropsburg beauftragt, der sich später Heinrich von Than nannte, und die Burg als erbliches Lehen erhielt. Von der stauferzeitlichen Burganlage sind noch buckelquaderverblendete Mauerreste an der hoch aufragenden Westwand der Oberburg und die durch Felssturz freigelegte Tankzisterne im Westfelsen zu erkennen.

Erst rund 40 Jahre später, am 3. Mai 1285, wurde die Burg “Than” (Neudahn) erstmals urkundlich erwähnt. In einem 1288 geschlossenen Burgfrieden zwischen den vier Dahner Ritterfamilien, die die Burgengruppe bewohnten, wurden ausdrücklich auch die Herren Friedrich von Wildstein und Anselm von Eichen (Schwäger des sohnlos gestorbenen Wolfram II. v. Dahn) eingeschlossen, die die etwas abseits gelegene Burg Neudahn bewohnten und sich untereinander verpflichteten, die Burganlagen, den Burgberg, das Dorf Dahn und die umliegenden Höfe gemeinschaftlich gegen alle Feinde zu verteidigen. Hiermit war die Zusage verbunden, auch keinen Feind eines der anderen auf dem eigenen Burgareal aufzunehmen.

Als Mursels Linie 1327 ausstarb, fiel das Lehen an Speyer zurück. Bischof Gerhard von Speyer belehnte nun Johann (III.) von Alt-Dahn und Tanstein nun noch mit Neudahn samt aller zugehörigen Rechten. Im sog. “Vier-Herren-Krieg”, der  zwischen 1406 und 1408 im Westrich und Wasgau ausgefochten wurde, scheint neben Alt-Dahn auch Neudahn Schäden davon getragen zu haben, mehr ist nicht dokumentiert.

König Ruprecht I. Unbekannter Künstler des 16. Jh. gemeinfrei

1410 kassierte die ganze Familie Dahn von König Ruprecht I. (vormaliger Pfalzgraf Ruprecht III.) die Quittung dafür, dass man im Krieg um die Raubritterburg Tannenberg (1400) in Südhessen als Mitbesitzer derselben gegen Ruprecht stand – und verlor. Übrigens war Tannenberg die erste mit Kanonen belagerte und mit schweren Steinbüchsen (Steingewicht 170kg, Kaliber 50cm) gebrochene Burg im deutschen Raum. Neudahn wurde durch Ritter Heinrich Eckbrecht von Dürkheim beschlagnahmt und unter Zwangsverwaltung eines Hanemann von Sickingen gestellt. Erst als Heinrich (X.) v. Dahn 1432 starb, wurde das Lehen neu an die Dahner Familie vergeben.

Nach Erbstreitigkeiten gelangte Neudahn 1512 schließlich an Christoph (I.) von Dahn. Während dessen Herrschaft erfuhr Neudahn während des Bauernkrieges 1525 Zerstörungen. Vermutlich reifte in Christoph (I.) zu dieser Zeit  die Absicht, Neudahn nach Gesichtspunkten moderner Befestigungstechnik zur Kanonenburg auszubauen. Um 1533 entstanden die viergeschossigen Zwillingsbatterietürme und etwas danach der Mauerkeil mit der ihn umgebenden Vorbastei sowie die Kanonen tragenden Flankierungstürme.  Im gleichen Jahr verstarb Christoph und die Herrschaft über Neudahn ging zunächst an Bernhard (I.) v. Altdahn und schließlich 1544, nach Bemühung eines Schiedsgerichts, an Sohn Christoph (II.) über. Da die Dahner Familie im 16. Jh. in finanzielle Schieflage geriet, darf wohl angenommen werden, dass der teure Ausbau und der kostspielige Unterhalt der neuen Kanonenburg hierfür ursächlich waren. Die Dahner waren neben dem Sickinger das einzige niederadelige Geschlecht in der Pfalz, welches noch im 16. Jahrhundert in den Ausbau seiner Burg(en) investieren konnte. Mehr zum Ausbau Neudahns zur Kanonenburg.

König Heinrich II. v. Frankreich
von: Francois Clouet
public domain (Wikipedia)

Bekannt ist die Episode, als der französische König Heinrich II. 1552 auf Neudahn nächtigte und feste Mauern einem unbequemen Feldlager vorzog. Henri befand sich zu dieser Zeit auf einem Kriegszug gegen Kaiser Karl V. , der ihn bei seinem Marsch von Weißenburg durch das Wieslautertal an Dahn vorbei führte. Nicht nur, dass der König schöne Stücke des Hausrats mitgehen ließ, seine Truppen zerstörten zudem noch die beiden Dahner Mühlen und das Wieslauterbrückchen war zu klein, um mit den schweren französischen Kanonen passiert werden zu können. Sie mussten um das Doppelte verbreitert werden. Sicherlich viel Aufregung für die im Kindbett liegende Gattin des Gastgebers Christoph (II.).

Die Burg Neudahn wechselte noch viele Male innerhalb der Familie den Besitzer.  Sie war Ende des 16. Jh. wohl noch in gutem Zustand, ganz im Gegensatz zu den Dahner Schlössern, die immer unbewohnbarer wurden. Die (Alt)Dahner Ritter nahmen ihren Herrensitz in Burrweiler. Als Ludwig (II.), letzter des Dahner Mannesstammes, 1603 starb, zog das Hochstift Speyer das gesamte Dahner Lehen (einschließlich Neudahn) als erledigt ein.

Während des 30-jährigen Krieges wurde Neudahn im Frühjahr des Jahres 1622 von Truppen des mansfeldischen, und damit protestantischen, Obersten Peblis eingenommen. Hierbei scheint es nicht zu Kampfhandlungen gekommen zu sein. Kurz danach verlor das Hochstift Speyer auch noch die Madenburg an die  Mansfelder.

Ezéchiel de Mélac. Bild eines unbekannten Künstlers gemeinfrei (Wikipedia)

Die endgültige und nachhaltige Zerstörung Neudahns erfolgte 1689 durch General Mélac während des Orléanschen Erbfolgekrieges. Hierbei ist auch das Dahner Familienarchiv im Feuer verloren gegangen, was die schlechte Quellenlage über die Burg erklärt.

Ab 1976 ließ das Land Rheinland-Pfalz die Burg umfassend sichern, es wurden die Gewölbe in den Batterieturmgeschossen wieder hergestellt und die Treppenzugänge erneuert. Auch im Bereich des Zwingers wurden Neuaufmauerungen vorgenommen, der nördliche Flankierungsturm und Mauern des Rechteckhauses rekonstruiert und in Teilen frisch aufgemauert.

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