Wehrkonzeption der "Kanonenburg"

Die wichtigsten Wehrelemente aus der Zeit nach dem Bauernkrieg​

Die Torbastion

Dem wuchtigen Torbau der renaissancezeitlichen Madenburg wird in der Burgenliteratur erstaunlich wenig Aufmerksamkeit zuteil. Vermutlich, weil sich von ihm lediglich Fundamente und ein großer spitzbogiger Gewölbegurtbogen erhalten haben.

Die Torbastion wurde vermutlich wie die jüngere Schildmauer und Barbakane nach dem Bauernkrieg um ca. 1530 errichtet. Sie wurde zum neuen Hauptwehrelement auf der Westseite und zur unüberwindbaren Umhüllung des Haupttores in die Kernanlage.

Die Bastion tritt mit ihrem halbrunden Grundriss aus der Flucht der Westzwinger-Mauer heraus. Im erhaltenen unteren Mauerwerk erreicht sie ein Mauerstärke von lediglich 1 Meter. Das sich nach oben verjüngende Mauerwerk war daher nicht stark genug, um mit größeren Kalibern bestückt zu werden. Erhard Braun vermutet, dass in der Torbastion 2 oder 3 Sechspfünder auf der Basisebene sowie eine leichtere Schlange auf einer Dachplattform standen.

Ich ergänze, dass es sich bei den Kampfständen nicht um Geschützkasematten, wie auf Neuscharfeneck anzutreffen, handelte, in denen auf kleinrädrige Lafetten gebettete kurzrohrige Kanonen in 4-6 Meter tiefen Kasematten standen. Vielmehr darf man Maulscharten mit halbrunder Öffnung annehmen, ganz ähnlich denen des Rondell am überbauten Halsgrabens auf Burg Drachenfels. Die madenburger Geschütze waren wahrscheinlich auf hochrädrigen Wandlafetten beweglich verschiebbar, so dass je nach Feindlage Feuerschwerpunkte in den westlichen Halbkreis vor der Anlage gebildet werden konnten. Von dort konnten sie zum einen in das aus dem Wasgau in die Rheinebene austretende Tal hinein wirken. zum anderen konnte einer der beiden Zugangswege aus Eschbach zur Burg vom Torrondell aus überwacht werden.

Madenburg: Torbastion aus Südwesten
Blick auf den Burgweg entlang des Westzwingers, der zur Torbastion und dem Haupttor der Kernburg führte
In der Luftbildansicht lässt sich die Dimension der rondellartig nach Westen vorkragenden Torbastion erahnen.
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