Zeitreise in das Jahr 1544 auf dem Gräfenstein

Anmerkungen zu den Rekonstruktionen
Von der Burg Gräfenstein gibt es nur wenige Rekonstruktionen. Und so habe ich mich daran gemacht, die Burg im Computer als 3D-Modell “Renaissanceschloss Gräfenstein” auferstehen zu lassen. Genutzt habe ich die Software Maxon Cinema 4D. Die Arbeitszeit für die Erstellung betrug etwa 14 Arbeitstage.
Stauferzeitliche Burg Gräfenstein (1544)
Im Bildvordergrund hinter den Rundtürmchen verbirgt sich die Torgasse. Der Zutritt zur Kernanlage führte über den zweistöckigen, heute noch 12m hohen Inneren Torturm. Da der vordere spitzbogige Teil des Torturms abgegangen ist, beruht die Pechnase und das Fallgatter an der Westfront des Turms auf einer Annahme. Markant ist der rechteckige Abortturm an der Ostseite des Kernfelsens. Er symbolisiert einen hohen hygienischen Standard dieser Anlage. Der Palas war außen mit Buckelquadern verkleidet. Vermutlich trug er oben ein in Fachwerkbauweise aufgesetztes Ober- und Dachgeschoss.
Gräfenstein Westseite
Vermutlich führte eine in Trockenbauweise errichtete kleine Zwingermauer um die gesamte Anlage herum. Von ihr sind nur noch Reste am äußeren Tor in den Torzwinger erhalten. Der Aufgang zur Oberburg wurde vermutlich durch einen Treppenturm geschützt. Oberhalb des Treppenturms ist ein Kampfstand mit einem Gusserker vorhanden, dessen Kragsteine oberhalb der Rundbbogenpforte allerdings nur dem aufmerksamen Burgbesucher ins Auge fallen.
Gräfenstein Südseite
Die Hauptbefestigungen der stauferzeitlichen Burganlage sind an der Südseite zu finden. Der Bergfried, der heute noch 17m hoch ist und vorne noch 10m über der Schildmauer aufragt, ist siebeneckig. Ob er mit einem Zinnenkranz abschloss, oder gar ein Pyramidendach trug, ist meine Annahme. Auffällig ist, dass weder Mantelmauer noch Bergfried zur Feindseite Öffnungen zeigen. Die Schildmauer trug einen um den Bergfried umlaufenden Wehrgang. Pfostenlöcher sind im Mauerwerk des Bergfrieds zu erkennen.
Oberburg und Unterburg aus Südwesten
Die Oberburg ist der älteste Teil der Burg und entstand, wie auch die westliche Ende des 12. Jahrhunderts. Die südliche Vorburg (Bild rechts) entstand in der zweiten Ausbauphase ab 1250. Die an die 2m starke Südmauer angelehnte Hofbebauung wird “Kasernement” genannt. Der Aufgang zur Oberburg, der vermutlich mehrfach verändert wurde, führte über eine Steintreppe entlang des Westfelsens, der im oberen Teil durch einen halbrunden, mit Buckelquadern verkleideten, Turm gesichert war.
Nördlicher Torzwinger, Tor- und Abortturm
Der Zugangsweg führte ab etwa 1370 durch einen engen langen Torzwinger, der neben dem Außentor durch zwei oder sogar drei weitere Tore gesichert. Die Halbschalentürme hatten den Zweck, das jeweilige Abschnittstor zu decken. Die gut erhaltenen Schlüssellochscharten wurden vermutlich um 1500 für die Nutzung von (Hand-)Feuerwaffen ertüchtigt. Größere Scharten für den Einsatz von Artillerie sind auf der Burg nicht auszumachen.
Innerer Torturm und “Kasernement”
Den Hauptzugang zur Unterburg sicherten zwei noch recht gut erhaltene kleine Türme an der nordöstlichen Seite des Schlossberges. Der rechte, etwas größere diente auch als Flankierung für die vorgeschobene kleine Zwingeranlage, die sich rechts im Bild abschließt und um die gesamte Burganlage herum führte. Alle Türmchen des Torzwingers waren innen offen und nicht durch Pforten geschützt.
Innerer Torturm und “Kasernement”
Der vordere Torbogen des Inneren Torturms ist heute völlig verschwunden, so dass die hier abgebildeten Pechnase und Fallgatter nicht nachgewiesen – aber wahrscheinlich – sind. Der zur Hofseite im oberen Abschnitt offene Turm könnte Platz für die Winde eines Fallgatters und den Zugang zum Kampfstand ( Pechnase) geboten haben.
Befestigter Zugang zur südlichen Unterburg
Wer die Oberburg erreichen wollte, musste nach der nördlichen Torgasse die innere zweigeschossige Toranlage passieren. Der Torturm war etwa 12m hoch. Das obere Geschoss war hinten offen, um einem eingedrungenen Feind keine Stellungen gegen die Kernburg zu bieten. Der Weg in die südliche Unterburg führte durch ein weiteres doppelflügeliges Tor in der Riegelmauer. Ob diese einen Wehrgang trug oder nicht, ist unklar aber wahrscheinlich.
Burg Gräfenstein aus Nordwesten
Zum Abschluss noch einmal ein Blick auf die Gesamtanlage aus Nordwesten . Wenn Ihnen die Rekonstruktionen gefallen haben, würde ich mich über eine positive Bewertung und einen Eintrag im Gästebuch sehr freuen.

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